Verletzungsserie bei Alba Berlin: Darum sehen die Basketballer in der Misere auch Chancen

Schon wenige Stunden nach dem Spiel konnte Martin Hermannsson so etwas wie Entwarnung geben. Auf Nachfrage äußerte sich Alba Berlins Aufbauspieler zuversichtlich, dass er keine schlimmere Verletzung aus dem Euroleague-Spiel in Istanbul davongetragen habe. Noch positiver klang der Isländer am Montag mit Blick auf einen möglichen Einsatz am Dienstagabend in eigener Halle gegen Frankfurt. „Ich habe gerade das Training beendet, es sieht gut für morgen aus“, so Hermannsson gegenüber der Berliner Zeitung.

Eine Nachricht, die so nicht zu erwarten war. Mitte des dritten Viertels musste der 25-Jährige nach einem Zusammenprall vom Feld. Hermannsson wurde am Ende der Spielerbank zunächst behandelt und verfolgte die 105:106-Niederlage nach Verlängerung bei Anadolu Istanbul als Zuschauer. Bereits vor dem Spiel hatte Marcus Eriksson mit einem Muskelfaserriss passen müssen. Er fehlt den Berlinern mehrere Wochen. Kenneth Ogbe hatte in der Saisonvorbereitung eine solche Verletzung erlitten, Peyton Siva pausierte bis zum Spiel in Istanbul mit muskulären Problemen. „Das sind Verletzungen, die mit hohen Belastungen zu tun haben“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi, „aber wir werden das natürlich genau analysieren.“

In einer Saison mit mindestens knapp 70 Spielen in drei Wettbewerben überlässt Alba nichts dem Zufall. Statt überstürzt mit Nachverpflichtungen zu reagieren, will der Klub der Ursache wiederkehrender Verletzungen auf den Grund gehen. „Man muss die Verletzungen von Fall zu Fall betrachten“, so Baldi. Peyton Siva etwa war ein Gegenspieler reingesprungen, Hermannsson trug seine Verletzung aus einem Zusammenprall davon. Beides war nicht auf fehlende Regeneration oder falsches Training zurückzuführen. Alba aber ist auf Ausfälle vorbereitet. Dadurch, dass ein Großteil der Mannschaft gehalten werden konnte, braucht es nicht viel Zeit zum Einspielen, Automatismen aus der Vorsaison greifen relativ zügig.

Mehr Qualität im Kader

Die Spieler, die für Verletzte eingewechselt werden, funktionieren sehr gut. Der Ausfall Erikssons, der in den ersten Saisonspielen in der Offensive einer der auffälligsten Alba-Spieler war, fiel in Istanbul nicht auf, da er nahezu problemlos von Teamkollegen ersetzt wurde. „Es geht darum, dass die Jungs, die reinkommen, keine Anlaufphase von zwei, drei Spielen brauchen, sondern gleich im System greifen“, sagt Baldi. Ihm und Sportdirektor Himar Ojeda ist es gelungen, die Qualität im Kader zu steigern, ihn aber auch noch breiter für die Belastung aus Bundesliga, Euroleague und BBL-Pokal aufzustellen.

Inklusive der Doppellizenzspieler gehören 17 Akteure zum Team. Die Ausfälle von Johannes Thiemann, Siva, Stefan Peno und Makai Mason sowie jetzt  Eriksson können qualitativ ausgeglichen werden. „Es wird auch eine Aufgabe, damit umzugehen, wenn alle da sind“, sagt Baldi.

Thiemann, Peno und Eriksson fehlen

Sollte Hermannsson am Dienstagabend ab 19 Uhr gegen Frankfurt tatsächlich einsatzbereit sein, werden immerhin noch Thiemann, Peno und Eriksson nicht dabei sein. In ihrem Ausfall liegt für junge Spieler die Chance auf erhöhte Einsatzzeit. In der vergangenen Saison konnten Franz Wagner, Jonas Mattisseck und Tim Schneider zeigen, dass sie auf hohem Niveau spielen können. „So sind Spieler wie Mattisseck und Schneider gewachsen. Der Verantwortungsübernahme haben sie standgehalten“, sagt Baldi, „die Anzahl der Spiele wird es ermöglichen, dass jeder seine Möglichkeiten bekommt.“

Bislang hat nahezu jeder Spieler diese Möglichkeiten genutzt, deshalb gibt es auch in Schreckmomenten wie  bei Herrmannsson in Istanbul kaum Bedarf an Nachverpflichtungen. Trotz aller Verletzungen „sind wir noch weit davon entfernt, dass wir uns über Ersatz Gedanken machen müssen“, sagt Baldi.