Wächst hier einmal ein neues Hertha-Stadion aus dem Grün? Der Fußball-Bundesligist favorisiert das Gelände am Berliner Olympiastadion.
Foto: imago/Matthias Koch

BerlinWorst Case, GAU, Schreckensszenario: Es gibt einige Begriffe für das, was dem Berliner Fußball-Bundesligisten Hertha BSC widerfahren könnte. Er könnte mit einem hohen Millionenbetrag  auf dem Festgeldkonto in die Zweitklassigkeit abrutschen. Nur vier Punkte beträgt aktuell der Abstand auf einen Abstiegsplatz. Am Sonnabend kommt RB Leipzig ins Olympiastadion, der Verfolger des Spitzenreiters Borussia Mönchengladbach und des Tabellenzweiten Borussia Dortmund. Das ist der sportliche Zwischenstand, der nach zehn Spieltagen erst einmal nicht dramatisch erscheinen mag, der jedoch zusätzliche Brisanz erfährt, da die Hertha BSC GmbH & Co. KGaA in diesen Tagen 100 Millionen Euro bekommt.

Erwartungen an die Profis von Hertha BSC

Nach einer ersten Überweisung von 125 Millionen Euro erfüllt Investor Lars Windhorst seinen Teil der Vereinbarung mit dem Bundesligisten. Im Gegenzug erhält er über seine Beteiligungsgesellschaft Tennor dann insgesamt 49,9 Prozent der Anteile am Klub. Und dafür wiederum erwartet Windhorst, dass Hertha BSC mittelfristig zu einem fußballerischen Schwergewicht aufsteigt. Oder in seinen Worten: zu einem Big City Club.

Dieser Herbst ist für Hertha BSC ein heißer Herbst. Es müssen Entscheidungen fallen, es muss auf unterschiedlichen Ebenen  eine Strategie gefunden werden, es muss der Klub vom derzeit Ungefähren zum Konkreten gelangen. Die Big City Berlin hat nämlich ihre Besonderheiten.

Eine ist aus Stein und Stahl, das Olympiastadion mit einer Kapazität von rund 74.000 Plätzen und einer durchschnittlichen Auslastung bei Hertha-Spielen in dieser Saison bisher von knapp 43.000. Von etwa 60 Prozent also. Und weil es außerdem nicht mehr modernen Ansprüchen genügt, dieses Stadion, wünscht sich der Bundesligist eine eigene Arena, eine Fußballarena. Er wünscht sich ein Entgegenkommen der Landesregierung und baut deshalb Druck auf, indem er den Umzugstermin auf 2025 festlegt. Ein Datum, das angesichts langwieriger Genehmigungsverfahren schon jetzt ambitioniert ist.

Kaum anzunehmen, dass die Charlottenburger ihre Verhandlungsposition überschätzen. Sie werden wissen, dass sie nicht so stark in ihrer Stadt verankert sind wie etwa der FC in Köln und anders als zum Beispiel Borussia Dortmund mit starker innerstädtischer Konkurrenz namens 1. FC Union zurechtkommen müssen. Sie werden ebenfalls wissen, dass sich der Berliner Senat bei der Stadionfrage auf schwerem Terrain bewegt. Mangel an bezahlbarem Wohnraum verlangt nach raschen Lösungen, nach Standorten und bezüglich der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA nach einer klaren Antwort auf die Frage, warum die öffentliche Hand ein Unternehmen der Unterhaltungsbranche Fußball fördern sollte, ohne Kompromiss zumal.

225 Millionen Euro als Grundstock

Das sollte sie nicht. Ein solches Unternehmen investiert, um Rendite zu erzielen, um weiter investieren zu können, um zu wachsen im Interesse der Investoren. Das ist sein gutes Recht ist, auf eigenes Risiko natürlich und ohne Anspruch auf Subvention.

Die Investition von nun insgesamt 225 Millionen Euro ist ein guter Grundstock für derartiges Wachstum. In der Big City Berlin und im Duell mit Union ist Hertha damit schon jetzt ein Big City Club. In der Konkurrenz zu anderen europäischen Fußballmetropolen kann eine solche Summe aber kaum mehr als ein Anfang sein. Zum Beispiel im Vergleich mit London, wo sich – das nur am Rande – ein Verein namens Tottenham Hotspur eine Arena im Wert von einer Milliarde Pfund Sterling hat bauen lassen.

Die englische Premier League gilt als Maßstab, an dem sich ein Klub orientieren sollte, will er wirklich ein Big City Club werden. Die Champions League ist der Wettbewerb, der die Spirale von Investition und Rendite in Bewegung hält. Darin sind schon ganz andere Bundesligisten stecken geblieben; der FC Schalke 04 oder Werder Bremen.

Herthas Manager Michael Preetz hat jetzt gesagt, dass die neuen Millionen größtenteils in den Kader fließen. Es ist das erste von vielen losen Enden, die Hertha BSC aufnehmen und zu einem festen Strang zusammenführen muss. Es ist das wichtigste Ende. Auf dem sportlichen Erfolg basiert alles andere.