Sebastian Vettel wirkte bei Ferrari schon lange nicht mehr glücklich.
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BerlinVertrauen ist der Anfang von allem, diese Logik bestimmt jetzt auch das Ende der Beziehung zwischen Sebastian Vettel und Ferrari. Denn da ist zu viel Misstrauen. Aus der deutsch-italienischen Liebesheirat ist über fünf Jahre hinweg eine fragile Zweckbeziehung geworden. Jetzt folgt eine bittere Scheidung, bevor noch klar ist, ob und wie die Formel 1 in dieser Saison noch fährt. Das gegenseitige Einvernehmen sieht so aus: Ferrari glaubt nicht mehr an ihn, er glaubt nicht mehr an Ferrari.

Es war ein schleichender Prozess, Vorwürfe gab es nur versteckt. Vettel sagt: „Was in den vergangenen Monaten passiert sei, habe bei vielen dazu geführt, über die Prioritäten nachzudenken.“ Was er genau meint, bleibt im Ungewissen. Die Lage der Welt an sich, die Befindlichkeiten im Mikrokosmos Ferrari?

Vettel scheitert am Erbe Michael Schumachers, weil das interne Klima zu vergiftet ist. Schumi hatte fünf Rennjahre zum ersten Titel in Rot gebraucht, und wurde im Anschluss zum erfolgreichsten Piloten der Königsklasse. Doch die Scuderia von damals, preussisch von Jean Todt und Ross Brawn geführt, hat mit der Chaos-Werkstatt von heute rein gar nichts zu tun. Sebastian Vettel ist nicht nur an den vielen Fehlern gescheitert, die er mit einem meist unterlegenen Auto unter Druck gemacht hat, sondern vor allem am Schlingerkurs der Ferrari-Führung.

Team- und Technikchef Mattia Binotto, hatte in der zweiten Saisonhälfte 2018 in die falsche technische Richtung entwickelt – das kostete Sebastian Vettel seine bislang beste Titelchance. Binotto wurde trotzdem zum Alleinherscher in Maranello befördert. Er erkor Charles Leclerc zum Liebling, der zehn Jahre jüngere Monegasse kaufte Vettel den Schneid ab. Leclerc hatte schon früh das Intrigenspiel bei Ferrari erlernt, während es der Heppenheimer über die strahlenden Anfangsjahre hinweg versäumt hat, sich eine Hausmacht aufzubauen. Als unpolitischem Menschen fehlt ihm jetzt auch ein gewiefter Manager.

Es bleibt nur ein Mittelfeldteam

Sebastian Vettel braucht eine Wohlfühlatmosphäre. Angesichts des schleichenden Leistungs- und Sittenverfalls bei Ferrari wurde er gereizter, unzuverlässiger, dünnhäutig. Ob er diese Harmonie überhaupt noch einmal irgendwo finden wird? Wenn überhaupt, bleibt ihm ein Platz bei einem Mittelfeldteam. Oder der Rücktritt, für den er im Prinzip mit 32 zu jung, zu fit, zu ehrgeizig ist.

Wie ernsthaft Ferrari überhaupt mit ihm verhandelt hat in den letzten Monaten, ist fraglich. Es ging wohl nicht um die angeblich 30 Millionen Euro Jahresgage. Die Italiener hatten wohl nur einen Ein-Jahres-Kontrakt geboten. Was soll das für eine Perspektive sein? Geringschätzung statt Wertschätzung. Das Zeichen, dass man Sebastian Vettel loswerden wollte. Der Schlussstrich ist richtig, das konsequenteste, was seit langem im Ferrari-Hauptquartier passiert ist. Das Ende eines roten Irrtums.