Blamage in Rot: Sebastian Vettel.
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Berlin/MonzaSebastian Vettel trottete apathisch und mit gesenktem Kopf zur Ferrari-Garage, am Mikrofon redete der frustrierte Ex-Weltmeister dann Tacheles. „Es waren zu viele Autos auf demselben Fleck. Alle wollten sich überholen, es kam zum Chaos“, sagte Vettel bei Sky über seinen indiskutablen 17. Platz im Qualifying von Monza - und erklärte sogleich, was sein Kommandostand hätte befehlen sollen: „Einfach später rausfahren!“

Während Formel-1-Weltmeister und WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton sich auch ganz ohne „Party-Modus“ in Streckenrekordzeit von 1:18,887 Minuten seine 94. Pole Position sicherte und dabei Valtteri Bottas im zweiten Mercedes um 69 Tausendstel auf Rang zwei verwies, stürzt Vettel immer tiefer.

Der einstige Ferrari-Heilsbringer startet in seinem frustrierenden letzten Jahr bei den Roten als erster Scuderia-Fahrer seit 1966 im Königlichen Park von einem Platz außerhalb der Top 15. Mit Blick auf seine Hoffnungen für den Großen Preis von Italien am Sonntag (15.10 Uhr/RTL und Sky) sagte der Heppenheimer nur: „Morgen ist ein neuer Tag.“

Es ist nicht davon auszugehen, dass es dann deutlich nach vorne geht. Vettels Teamkollege Charles Leclerc, immerhin Vorjahressieger, kam in der Fehlkonstruktion SF1000 auch bei deutlich weniger Verkehr nicht über Startplatz 13 hinaus.

Grund zur Freude hatte dagegen wieder mal vor allem Mercedes. „Eine fantastische Leistung des gesamten Teams, gerade was das Timing angeht, als sie uns auf die Strecke geschickt haben“, sagte Hamilton, der mit einem Schnitt von 264,362 km/h die schnellste Runde der Formel-1-Geschichte in den Asphalt brannte.

Der drittplatzierte Carlos Sainz im McLaren lag mehr als acht Zehntel (!) hinter dem wohl bald siebenmaligen Weltmeister aus Großbritannien. Hamiltons 90. Sieg am Sonntag erscheint greifbar, den Rekord von Michael Schumacher könnte er eine Woche darauf ausgerechnet beim 1000. Grand Prix von Ferrari in Mugello einstellen.

Dass der Windschatten in Monza Schicksal spielen würde, deutete sich schon am Freitag an, als die 20 Piloten das Positionsgeschacher eingehend trainierten. „Das ist eine gute Übung, aber im Qualifying wird das ein Desaster“, bemerkte Leclerc im Funk.

Das Dilemma: Ohne Windschatten ist auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke kaum ein vorderer Startplatz zu holen, eine Runde im Sog eines anderen Wagens kann bis zu 0,7 Sekunden Zeitvorteil bringen. Allerdings schwingt auch immer die Gefahr einer Massenkarambolage mit.

Der Automobil-Weltverband erinnerte deswegen eindringlich an Artikel 27.4 des Reglements, der besagt: „Zu keinem Zeitpunkt darf ein Auto unnötig langsam, ungleichmäßig oder auf eine Art und Weise bewegt werden, die für andere Fahrer oder Personen gefährlich sein könnte.“ Daran hielten sich nicht alle, sodass die Rennleitung am 50. Todestag des legendären Jochen Rindt an identischer Stelle mehrere Piloten vorlud.

Seit Monza ist auch der sogenannte „Party-Modus“ untersagt, mit dem Mercedes in den vergangenen Jahren die Konkurrenz in schöner Regelmäßigkeit das Fürchten lehrte. Bislang schalteten die Hersteller vor allem in der heißen Phase des Qualifyings einen Modus frei, der kurzzeitig mehr Benzin verbrannte und mehr Leistung erzeugte.

Der von der Konkurrenz erhoffte Effekt blieb allerdings aus, Mercedes spielte mit der Konkurrenz. „Wir haben trotzdem eine ganz gute Party gehabt. Ich bin froh, dass der Schuss einiger Teams ins Leere gegangen ist“, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff bei Sky: „Wir haben den Motor nicht so sehr rangenommen, haben dadurch für das Rennen vielleicht zehn Sekunden eingespart.“