Ausgerechnet in Bochum, möchte man sagen. Dieser grauen, kleinen Großstadt im Herzen des Ruhrgebiets, umzingelt von Orten wie Herne, Essen und Mettmann, die am Sonntag um 15.30 Uhr zur Bühne für das wohl größte und wichtigste Spiel in der jüngeren Vereinsgeschichte des 1. FC Union wird.

Um nicht weniger als den erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga geht es für die Köpenicker. Zumindest im zweiten Schritt. Im ersten wollen die Eisernen den VfL Bochum zunächst erst mal besiegen. Das ist ihre Pflicht, die „Hausaufgabe“, wie es Trainer Urs Fischer mit feinstem Schweizer Akzent sagen würde. „Wir brauchen da noch einmal eine Topleistung. Natürlich hoffen wir, dass es am Ende reicht, aber vorher müssen wir unsere eigene, schwere Hürde überwinden“, gab der 53-Jährige vor dem Spiel zu Protokoll.

Was für eine Saison!

Ohne diesen Sieg könnte die Konkurrenz aus Paderborn ihr Match im fernen Dresden auch blind und einbeinig bestreiten − solange sie nicht mit 0:8 (Null zu acht? Dynamo? Unioner, war da nicht mal was?) verlieren, würde es für die Eisernen trotzdem bestenfalls zum Relegationsplatz drei reichen. Dass dieser dritte Rang vor dem letzten Spieltag „nur“ der Trostpreis sein würde − hätte man Trainer, Spielern und Fans das vor der Saison prophezeit, hätten viele wohl ungläubig gelacht.

Doch den Köpenickern gelang, nach einer verkorksten Saison im Abstiegskampf und einem massiven Umbruch, mit neuem Trainer, neuer sportlicher Leitung und elf neuen Spielern eine Saison für die Geschichtsbücher. Mit einer Hinrunde ohne Niederlage und einer Rückserie, in der die Mannschaft mehrfach bewies − beweisen musste! −, dass sie in der Lage ist, Rückschläge zu verkraften, stärker zurückzukommen. In den richtigen Momenten war sie fokussiert, wie in den Topspielen gegen die übermächtigen Teams aus Köln und Hamburg, gegen die die Eisernen kein einziges der vier Spiele verloren.

„Es war eine kräfteraubende Saison“, resümierte Trainer Fischer folgerichtig vor deren Finale, um jedoch gleich hinten dranzusetzen: „Und trotzdem haben die Jungs in dieser Woche noch mal alle Kräfte mobilisiert und sehr gut trainiert. Am Ende zählt aber nur, was wir davon am Sonntag aufs Feld bringen.“

Dabei liegt der Fokus, das versichern Spieler und Trainer, nur auf dem Spiel im Ruhrstadion. Weder die Parallelpartie im Stadion in Dresden noch eine Saisonverlängerung in der Mercedes-Benz-Arena, in der der potenzielle Relegationsgegner VfB Stuttgart zu Hause ist, beschäftigen das Team. „Das Spiel in Bochum ist so wichtig, dass überhaupt keine Kapazität da ist, in irgendeiner Form an den VfB Stuttgart zu denken“, verdeutlichte Urs Fischer.

Für ihn besonders, weil es gegen die von ihm in der Winterpause als „am unangenehmsten zu bespielende Mannschaft der Zweiten Liga“ vor allem um die richtige Strategie geht. Klar ist: Der VfL ist kein Team, das den eigenen Strafraum verbarrikadiert wie zuletzt der SV Darmstadt 98, denn die Bochumer können richtig gut kicken. Fakt ist aber auch, dass das Heimteam kaum mehr Druck verspüren muss. Die Saison des VfL ist seit geraumer Zeit gelaufen. Umso mehr appelliert Fischer an die Fußballer-Ehre der Blauen: „Ich bin mir sicher, dass sie sich noch einmal gebührend von ihrem Heimpublikum verabschieden wollen.“

Knallrote Wand

Dieses Publikum muss allerdings am Sonntag gegen eine knallrote Wand aus mindestens 5100 Unionern im Ruhrstadion ansingen. Gerüchten zufolge sollen es sogar noch so einige mehr sein, die sich im Heimbereich mit Karten eingedeckt haben. Kein Gerücht ist hingegen, dass am Stadion An der Alten Försterei zum Wochenende hin Platz für ein Public Viewing mit 12.000 Fans geschaffen wurde. Es würde nicht verwundern, wenn noch mehr in die Wuhlheide strömen, um diesen Moment gemeinsam zu erleben. „Was für ein fantastisches Zeichen von unseren Fans an die Spieler, dass sie uns erneut so sehr unterstützen“, schwärmte Urs Fischer und bestätigte: „In schwierigen Momenten, die es in diesem Spiel geben kann, wird uns das unheimlich helfen.“

Die Mannschaft ist fokussiert, der Sonderzug der Fans nach Bochum ist startklar und das Bier für das Public Viewing wurde am Freitag angeliefert. Man kann guten Gewissens sagen: Der 1. FC Union ist bereit, seiner beeindruckenden Geschichte ein weiteres Kapitel hinzuzufügen. Ist bereit aufzusteigen. Und so beginnt es. Ausgerechnet in Bochum.