Willi Lemke hat in der Nacht zum Mittwoch nicht viel Schlaf bekommen. Denn am Dienstagmittag hatte Klaus Allofs den Aufsichtsratschef von Werder Bremen offiziell um Auflösung seines erst im vergangenen Dezember bis 2015 verlängerten Vertrags gebeten, um zum Bundesligakonkurrenten VfL Wolfsburg zu wechseln. Lemke trommelte seine Kollegen aus dem Aufsichtsrat zusammen, man wurde sich schnell einig, Allofs keine Steine in den Weg zu legen, besprach sich, zu welchen Bedingungen ein solches Geschäft in Frage kommen könnte und traf sich in der Nacht mit von Aufsichtsratschef Garcia Sanz angeführten Vertretern des VfL Wolfsburg.

Der VfL hat sich zum Wechsel nun ebenfalls geäußert. „Wir freuen uns, dass Klaus Allofs nach Wolfsburg kommt“, sagte Geschäftsführer Thomas Röttgermann am Mittwoch am Rande des VFL-Trainings. „Er ist ein profilierter Manager, der uns nach vorne bringen wird. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit.“ Wie es in mehreren Berichten heißt, erhält Allfos einen Vertrag bis 2016.

Abnutzungserscheinungen in Bremen

Zu welchen Bedingungen der Wechsel zustande kommt, wollte Lemke Mittwochmorgen am Telefon nicht verraten, er sprach von einem Deal, „an dem wir keinen Schaden nehmen“, gut möglich, dass die Wolfsburger Mutterfirma Volkswagen ihr Sponsorenengagement bei Werder um mehrere Millionen Euro erhöht, um die Zahlung einer klassischen Ablösesumme im Bereich zwischen drei und vier Millionen Euro zu vermeiden.

Am Mittwoch werden Pressekonferenzen erst in Bremen und dann in Wolfsburg stattfinden, hier wird Allofs sich nach 13 zumeist erfolgreichen Jahren, aber auch unübersehbaren Abnutzungserscheinungen zum Ende hin verabschieden, dort wird er sich vorstellen. „Wir hatten eine wunderbare gemeinsame Zeit“, sagte Lemke, „vor allem das Jahr 2004 mit dem Double war vom allerfeinsten.“ Allofs habe erheblichen Anteil daran, dass die „goldenen Jahre unter Otto Rehhagel“ in Bremen fortgesetzt werden konnten, „wir gehen als Freunde auseinander“.

Wechsel für Bremen ein „enormer Verlust“

Etwas Enttäuschung schwang aber dennoch durch, als Lemke darauf hinwies, er habe „nicht das Gefühl, dass Wolfsburg sportlich attraktiver ist“ und die rhetorische Frage stellte: „Was zählt im Profigeschäft?“ Natürlich zu allererst das Geld, Allofs soll in Wolfsburg das doppelte Gehalt kassieren wie die kolportierten 1,3 Millionen Euro, das ihm bei Werder pro Jahr vertraglich zustand. Der 55-Jährige hatte bei der Vertragsverlängerung Ende 2011 Abstriche machen müssen, nachdem Werder einen internationalen Wettbewerb verpasst hatte.

Im Aufsichtsrat gibt es durchaus Stimmen, die enttäuscht von Allofs sind, weil dieser als Geschäftsführer und Sportdirektor einen 14-Millionen-Euro-Verlust in der abgelaufenen Saison zu verantworten hat und sich nun auf und davon macht. „Ich verurteile ihn nicht“, sagte Lemke, man müsse die Entwicklung so akzeptieren. Aufsichtsratsmitglied Axel Plaat sagte, Allofs sei jahrelang ein „Vorzeigevorstandschef“ gewesen, ein „super Sympathieträger“ und somit ein „enormer Verlust“. Er hätte sich nur „schweren Herzens“ dazu durchringen können, „ja“ zum Abschied zu sagen.

Beiersdorfer als Nachfolger im Gespräch

Die Bremer wollen sich laut ihres Aufsichtsrats nun so schnell wie möglich nach einem Nachfolger umsehen. Könnte das Dietmar Beiersdorfer sein, der von 1992 bis 1996 bei Werder verteidigte und dann die besten Jahres des Hamburger SV als Sportdirektor zu verantworten hatte? Lemke lehnte einen Kommentar zu dieser Personalie ab, dementierte damit aber auch nicht, dass der derzeit beim russischen Erstligaklub Zenit St. Petersburg unter Vertrag stehende 48-Jährige erster Kandidat für die Allofs-Nachfolge ist. Angeblich soll Beiersdorfer eine Ausstiegsklausel besitzen. Möglich wäre auch eine Lösung Ex-Kapitän Frank Baumann (37), der zwei Jahre lang unter Allofs das Handwerk lernte. (mit dapd/sid)