Peking - Daniela Maier hockte erst enttäuscht im Schnee, lehnte dann irritiert an einer Wand – und wollte nach minutenlanger Videobeweis-Pause ihre unverhoffte Bronzemedaille erst gar nicht haben. „Meine Nerven lagen blank. Ich dachte, das war ungerecht“, sagte die deutsche Skicrosserin aus dem Schwarzwald nach dem größten, dramatischsten Erfolg ihrer Karriere. Erst als ihr Team sie nach der Jury-Entscheidung in die Arme schloss und mit „Du bist die beste Frau“-Gesängen feierte, kam bei der 25-Jährigen Freude auf.

Maier wird diese emotionale Achterbahnfahrt wohl nie vergessen. Schließlich hatte sie schon mit der ersten Olympia-Medaille für eine deutsche Skicrosserin abgeschlossen. Als Vierte überquerte Maier beim Olympiasieg der Schwedin Sandra Näslund hinter der Kanadierin Marielle Thompson und Fanny Smith aus der Schweiz den Zielstrich. Doch auf der Videowand wurden im Schneegestöber von Zhangjiakou zunächst nur Gold für Näslund und Silber für Thompson bestätigt. Der Rest war „Under review“, die Jury zog aufgrund einer unfairen Aktion von Smith den Videobeweis heran.

Minutenlanges Warten auf die Medaillenentscheidung

Minutenlang zitterte Maier bei minus 20 Grad, blickte gebannt auf die Anzeigentafel, biss auf die Fingernägel. Dann die Erlösung. Während Smith die Welt nicht mehr verstand, wusste Maier nicht, wie sie reagieren sollte. „Fanny hat durch ihr Manöver auf der Zielgeraden die Gelbe Karte bekommen. Es gibt ein relativ klares Regelheft. Wenn einer Fahrerin Absicht unterstellt werden kann und die Fahrt einer anderen deutlich verlangsamt wird, dann ist das eine Gelbe Karte“, sagte der Sportliche Leiter Heli Herdt. „Es ist die Medaille.“

Verantwortlich für den Videobeweis war zwar der Deutsche Peter Krogoll. Die Entscheidung traf jedoch eine fünfköpfige Jury. Anfechtbar ist Maiers Medaille nicht mehr. Sie selbst äußerte sich zurückhaltend: „Sie hat mir schon ein bisschen den Speed genommen. Dafür haben wir eine Rennjury. Das ist Skicross pur.“

Erste Olympiamedaille im Skicross für den DSV

Renndirektor Klaus Waldner verteidigte die Zurückversetzung der Schweizerin. „Beim betreffenden Fall ist die Jury der Ansicht, dass Fanny Smith hätte gerade fahren können“, sagte der Österreicher. Doch Smith mache einen großen Schritt nach links. „Dadurch hat Dani das Gleichgewicht und dadurch den ganzen Schwung verloren. Durch diese Aktion wurde das Resultat beeinflusst, da Dani ohne den Kontakt vorbeigefahren wäre.“

Maier, die mit Außenseiterchancen nach China gereist war, bescherte dem Deutschen Skiverband die erste Olympiamedaille in dieser Disziplin. Schon im Viertel- und Halbfinale hatte sie vor dem Aus gestanden. Vom zwischenzeitlich letzten Platz kämpfte sich Maier auf der eisigen Strecke immer wieder vor. „Das war ein Krimi, sie hat es sich einfach verdient“, lobte Herdt.