Berlin - Dick vermummt standen Denise Herrmann und Franziska Preuß bei minus 11 Grad Celsius im bitterkalten Zielraum von Östersund. Ganz zufrieden waren die beiden deutschen Top-Biathletinnen nach dem Sprint am Sonntag zwar nicht, doch der Start in den Olympia-Winter verlief für das Team des Deutschen Skiverbandes (DSV) durchaus vielversprechend.

„Wir sind mal drin. Der Einstieg im Einzel war sehr gut. Im Sprint hätte es ein klein bisschen mehr sein dürfen. Es war aber insgesamt sehr ordentlich“, zog Disziplin-Trainer Florian Steirer nach den ersten beiden Weltcup-Rennen des Winters im schwedischen Eisschrank ein zufriedenes Fazit.

Herrmann hatte am Sonnabend mit einem überzeugenden dritten Platz im Einzel über 15 Kilometer beim Sieg von Weltmeisterin Marketa Davidova für einen tollen Auftakt gesorgt und die Qualifikation für die Winterspiele in Peking (4. bis 20. Februar) im Schnelldurchgang perfekt gemacht. Am Sonntag zogen dann Preuß als Siebte im Rennen über 7,5 km und Philipp Nawrath als Sechster bei den Männern über 10 km nach.

Nicht nur die Etablierten überzeugen

Nachdem Herrmann nach dem Einzel noch „sehr happy“ über den 15. Podiumsplatz ihrer Karriere war, fiel ihr Fazit nach Rang 25 im Sprint, den Hanna Öberg aus Schweden gewann, nicht ganz so euphorisch aus. „Ich weiß, dass ich mehr kann“, sagte die 32-Jährige, die vor allem läuferisch noch Defizite aufwies. Aber sie sei mit Blick auf den Saison-Höhepunkt „froh, dass ich noch nicht so in Topform bin. Es sind noch eine Menge Rennen. Ich nehme diese Rennen zum Reinkommen.“

Preuß, im Einzel nur 23., war nach dem Sprint „soweit zufrieden. Der eine Fehler war ärgerlich, aber die Basis passt auf alle Fälle“, betonte die 27-Jährige, die durch ihren dritten Rang im Gesamtweltcup und 19 Top-Ten-Platzierungen in der vergangenen Saison hohe Erwartungen geweckt hat. Beim Stehendanschlag habe sie wieder „etwas gewackelt“, so Preuß, „aber das war hoffentlich nur die Kälte“.

Es waren aber nicht nur die Etablierten, die in Östersund Grund zur Hoffnung machten. Anna Weidel überzeugte mit fehlerlosen Schießleistungen und den Rängen neun und 16. Die 25-Jährige sicherte sich die halbe Olympia-Norm genauso wie Vanessa Voigt als Zwölfte im Einzel. Für beide waren es die besten Weltcup-Ergebnisse ihrer Karriere.

Nawrath rehabilitiert sich im Sprint für Platz 80 im Einzel

Bei den Männern ohne Erfolgsgarant Arnd Peiffer leistete Nawrath nach einem indiskutablen 80. Rang im Einzel im Sprint beeindruckend Wiedergutmachung. Beim Erfolg von Lokalmatador Sebastian Samuelsson lieferte der 28-Jährige eine tadellose Schießleistung. „Ich bin super zufrieden. Im Einzel ging alles daneben, jetzt war es komplett anders“, sagte Nawrath. „Danke ans Team, jeder hilft einem da, das schnell zu vergessen. Ich wusste, dass ich es besser kann.“ Mit dem besten Männer-Ergebnis des ersten Weltcup-Wochenendes verhinderte er, dass die Schützlinge von Bundestrainer Mark Kirchner erstmals seit 16 Jahren ohne Top-Ten-Ergebnis nach den ersten beiden Einzelrennen dastehen. Vor den ersten Weltcups des Winters in Schweden hatte der 28 Jahre alte Athlet aus Nesselwang gesagt: „Olympia ist einfach etwas Besonderes. Mein Fokus liegt auf diesem Saisonhöhepunkt. Ich würde mich riesig freuen, wenn ich mich dafür qualifizieren könnte.“

Nicht ganz so gut lief es für den arrivierten Benedikt Doll. „Es fehlen noch ein paar PS“, sagte er nach den wenig berauschenden Plätzen 32 und 18. „Die Top 15 waren das Ziel! Daran bin ich knapp vorbeigeschrammt. Dennoch bin ich positiv gestimmt und freue mich auf die weiteren Rennen hier in Schweden“, kommentierte der 31-Jährige aus Titisee-Neustadt.

Erik Lesser hatte wegen eines leichten Infekts auf den Einzel verzichtet, im Sprint verpasste er als 44. die Punkteränge in seiner letzten olympischen Saison. Dafür überraschte Justus Strelow: Als 13. im Einzel sicherte sich der 24-Jährige gleich die halbe Olympia-Norm.