Berlin - Nach ihrem Albtraum von Oberhof brodelte es in Denise Herrmann. „Die Emotion ist hoch, es ist eine extreme Unzufriedenheit da“, betonte die deutsche Hoffnungsträgerin für die Olympischen Spiele: „Ich bin nicht hierher gefahren, um solche Platzierungen zu machen und eine solche Leistung an den Stand zu bekommen.“ Einmal Rang 26 mit drei Fehlern, dann der absolute Tiefpunkt mit acht Fehlern als 41. in der Verfolgung – für Peking schrillen die Alarmglocken.

Preuß war die ersten Tage sehr niedergeschlagen

Denn die Zeit wird knapp, in nicht einmal vier Wochen stehen für die deutschen Biathletinnen die ersten Wettkämpfe an. Doch statt besser wird ihre Form derzeit immer schlechter. Franziska Preuß etwa muss nach Oberhof auch auf den zweiten Heimweltcup in Ruhpolding in dieser Woche verzichten. Grund dafür ist nicht nur ihre hartnäckige Fußverletzung nach einem Treppensturz, sondern auch eine kurz vor dem Jahreswechsel diagnostizierte Corona-Infektion. Wie der Deutsche Skiverband (DSV) am Montag mitteilte, sei die 27-Jährige noch nicht voll belastbar. „Die ersten Tage war ich ehrlich gesagt schon sehr niedergeschlagen“, sagte Preuß: „Aber inzwischen bin ich wieder optimistischer und versuche, das Beste aus der Situation zu machen. Mein Wunsch wäre es natürlich, dass ich vor Olympia noch Wettkämpfe machen kann. Aber das werden wir im Lauf der Woche entscheiden, was mit Blick auf die Olympischen Spiele sinnvoll ist.“

Ihre Teamkollegin Denise Herrmann darf zwar starten, befindet sich allerdings zur Unzeit in einer Krise, gerade am Schießstand klappt nahezu nichts. Nach gutem Saisonstart schoss sie in den vergangenen drei Rennen zusammengerechnet 17 Fehler. Das entspricht einer Trefferquote von gerade einmal 66 Prozent, nur bei einer ihrer letzten zehn Schießeinlagen stand die Null – nicht medaillenreif. „Ich weiß, dass ich es anders kann und dass ich es besser kann“, gibt sich die Verfolgungsweltmeisterin von 2019 kämpferisch. Der anstehende Weltcup in ihrer Wahlheimat Ruhpolding soll neue Kräfte und frisches Selbstvertrauen freisetzen. „Definitiv helfen zwei Tage im eigenen Bett. Da kann man schon eine andere Energie schöpfen, als wenn man die ganze Zeit im Hotel unterwegs ist“, sagte Herrmann.

Sie werde einmal „den Resetknopf drücken“. Das ist auch dringend nötig. Denn eigentlich wollte die Sportsoldatin gemächlich in den Winter starten und sich langsam in Richtung Olympia steigern. Die Rennen im November und Dezember seien „nur der Weg zum Ziel und Mittel zum Zweck“, hatte sie angekündigt. Doch seit ihrem dritten Platz gleich zum Auftakt läuft es in die falsche Richtung.

Lediglich im Laufen stimmt der Formaufbau. Trotz der vielen Strafrunden und einer Erkältung kurz vor Weihnachten war die Oberwiesenthalerin am Rennsteig auf Tuchfühlung mit den Schnellsten. „Die Grundkörpersituation passt“, bilanzierte die 33-Jährige. Im Schießen habe sie da schon einen deutlich „weiteren und schwierigeren Weg“ vor sich.

Bundestrainer Mark Kirchner glaubt in Herrmann

„Ich bin überzeugt, dass sie sich bei den Olympischen Spielen stark präsentiert“, hatte Bundestrainer Mark Kirchner jüngst noch einmal betont. Auch ARD-Expertin Kati Wilhelm glaubt an Herrmann. „Ich traue der Denise zu, sich nochmal zu berappeln“, sagte die fünfmalige Weltmeisterin. Die ehemalige Langläuferin habe Spitzenleistungen weiter „absolut drin“. Das will sie schon am Mittwoch (14.30 Uhr/ZDF und Eurosport) im Sprint von Ruhpolding beweisen. „In unserem Wohnzimmer kennt man die Scheiben vielleicht ein bisschen besser“, sagte Herrmann mit einem Schmunzeln: „Ich hoffe, dass ich da den Flow langsam aufbaue.“ Viel Zeit bleibt schließlich nicht mehr.