Vierschanzentournee: Bei Sieg von Dawid Kubacki springen die Deutschen hinterher

Der Pole gewinnt das Springen am Bergisel in Innsbruck. Dennoch geht der Norweger Granerud als Favorit ins Finale der Vierschanzentournee.

Dawid Kubacki gewinnt das Springen am Bergisel in Innsbruck am 4. Januar 2023.
Dawid Kubacki gewinnt das Springen am Bergisel in Innsbruck am 4. Januar 2023.AFP/Christof Stache

Dawid Kubacki jubelte mit nach oben gereckten Fäusten über den Tagessieg, die deutschen Skispringer erlebten ein Debakel: Bei der grandiosen Flugshow des siegreichen Polen bei der Vierschanzentournee in Innsbruck spielten die Deutschen ohne Karl Geiger allesamt nur Nebenrollen. Als Bester aus dem Team von Bundestrainer Stefan Horngacher belegte Youngster Philipp Raimund den 13. Platz. Kubacki setzte sich am Mittwoch auf der Bergisel-Schanze vor Halvor Egner Granerud durch. Für eine große Aufholjagd im Kampf um den goldenen Adler war Kubackis Vorsprung vor dem Norweger allerdings zu klein. Granerud geht als großer Favorit ins Tournee-Finale. Dritter wurde der Slowene Anze Lanisek.

Das deutsche Team hadert mit den Weiten

Den DSV-Adlern droht dagegen das schlechteste Tournee-Abschneiden seit den schweren Krisenjahren vor knapp einem Jahrzehnt. „Die Stimmung im Team ist beschissen“, sagte der Dreifachweltmeister von 2019, Markus Eisenbichler. „Es geht gerade sehr zäh, uns fehlen ein paar Meter. Die müssen wir im Laufe der Zeit finden, aber das geht nicht so schnell“, sagte Bundestrainer Stefan Horngacher in der ARD.

Zuletzt hatten die deutschen Springer immer mindestens um einen Podestplatz gekämpft. Davon sind sie nun extrem weit entfernt. Der vor der Reise nach Österreich fünftplatzierte Geiger hat keine Chance mehr, vorne anzugreifen. Auch Andreas Wellinger bestätigte seine zuvor ansteigende Form auf der beeindruckenden Schanzenanlage mit Blick auf die Nordkette nicht. Er landete auf dem 18. Rang. Eisenbichler war schon zufrieden, erstmals bei dieser Tournee den zweiten Durchgang erreicht zu haben.

„Wir haben ein paar Schläge zu verdauen. Das ist nicht so einfach“, sagte Teammanager Horst Hüttel schon vor dem stimmungsvollen dritten Tournee-Wettkampf vor 18.700 Zuschauern in der ARD. Auch wenn es in dieser Saison vor dem Höhepunkt rund um den Jahreswechsel schon nicht wirklich gut gelaufen war: Derart enttäuschende Auftritte waren nicht zu erwarten gewesen. Kurz vor der Tournee hatte Bundestrainer Stefan Horngacher sogar gesagt, „noch nie mit so einer guten Mannschaft zu einer Vierschanzentournee gefahren“ zu sein. Seine Athleten bestätigten den Österreicher nicht.

Kritik an Horngacher wollte Hüttel nicht zulassen. „Im Moment sind wir nicht da, wo wir sein wollen, aber wir werden sicher nicht die Nerven verlieren“, sagte Hüttel: „Entscheidend wird, was bis zur WM passiert. Die Trainer geben jetzt schon Vollgas. Ich hoffe sehr, dass den Trainern etwas einfällt, was dann auch wirkt.“

Karl Geiger schaut im Hotelzimmer zu

Während Kubacki und Granerud am Bergisel große Flugkunst zeigten, schaute Deutschlands bester Springer Fernsehen und drückte seinen Teamkollegen die Daumen. „Karle Kopf hoch“, stand auf einer Fahne im Stadion hoch über der Stadt. Erstmals seit März 2018 war Geiger am Dienstag in einer Weltcup-Qualifikation gescheitert. Statt wie erhofft die Stärksten der ersten beiden Tourneespringen herauszufordern, schaute sich der Oberstdorfer den Wettkampf aus dem Teamhotel an. Mit einer Videobotschaft meldete er sich zu Wort. „Es ist extrem schade und bitter, aber ich werde nicht aufgeben“, sagte Geiger in dem Beitrag, der in der ARD während des ersten Durchgangs ausgestrahlt wurde.

Schon an diesem Donnerstag (16.30 Uhr/ZDF und Eurosport) ist er in der Qualifikation für den Tournee-Abschluss in Bischofshofen gefordert. Dort will sich Geiger wieder stabilisieren. Das Bergisel-Debakel soll ein Ausrutscher bleiben, spätestens zur Weltmeisterschaft in Planica, Slowenien, im Februar soll die gute Form wieder da sein.

Dass ihn sein Patzer nachhaltig aus dem Tritt bringt, glaubt Horngacher nicht. „Nein, das sicher nicht“, sagte der 53-Jährige. „Karl hat schon so viele Höhen und Tiefen durchlebt. Der lässt sich nicht unterkriegen. Der kommt wieder nach oben – definitiv.“ Horngacher ergänzte aber auch: „Jetzt braucht er Hilfe von uns, von den Trainern.“