Berlin - Die Unzufriedenheit macht sich allmählich auch bei den Fans spürbar bemerkbar. Es waren gerade mal 30 Minuten gespielt, da gingen bereits erste deutliche Pfiffe durch das mit 51.604 Zuschauern gut besuchte Olympiastadion. Die Unmutsbekundungen der Anhänger waren der Behäbig- und Einfallslosigkeit der in blau-weiß gekleideten Profis geschuldet. Marko Grujic hatte den Ball zwei, drei Meter vor dem Strafraum am Fuß und wusste einfach nicht wohin damit. Kein Mitspieler bot sich an, keine Anspielstation war folglich frei und so passte der Serbe den Ball ein wenig hilflos in Richtung eigene Hälfte zurück.

Die Spielweise verärgert allmählich auch die treuen Anhänger, die nach 90 Minuten noch lauter pfiffen. Die 1:2 (1:1)-Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf war da perfekt. Für die Blau-Weißen war es nach dem 0:5 in Leipzig, dem 2:3 gegen Dortmund und dem 1:2 in Freiburg nun schon die vierte Ligapleite in Folge. Im elften Rückrundenspiel setzte es insgesamt die sechste Niederlage. Dementsprechend verärgert waren auch die Spieler: „Die Fans haben ein Recht, zu pfeifen“, äußerte etwa Karim Rekik sein Verständnis. Und 1:1-Torschütze Marko Grujic befand gar: „Sie sollen pfeifen. Damit müssen wir klarkommen. Wir als Spieler sind für die enttäuschenden Resultate verantwortlich.“

Knieverletzung: Saisonaus für Arne Maier

Drei schlechte Nachrichten erreichten die Fans schon vor dem Anpfiff: 1.) Es gab nur alkoholfreies Bier im Stadion. Die Anhänger in der Ostkurve protestierten mit einem Plakat „Vollbier für alle – sonst gibt es Krawalle“. Die Stadionsicherheit verzichtete mit Blick auf die Brisanz zwischen beiden Fanlagern (das Relegationsspiel von 2012 lässt grüßen) an diesem herrlich-sonnigen Sonnabend auf den Ausschank von Alkohol. 2.) Urgestein Frank Zander wurde am Mittwoch in Potsdam operiert, bekam eine zweite künstliche Hüfte und kann vorerst nicht laufen. 3.) Ebenfalls eingeschränkt in seinen Bewegungsabläufen ist momentan auch Arne Maier. Und diese Meldung traf die Fans viel schlimmer als die Meldungen 1 und 2. Der 20-jährige Mittelfeldspieler zog sich am Freitag im Abschlusstraining einen Teilriss des Innenbandes am linken Knie zu und fällt für die restlichen sieben Saisonspiele aus. Maier humpelte durch die Katakomben des Stadions und sprach von einem „unglücklichen Zweikampf“, der sein Saisonaus herbeiführte. „Ich trage zurzeit einen Verband, am Montag bekomme ich eine Schiene und werde dann schnellstmöglich in die Reha gehen. Ich hoffe, dass ich bei der U21-EM spielen kann!“ Die wird vom 16. bis 30. Juni in Italien und San Marino ausgetragen.

Für Jungspund Maier lief der 31-jährige Per Skjelbred von Beginn an auf, für den verletzten Fabian Lustenberger (Muskelfaserriss) rückte Mathew Leckie in die Startelf.

Dass die jüngsten Resultate nicht spurlos an den Berliner Akteuren vorbeigegangen sind, zeigte allen voran die Anfangsphase. Hertha startete nervös, zeigte sich vor allem im Aufbauspiel erschreckend ideenlos. Aufsteiger Düsseldorf hätte schon nach drei Minuten durch Dodi Lukebakio in Führung gehen können. Nach 35 Minuten klingelte es dann erstmals im Kasten von Rune Jarstein. Der Norweger musste den Ball aus dem Netz holen, weil Landsmann Skjelbred mit einem Fehlpass das 1:0 durch Benito Raman einleitete. Doch Hertha schaffte kurz vor der Pause durch Grujic, der mit einem Flachpass von Ondrej Duda bedient wurde, den Ausgleich (41.).

Nach dem Seitenwechsel war Hertha griffiger, hatte etwas mehr vom Spiel und hätte durch Duda, der an Michael Rensing scheiterte, durchaus erfolgreich sein können (57.). Folglich machte es aber Raman besser, der erst an Jarstein scheiterte, dann aber im Nachschuss den 2:1-Sieg aus Fortuna-Sicht eintütete. Wie schon beim 4:1 im Hinspiel traf der Belgier damit doppelt gegen Hertha.

Und so bleibt es dabei, dass die Erstliga-Fußballer aus der Hauptstadt auch im siebten Spiel im Oberhaus gegen Fortuna ohne Dreier bleiben und in der Tabelle gar überholt wurden. Mit 35 Zählern steht Hertha mitten im öden Niemandsland: Zehn Punkte auf Platz sechs, 14 auf Rang 16.

Trainer Pal Dardai wirkte nach Schlusspfiff ungewohnt ratlos und ging auch mit sich selbst hart ins Gericht: Er habe die Situation nach dem 0:5 in Leipzig vielleicht etwas unterschätzt, gab der 43-Jährige zu. „Wie das Training und die Gespräche verliefen, hat man gedacht, dass die Mannschaft rausgeht und anfängt, zu beißen, alles kaputtzureißen, richtig zu kämpfen und den Gegner zu erledigen. Das war nicht der Fall.“