Berlin - Das scheint es nur in Berlin zu geben: Eine begabte Fußball-Mannschaft steigt endlich in die 3. Liga auf und findet in der Millionenmetropole keine taugliche Arena, um in der Spielzeit 2021/22 ihre Heimspiele austragen zu können. Viktoria 1889, der Klub, dessen Aufstieg als Tabellenerster der Regionalliga Nordost am 16. April vom NOFV-Präsidium offiziell verkündet werden wird, befindet sich auf der dramatischen Suche nach einem Stadion, das den Regularien des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) entspricht. Gefordert sind unter anderem Platz für 10.000 Zuschauer, eine Rasenheizung und ein VIP-Bereich.

Viktoria hat Lizenzunterlagen eingereicht

Viktoria hat die Lizenzunterlagen fristgerecht eingereicht, muss aber die Frage nach einem tauglichen Stadion bis Anfang Juni gelöst haben. Peer Jaekel, 38, der Geschäftsführer von Viktoria, schlägt im Gespräch mit der Berliner Zeitung noch einmal Alarm, sagt, dass man sich schon sehr lange um eine Lösung bemühe, aber noch keine gefunden habe. In der Not denkt man sogar an den Bau eines „temporären Stadions“.

Das Stadion Lichterfelde (Fassungsvermögen: 4300 Plätze), die Heimstätte des FC Viktoria, ist nicht drittligatauglich. Jaekel: „Es müssten Baumaßnahmen von erheblichem Ausmaß vorgenommen werden, doch der Denkmalschutz würde das erschweren. Wir brauchen andere Optionen.“

Vor allem mit dem Jahnsportpark hatten die Verantwortlichen lange geliebäugelt, aber am 31. Dezember 2020 lief die Betriebserlaubnis aus. Wie es dort weitergeht – ob mit Abriss, Neubau oder Modernisierung – ist völlig offen und immer neue Verfahren verzögern eine Entscheidung. Jaekel: „Die Pläne liegen ja auf Eis!“

Das Poststadion in Moabit ist wohl auch nicht mehr in der Verlosung, da der DFB und auch die Hauptnutzer wie der Berliner AK Bedenken hätten. Da vielleicht auch Lichtenberg 47 bis zur Erstellung einer eigenen Flutlichtanlage in der Zoschke-Arena einige Abendspiele im Poststadion austragen könnte, wäre die Auslastung zu hoch.

Nächster Ort: das Mommsenstadion, Heimat von Tennis Borussia. Peer Jaekel sagt: „Es gab Gespräche. Das würde aber einen ungeheuren Kraftakt bedeuten, denn das Stadion wurde 1994 für den Profibetrieb stillgelegt und entspricht überhaupt nicht mehr den heutigen Anforderungen.“

Mit dem 1. FC Union wurde auch über die Alte Försterei gesprochen. „Wir prüfen ja jede nur erdenkliche Möglichkeit“, so Jaekel, „aber es gab ein klares Nein.“ Und das Olympiastadion? Auch dort gab und gibt es Gespräche. „Dort zu spielen, wäre für uns aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich“, so der Viktoria-Geschäftsführer, „da müsste uns für eine vorübergehende Nutzung der Betreiber weit entgegenkommen.“

Nun schaut sich Viktoria gezwungenermaßen auch in Brandenburg um. „Wenn es dazu kommen sollte, dass wir Berlin verlassen müssen, wäre das ein Armutszeugnis für das Land und den Fußball-Standort Berlin“, klagt Jaekel. Der Aufsteiger will unbedingt in Berlin spielen, „das ist auch für unsere Fans wichtig“. Der auch angedachte Standort Babelsberg mit dem Karl-Liebknecht-Stadion „steht Stand heute nicht zur Verfügung“, so Jaekel. Er sagt: „Wir müssen nun den Radar größer ziehen, vielleicht sogar bis nach Sachsen-Anhalt schauen. Das wäre aber ein Schlag ins Gesicht für unseren familiären Verein.“

Temporäres Stadion könnte eine Option sein

Als letzte Möglichkeit zieht Viktoria mittelfristig gemeinsam mit der Stadt sogar die Errichtung eines „temporären Stadions“ in Betracht. Dafür müsste Berlin eine entsprechende Fläche zur Verfügung stellen. Als Beispiel nennt Jaekel die sogenannte „Airberlin-Arena“, die 2011 in Düsseldorf stand und für drei Heimspiele als Ausweichstadion von Fortuna Düsseldorf genutzt wurde. Sie fasste 20.000 Zuschauer.

Auch die Brita-Arena, wo der Drittligist SV Wehen-Wiesbaden spielt, wurde 2007 mit Stahlrohrtribünen binnen vier Monaten errichtet – Fassungsvermögen: 12.000 Plätze. Peer Jaekel hält solch ein Projekt durchaus für zukunftsfähig, „auch, weil es ja in den kommenden Spielzeiten wieder Vereine aus Berlin geben wird, die das Ziel haben, in die 3. Liga aufzusteigen“. Neben allen Alternativen aber wäre es besser, „wenn es in der Hauptstadt ein weiteres zeitgemäßes Stadion gibt“, so Jaekel.