Berlin - Der Nebel aus den Maschinen in der Berliner Max-Schmeling-Halle hatte sich verzogen. Die Lichter der Lasershow zum Auftakt der neuen Bundesligasaison waren ausgeknipst. Und der Hallensprecher hatte die Einführung des Publikums ins kleine Klatschmaleins („Ellbogen beugen, Ellbogen strecken – so geht der Hammer, der Hammer der geht so“) gerade beendet. Da war es an der Zeit, die erste Volleyball-Frage des Montagabends aufzulösen: die Frage nach dem Meisterschalen-Dieb.

Die BR Volleys hatten zuletzt in einem unterhaltsamen Video-Clip den Mann im Kapuzenpulli gesucht, der ihnen heimlich die Trophäe entwendet hatte. Gefunden wurde der Kleptomane im Kraftraum, wo er die Meisterschale als Diskus missbrauchte. Es war: Robert Harting. Soweit zum Film. Im wirklichen Leben brachte Harting die Schale, begleitet vom Beifall der 6531 Zuschauer kurz vor Spielbeginn aufs Volleyball-Feld.

Was für ein geschickter PR-Schachzug der BR Volleys – ganz im Sinne der Berliner Sportmetropolen-Kampagne. Synergien nutzen, heißt die Devise. Und: Attraktionen bieten. Einen Athleten, der Olympiasieger sowie gleichzeitig Welt- und Europameister ist, hat nun mal keine andere deutsche Stadt im Portfolio.

Die zweite Frage des Abends lautete: Wer würde besser in die 38. Ligasaison starten? Der deutsche Meister, die BR Volleys oder der deutsche Pokalsieger und Rekordmeister VfB Friedrichshafen. Die Auflösung dauerte ein wenig länger. Genauer gesagt: bis 22:16 Uhr. Da nahm Björn Höhne den Aufschlag sicher an, Kawika Shoji stellte zu Diagonalangreifer Paul Carroll und der drosch den Ball mit voller Wucht ins Friedrichshafener Feld. Matchball verwandelt.

Die BR Volleys hatten den Rekordmeister mit 3:1 (25:18, 30:32, 25:18, 25:23) besiegt. Daraufhin setzten sich die Spieler im Kreis auf den Hallenboden und Mittelblocker Felix Fischer, der zu Berlins wertvollstem Spieler der Partie gewählt worden war, zeigte in der Mitte seine Interpretation des Moonwalks.

Gelungene Integration

Manager Kaweh Niroomand freute sich über den erfolgreichen Saisonauftakt, der allerdings noch Potenzial nach oben lässt: „In einen nicht gerade sehr guten Spiel waren wir einen Tick besser“, sagte er. Beim VfB Friedrichshafen, der seine Mannschaft in dieser Saison mit sieben neuen Spielern verstärkt hatte, waren die Abstimmungsprobleme deutlich zu sehen.

Auch bei den Berlinern fehlte noch der Spielfluss, aber immerhin hatte die Partie gezeigt, dass bei den BR Volleys die Integration von Außenangreifer Robert Kromm schon ziemlich weit gediehen ist. Seine 24 Punkte und ebenso seine Annahmestatistik zeigten, dass sich der 28-Jährige, der vorige Saison noch in der italienischen Liga für Verona aufschlug, vom ersten Anpfiff an seinem Saisonziel verpflichtet hat, ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft zu werden und das Spiel der BR Volleys zu prägen.

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Diagonalangreifer Aleksandar Spirovski, der überraschend in der Anfangsformation stand, zeigte bis zu seiner Verletzung zu Beginn des vierten Satzes, dass er noch einmal bereit ist, um seinen Platz im Team zu kämpfen. Mit 20 Zählern war er der zweitbeste Punktelieferant im Berliner Team. „Wir hatten vor der Saison mit ihm ein ernstes Gespräch und haben ihm deutliche Vorgaben gemacht“, sagte Niroomand. „Es freut mich, dass er heute schon vieles davon umgesetzt und ein gutes Spiel gemacht hat.“

Der Weg zur Titelverteidigung ist eingeschlagen. Die Meisterschale ist sicher verwahrt. Auch wenn der Dieb, Diskuswerfer Robert Harting, sich heimlich in die Berliner Nacht aufgemacht hatte – noch bevor der vierte Satz begann.