Die Aussage von Kaweh Niroomand ist plakativ gewesen. Wie gemacht für eine Zuspitzung durch den Boulevard. Der zitierte den Manager der BR Volleys vor wenigen Tagen: „Wir brauchen den VC Olympia nicht.“ Supergeschichte. Der Manager des deutschen Volleyball-Meisters aus Berlin fordert die Abschaffung eines anderen Berliner Vereins, der als Nachwuchs-Projekt des Verbandes mit seiner Junioren-Nationalmannschaft alle zwei Jahre in der ersten Liga spielt. Und heute Abend (19 Uhr, Sportforum) treffen die beiden Klubs auch noch aufeinander.

Verweis auf WM-Bronze

Nur, ganz so plakativ ist es nicht. Und ganz so hat es Niroomand, selbst Gründungsmitglied des VCO, auch nicht formuliert. „Stand heute brauchen wir den VC Olympia nicht. Es sei denn, es ändert sich was“, hat er gesagt. Beim VCO waren sie trotzdem empört. Es folgte ein Rechtfertigungsbrief, den Jörg Papenheim, der neue Manager des VCO, zusammen mit René Hecht, dem Präsidenten des Berliner Volleyball-Verbandes, unterzeichnete. Darin verwiesen sie auf das Nationalteam, das bei der WM im September Bronze gewann und in dessen Kader acht von 14 Spielern wie Denis Kaliberda entweder über Jahre das VCO-Projekt durchlaufen haben oder zumindest ein Jahr in der ersten Liga.

„Schön und gut“, sagt Niroomand. „Aber dass Leute wie Böhme oder Schöps beim VCO ausgebildet wurden, ist zehn Jahre her. Dann kam nichts mehr.“ Weil beim VCO zuletzt Management und Trainer fehlten und, wenn es doch mal einen Junioren-Bundestrainer gab, dann nur kurz oder interimsmäßig. Auch die Stelle des Sportdirektors im Deutschen Volleyball-Verband (DVV) war lange vakant. Eine kontinuierliche Nachwuchsarbeit fand nicht statt. Nun allerdings soll alles besser sein. „Da zum 1.7. 2014 alle Positionen besetzt wurden“, sind Papenheim und Hecht „fest davon überzeugt, dass eventuell bestehende Mängel bereits beseitigt wurden oder zeitnah werden.“

Der Verband hat in Ralf Iwan, 47, einen Sportdirektor, der VCO in dem Niederländer Johan Verstappen, 44, einen Bundestrainer für das U20-Team und in Papenheim, 40, einen hauptamtlichen Manager. Der sieht seine dringlichste Aufgabe darin, die Kommunikation zwischen Landessportbund, Berliner Verband, Olympiastützpunkt, Schul- und Leistungssportzentrum Berlin, dem Trainerteam, aber auch dem nationalen Verband, der Liga und den Profivereinen herzustellen. „Man merkt, dass alle froh sind, dass Kommunikation wieder stattfindet, dass ein Ansprechpartner da ist“, sagt Papenheim. Ihm hat Niroomands Kritik nach nicht mal 100 Tagen im Amt durchaus wehgetan.

Erziehung zum Loser?

Der Manager der BR Volleys mahnt an: „Ich sehe den VCO als Loser-Truppe durch die Liga laufen. Wenn die Spieler nicht mal die Chance auf einen Satzgewinn haben und ständig 0:3 verlieren, erziehen wir sie zu einer Loser-Mentalität. Da müssen wir im Dialog über alternative Ideen nachdenken.“ Papenheim sagt, das Problem sei, dass viele Klubs das Gentlemen-Agreement gebrochen hätten, ihre Finger vom letzten Junioren-Jahrgang zu lassen. „Wenn sich die Bundesligisten die besten Spieler sichern und bei sich auf die Bank setzen, braucht sich niemand über die fehlende Konkurrenzfähigkeit des VCO beschweren.“ So verpflichtete Friedrichshafen gerade Außenangreifer Moritz Reichert, 19, acht weitere der besten Junioren sind in den Kadern der elf Erstligisten verschwunden. Künftig, sagt Papenheim, soll ein Jahrgang nicht mehr auseinandergerissen werden.

Niroomands zweiter Kritikpunkt sind Reisekosten von bis zu 6 000 Euro, die für viele Klubs für ein 3:0 beim VCO in 40 Minuten Spielzeit anfallen. Papenheim sagt, man werde auf Doppelspieltage achten. Niroomands drittes Problem mit dem VCO betrifft die Ausbildung der Jugendlichen, die bei den BR Volleys der Stammverein SCC mit hauptamtlichen Trainern übernimmt. „Diese Zulieferarbeit kann nicht einseitig sein“, findet Niroomand. „Wir bringen die Leute hoch, bis sie 16 oder 17 sind, dann gehen sie zum VCO und sind für uns verloren. Man müsste alle Bundesligisten verpflichten, Zulieferarbeit oder einen finanziellen Beitrag zu leisten. Sonst ist das ein einseitiges Geschäft.“

Der Masterplan der Bundesliga sieht hauptamtliche Jugendtrainer bei den Klubs vor, noch aber sind längst nicht alle soweit. Bis dahin, findet Papenheim, müssen die Interessengruppen das Thema Nachwuchsarbeit gemeinsam entwickeln. Alle an einem Tisch. „Dass Talente dem System verloren gehen, darf es nicht mehr geben“, sagt er. „Denn so viele haben wir ja nicht.“ Niroomand stimmt ihm da zu.