HALLE/WESTFALEN. Es waren nicht viele Fans, die den deutschen Volleyballerinnen am Freitag bei ihrem Auftaktspiel der Europameisterschaft gegen Spanien zusahen. Angeblich wurden 7 000 Karten verkauft, doch mit gerade einmal 4 800 Zuschauern war die Halle nicht mal zur Hälfte gefüllt. Die, die da waren schlugen aber kräftig mit den Klatschpappen in die Hände, und zur Belohnung machte es das Team des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) kurz: 3:0 (25:15, 25:15, 25:17) hieß es nach nur 73 gespielten Minuten.

Dabei begann die deutsche Mannschaft ziemlich nervös. „Wir waren sehr aufgeregt, ich weiß nicht, auf wie viele Füße ich getreten bin, weil meine Beine so gezittert haben“, sagte Spielführerin Margareta Kozuch. Bis 5:5 konnten die Spanierinnen daher noch mithalten, sie zeigten in der Anfangsphase einen großen Kampfgeist und brachten immer wieder Bälle zurück, die bereits verloren schienen. Doch dann fanden die Spielerinnen von Bundestrainer Giovanni Guidetti in ihren Rhythmus. Auch dank zahlreicher Fehler der Gegnerinnen konnten sie sich deutlich absetzen (11:6, 22:14).

„Es war ganz gut, dass wir für den Beginn Spanien als Gegner hatten“, gab Guidetti zu. Die Außenseiter hatten es bei den letzten beiden Europameisterschaften, 2009 und 2011, nicht einmal in die Endrunde geschafft. „Wir haben gerade harte Zeiten in Spanien“, sagte Trainer Francisco Manuel Hervas noch am Donnerstag in der Eröffnungs-Pressekonferenz. Als Ziel gab er aus, „zumindest ein Spiel zu gewinnen“. Auf den ersten Sieg seiner Mannschaft muss er nun noch warten.

Vom Publikum getragen

Im zweiten Satz glänzten vor allem Kozuch und Außenangreiferin Maren Brinker. Insgesamt zehn Bälle droschen die beiden Frauen mit den blonden Zöpfen in das gegnerische Feld ein und trugen damit maßgeblich dazu bei, dass ihre Mannschaft auch diesen Satz deutlich für sich entschied. „Zwischendurch haben wir gemerkt, wie wir von den Zuschauern getragen werden“, sagte Kozuch.

Die aber gönnten sich nach der 6:1-Führung der Deutschen in Satz drei eine kurze Pause und nutzten die Klatschpappen vermehrt, um sich Luft zuzufächeln. Die Spanierinnen hingegen stemmten sich noch einmal gegen die Niederlage und gingen sogar erstmalig in Führung (11:10). Guidetti reagierte umgehend und rief seine Damen zur Krisensitzung. Er wechselte die 19-jährige Jennifer Geerties ein, die zwei Asse schlug und ihr Team dadurch wieder in Front brachte (15:13). Außenangreiferin Maren Brinker zeigte dem Publikum noch einmal, wie das mit dem Klatschen funktioniert, und schon lief es wieder. „Im dritten Satz haben wir ein bisschen den Schlendrian reinkommen lassen“, sagte sie.

Den letzten Ball verwandelte wieder Kozuch und hofft, „dass es genauso weitergeht“, wenn sie am Sonnabend mit ihrem Team auf die Niederlande trifft (Sonnabend, 17 Uhr, Sport1), einen deutlich stärkeren Gegner.