Spiele, die erst im fünften Satz entschieden werden, gehören in dieser Saison nicht gerade zu den Stärken der Volleyballerinnen des Erstligisten Köpenicker SC. Von sechs Partien, die über die volle Distanz gingen, konnten die Berlinerinnen in der Hauptrunde nur ein einziges gewinnen − das war vor vier Wochen gegen den USC Münster. Am vergangenen Mittwoch, im ersten Spiel der Pre-Playoffs, die im Modus „Best of three“ ausgespielt werden, setzte sich dieser Negativtrend fort: Zwar hieß der Gegner erneut Münster, am Ende lautete das Ergebnis aber mal wieder 2:3.

Das ist nicht nur deshalb ärgerlich, weil die Mannschaft von Trainer Benedikt Frank bereits 2:0 geführt hatte. Bei einem Sieg hätte der Klub die Chance gehabt, im Rückspiel am Sonnabend in eigener Halle (19 Uhr, Hämmerlingstraße) die erstmalige Playoff-Teilnahme in der Vereinsgeschichte perfekt zu machen.

Allerdings geht es in dieser Bundesliga-Saison auch weniger um Ergebnisse als um die Entwicklung einer Mannschaft, die längerfristig zusammenbleibt. Nachdem der KSC-Kader Jahr für Jahr am Saisonende auseinandergebröckelt war und im Sommer gar elf von vierzehn Spielerinnen plus Cheftrainer Gil Ferrer Cutino den Klub verlassen hatten, entschied sich die Vereinsführung, neue Wege zu gehen.

Mit Benedikt Frank engagierte der Klub einen Trainer, der sich schon beim SV Lohhof mit seinem Nachwuchskonzept einen Namen gemacht hatte. Frank setzt vor allem auf junge deutsche Athletinnen, die über mehrere Jahre hinweg aufgebaut werden sollen. Das neue Konzept ist mit Sicherheit nachhaltiger, als erfahrene, aber auch teurere Spielerinnen aus dem Ausland einzukaufen, die den Klub nach einer Saison wieder verlassen. In der Konsequenz bedeutet es aber, dass sich alle Beteiligten in Geduld üben und die jungen Spielerinnen ihre Erfahrungen sammeln lassen müssen.

Schwieriger Start

In der Hinrunde erspielte das Team dann auch nur fünf Punkte, es drohte bereits der Abstieg in die Zweitklassigkeit. „Das lag aber vor allem daran, dass wir kein einziges Mal in unserer Stammformation spielen konnten“, sagt Diagonalangreiferin Pia Riedel. Sowohl Riedel, 23, als auch Spielführerin Patricia Grohmann, 24, konnten aufgrund von Verletzungen in den ersten Partien nicht eingesetzt werden. Dem jungen Team fehlten damit zwei der wichtigsten Punktesammlerinnen und zudem neben Libera Jessica Göppner die einzigen beiden Spielerinnen, die aus dem Kader des Vorjahres übriggeblieben waren.

„Wenn man so viel verliert, ist es natürlich schwierig von der Stimmung her“, sagt Riedel. Im Januar konnte sich die Mannschaft dann aber im Spiel gegen Hamburg vom Abstiegskampf befreien. „Das war so etwas wie unser Höhepunkt, danach brauchten wir nicht mehr nach unten gucken“, sagt Riedel. Viel zu sehen gab es da auch nicht, denn seitdem rangiert das Team mit sicherem Abstand nach unten und nach oben auf dem vorletzten Tabellenplatz.

„In den letzten Wochen haben wir uns aber schon weiterentwickelt“, sagt Pia Riedel. Die Rückrunde brachte dem Klub immerhin elf Punkte ein, vergangene Woche konnten die Köpenickerinnen sogar dem aktuellen Tabellenführer Dresdner SC zwei Sätze abnehmen. „Und Platz zehn ist ja auch nur ein Platz, in den Playoffs kann man ja alles noch einmal drehen“, sagt Riedel. Um die Playoffs zu erreichen, muss das Team aber noch zwei Mal den USC Münster besiegen. Zunächst am Sonnabend in eigener Halle, und sollte das gelingen, findet die dritte und entscheidende Partie am Dienstag in Westfalen statt.

Pia Riedel ist zuversichtlich: „Gegen Münster könnten wir das schaffen“, sagt sie. Allerdings sollte Trainer Benedikt Frank mit seinen Spielerinnen lieber noch einmal das mit dem fünften Satz üben. In dieser Saison gingen nämlich alle Begegnung zwischen dem USC Münster und den Köpenickerinnen über die volle Distanz.