Berlin - Es ist dunkel in dem  Raum, in dem die Meisterschale der Berliner Volleyballer aus der Vorsaison steht. Plötzlich fällt Licht   durch den Türspalt, der immer größer wird.   Man sieht einen Schatten. Ins Zimmer schleicht Kaweh Niroomand, der Manager der BR Volleys. Er hält einen Staubwedel in der Hand, mit dem er – ein wenig ungeübt – die Trophäe poliert. So beginnt  die Thriller-Parodie zum Saisonauftakt der Bundesliga, die in der Frage gipfelt: „Wer hat die Meisterschale?“  Denn als BR-Maskottchen Charly  wenig später  den Raum betritt, ist die Schale verschwunden.    

Auf dem Überwachungsvideo  sind allerdings weitere Besucher zu sehen, die heimlich durch dunkle Gänge  huschen:  zuerst  Trainer Mark Lebedew, dann Kapitän Scott Touzinsky und Zuspieler Kawika Shoji – schließlich ein Unbekannter im  schwarzen Kapuzenpulli. Wer ist dieser Mann?  Und: Hat er die Schale geklaut?

Diese Videosequenz ist eine nette Idee  von Volleys-Geschäftsführer Matthias Klee, die der Fernsehsender RBB  gerne in seine Sportplatz-Sendung am Sonntagabend aufgenommen hat. „Irgendwie muss man ja Akzente setzen, um Aufmerksamkeit zu erregen“, sagt Volleys-Mittelblocker Felix Fischer.

„Die Zuschauer müssen merken, dass die Saison beginnt“, meint Matthias Klee.  Direkt vor dem  Liga-Auftaktspiel   zwischen den BR Volleys und dem VfB Friedrichshafen   heute Abend in der Berliner Max-Schmeling-Halle (Beginn 19.30 Uhr)  soll  das Rätsel  um den Kapuzenmann  gelöst werden. „Wie beim olympischen Feuer wird die Meisterschale in die Arena gebracht. Wie bei Olympia fragen sich alle: Wer  wird  sie  bringen?“,   erläutert Klee.

Von null auf hundert

Auf dem Weg zum modernen Verein haben die BR Volleys  offenbar gelernt, auch abseits des Feldes öffentlichkeitswirksame Geschichten  zu kreieren.  Was die PR anbetrifft, hat sich die Vision von Manager Niroomand immer mehr in die Realität verwandelt. 

Seit dem Wochenende sind die Berliner der erste deutsche Volleyballverein mit einer eigenen App, auf der  neben einem Liveticker alle Neuigkeiten über die Mannschaft und ihre Spieler zu erfahren sind. Bei Facebook haben sie inzwischen mehr als 3300 Fans. Auch auf YouTube kann man Filmchen aus der Trainingshalle  und den vergangenen Playoffs anklicken.

„Uns ist der interaktive Austausch mit unseren Fans wichtig. Wir wollen die Leute unterhalten“, sagt  Klee. „Bisher ist die Resonanz gut“, findet  Fischer. Während der Mittelblocker   vor der vergangenen Saison   beinahe alleine die Aufgabe übernahm, den Verein bei  Foto- und Presseterminen zu repräsentieren, stehen dafür nun auch immer öfter Kapitän Touzinsky und  Rückkehrer Robert Kromm zur Verfügung. 

Bei so viel Marketing- und PR-Aufwand  im Vorfeld,  trifft es sich ganz gut, dass gleich zu Saisonbeginn  ein  Klassiker auf dem Spielplan steht. „Die Partie gegen Friedrichshafen kann man richtig zelebrieren“, meint  Fischer. Gegen die Spitzenmannschaft vom Bodensee ist der Titelverteidiger gleich  richtig gefordert. Während die Berliner in Außenangreifer Kromm und Zuspieler Sebastian Kühner ihr Team mit nur zwei Zugängen verstärkt haben, reist  Friedrichshafen mit sieben neuen Spielern an. 

 „Wir wollen in dieser Saison sowohl die Meisterschaft zurück an den See holen als auch den Pokal verteidigen“, hat VfB-Trainer Stelian Moculescu angekündigt.  Wer sich an seine grimmige Miene nach dem Aus in den Halbfinal-Playoffs der vergangenen Meisterschaft erinnert, der ahnt, dass Friedrichshafen den Berlinern am heutigen Abend  einen zähen Kampf liefern wird. 

Im Mittelblock des VfB ersetzt seit dieser Saison Nationalspieler Max Günthör, 27,  den nach Italien abgewanderten Markus Böhme.  Neu im Team ist zudem der erfahrene italienische Diagonalangreifer Ventzislav Simeonov.  „Ich bin beruhigt, wenn ich auf die Bank schaue“, sagt Moculescu,  dort habe er mindestens zehn Spieler, die er ohne Qualitätsverlust einsetzen könne.

 Berlins Trainer Lebedew  sieht seinen Kader,   in dem der US-Amerikaner Kawika Shoji nun  den  wichtigen Zuspieler-Job  erledigt, ähnlich gut besetzt. „Das erste Spiel der Saison ist gleich eines der schwersten“, sagt er. „Für beide Teams geht es von null auf hundert.“   Diesen schnellen Start  haben die BR Volleys   in den vergangenen Wochen mit großer Ausdauer   vorbereitet.