Toni Rieger kommt derzeit kaum dazu, seiner Arbeit nachzugehen. Der Teammanager des Erstligisten Potsdamer SC muss eigentlich die wirtschaftliche Lizensierung ausarbeiten, die in der kommenden Woche für die Spielberechtigung bei der Deutschen Volleyball Liga abgegeben werden muss, doch der 36-Jährige ist rund um die Uhr damit beschäftigt zu telefonieren. „Wer hier alles anruft, das ist unglaublich“, sagt er.

Kleine Sensation gegen Schwerin

Das Interesse am Potsdamer SC kommt auch nicht von ungefähr, denn am vergangenen Samstag besiegte die Mannschaft von Trainer Alberto Salomoni bei ihrer ersten Playoff-Teilnahme mal eben den neunmaligen Deutschen Meister und fünffachen Pokalsieger, den Schweriner SC, in fünf Sätzen. „Da haben wir eine kleine Sensation geschafft“, sagt die 1,96 Meter große Mittelblockerin und Mannschaftsführerin Kathy Radzuweit. „Es klingt zwar ein bisschen blöd, aber zum Ende der Saison haben wir uns irgendwie als Mannschaft gefunden.“

Radzuweit hatte daran keinen unwesentlichen Anteil, denn Potsdam verpflichtete die ehemalige Nationalspielerin nicht nur wegen ihrer starken Leistung, sondern vor allem aufgrund ihrer internationalen Erfahrungen. „Sie ist ein bisschen das Bindeglied und die Ansprechpartnerin für die ausländischen Spielerinnen“, sagt Toni Rieger über Radzuweit, die zu Saisonbeginn von Rabita Baku in ihre Heimat zurückkehrte und beim SC Potsdam einen Zweijahresvertrag unterschrieb. „Ich kann mich einfach ganz gut reinversetzen, wie es ist, die Familie nicht immer um sich zu haben“, sagt Radzuweit, die froh ist, wieder in Deutschland zu spielen. „Wir haben sie verpflichtet, um wieder einen Schritt weiterzukommen“, sagt Rieger.

Seit vier Jahren spielt der SC Potsdam erst in der Ersten Bundesliga, 2009 war das Ziel noch, mit dem Mindestetat von 150.000 Euro nicht abzusteigen. „Unsere Devise ist es, immer einen Schritt nach dem anderen zu tun“, sagt er. Voriges Jahr zog die Mannschaft von der Heinrich-Mann-Allee in die neue Arena am Luftschiffhafen. „Das war natürlich schwer, von einer Halle, in die 400 Leute passen, in eine Arena zu gehen, die 2000 Personen fasst.“ Daran mussten sich auch die Spielerinnen erst einmal gewöhnen.

Schock vor großem Publikum

„Als beim Heimspiel im Januar gegen den Köpenicker Sport Club plötzlich 1 800 Zuschauer in der Halle auftauchten, waren die Spielerinnen geschockt“, erzählt Rieger. So geschockt, dass sie eine bittere 0:3-Niederlage gegen den Lokalrivalen erlebten. „Das war auch ein bisschen ein Schlüsselerlebnis in der Saison“, sagt Salomoni. „Das wollten wir nicht noch einmal erleben.“

Von da an klappte plötzlich alles, die Mannschaft konnte sich für die Playoffs qualifizieren und somit das vorgegebene Saisonziel erreichen. Und der SC Potsdam strebt weiter. Rieger sagt: „Unser Ziel ist es, uns von Jahr zu Jahr weiterzuentwickeln und irgendwann um die Meisterschaft mitzuspielen.“

Doch zunächst müssen die Potsdamerinnen am Sonntag im Rückspiel gegen den Schweriner SC antreten (16 Uhr, Arena am Luftschiffhafen). „Das wird jetzt richtig schwierig“, sagt Radzuweit. Um die Sensation perfekt zu machen und ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft einziehen zu können, müssen die Potsdamerinnen den Tabellenführer aus Schwerin noch ein zweites Mal bezwingen. „Aber was haben wir denn für einen Druck, wir haben zu allerhöchster Not ein drittes Spiel am nächsten Mittwoch in Schwerin“, sagt Rieger. Sein Telefon wird bis dahin wohl noch ein paar Mal klingeln