Josef Köck weiß genau, worauf es ankommt, wenn Unternehmen über Sponsoring im Sport nachdenken. „Die schauen alle, wie ist die Resonanz, wie oft bis du im Fernsehen oder in anderen Medien“, sagt der Manager des Volleyball-Erstligisten Haching. Doch da liegen die Volleyballer klar hinter Fußball, Handball oder Basketball.

Dabei benötigt Haching dringend einen neuen Geldgeber. Da der Hauptsponsor aussteigt, fehlen dem Klub eine Million Euro, es droht der Rückzug aus der Bundesliga. Die Konkurrenz ist weiter: Heute bestreitet der Moerser SC sein letztes Hauptrundenspiel in der Bundesliga. „Es ist bitter, wenn ein Traditionsklub wie Moers wegbricht“, sagt Klaus-Peter Jung, der Geschäftsführer der Deutschen Volleyball-Liga (DVL). Laut Moers’ Klubchef Günter Krivec sprangen drei Geldgeber ab, was eine Lücke im Etat von 500 000 Euro bedeutet. In den Neunzigerjahren bürgte Krivec schon für einen Kredit über eine Million Mark, auch danach half er immer wieder mit finanziellen Mitteln aus. Jetzt sei aber Schluss, sagt der 71-Jährige, der den Klub 1985 gegründet hatte. Man wolle sich auf die Jugendarbeit konzentrieren.

„Herr Krivec hat viel in den Moerser SC investiert“, sagt Jung, „wenn er aber schon vor zehn Jahren eine funktionierende Geschäftsstelle aufgebaut hätte, wie es Berlin und Friedrichshafen getan haben, wäre vielleicht heute der Nullpunkt nicht erreicht.“ Der von der DVL im vorigen Jahr verabschiedete Masterplan gibt eine hauptamtliche Geschäftsstelle verpflichtend vor. Außerdem sollen die Spielstätten fernsehtauglich gemacht werden, die Auflagen zur Lizensierung wurden erhöht. Bottrop ist in dieser Saison an diesen Auflagen gescheitert. „Der Verlust von so einem Traditionsklub ist für die Liga vom Grundsatz her ein Problem“, sagt Jung. „Mit Klubs, die gesund sind, die Liga zu spielen, ist aber der richtige Weg.“

Die Frage ist nur, wie viele übrigbleiben. Geht der Trend weiter, bleiben in der besten deutschen Liga nur zwei um den Titel konkurrenzfähige Mannschaften − Friedrichshafen und Berlin − sowie ein Haufen Füllkandidaten zurück. Ob so eine einseitige Liga ein Publikumsmagnet werden kann, scheint fraglich.

Die Erziehung der Klubs

Zwar haben sich aus der zweiten Liga drei Klubs für die Vorlizensierung angemeldet, ob sie einen Aufstieg stemmen können, bleibt abzuwarten, „Auch bei Dresden, Rottenburg und CV Mitteldeutschland ist es immer ein Kampf ums Überleben“, sagt Köck. Nicht wenige glauben, erst der Masterplan habe sie in die Misere geführt. „Ich bin zu 200 Prozent überzeugt, dass die Klubs, die es jetzt gerade betrifft, auch ohne den Masterplan finanzielle Probleme gehabt hätten“, entgegnet Jung. Schließlich wirtschaftete Bottrop schon seit Jahren mit dubiosem Zahlenwerk am Existenzminimum. „Bei Haching und Moers sind einfach die großen Sponsoren abgesprungen, das hat es auch schon früher gegeben“, sagt Jung.

Der Masterplan soll Vereine zum professionellen Wirtschaften erziehen. Daran führe kein Weg vorbei, glaubt Köck. „Man braucht eine hauptamtliche Person in der Geschäftsstelle“, sagt er. Er selbst übt diese Tätigkeit seit fünf Jahren bei Haching aus, ehrenamtlich. „Die Frage ist, ob man das in Zukunft finanzieren kann“, sagt er. 3 000 Euro zahlt der Klub monatlich seinen Spielern, Gehalt plus Wohnung. Für die einzelnen Athleten ist das nicht viel, „bei einem Kader von zwölf Mann und Sozialabgaben kommt man dabei aber auf ungefähr 600 000 Euro“, rechnet Köck vor. Dazu kommen Reisekosten, Gehälter für Trainer, Physiotherapeut und Arzt, plus Lizenzgebühren der Liga von 30 000 Euro pro Saison. Viel teurer kommen Erfolge zu stehen. „Die Champions League im letzten Jahr hat uns zwischen 160 000 und 180 000 Euro gekostet“, sagt Köck.

Einnahmen hat der Klub kaum. Tausend Zuschauer kommen im Schnitt zu Spielen. „Hätten wir eine größere Halle, könnten wir sicher auch mehr Zuschauer gewinnen“, glaubt Köck, „dafür müssen wir aber nach München.“ Vorbild sind Berlins Volleys, die bis zu 9 000 Zuschauer in die Halle locken. „Berlin ist aber die Ausnahme“, sagt Köck.

Was fehlt, seien ein Ligasponsor und TV-Präsenz, findet Köck. Damit plagt sich die DVL seit Jahren. „In Gesprächen sehe ich aber, dass wir deutlich mehr Resonanz bekommen“, sagt Jung. So will Sport 1 Zusammenfassungen der Playoffs senden, die ab 26. März beginnen. „Ich glaube, dass ein Hauptsponsor und ein TV-Vermarkter den Klubs helfen können“, sagt Jung, „wenn die Vereine aber nicht bereit sind, sich zu entwickeln, werden einige in Zukunft überfordert sein.“