Blau-Weiße Fußballkompetenz: Gämperle (l.) und Covic.
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BerlinAls der Schweizer Harald Gämperle im Sommer 2007 nur wenige Wochen nach der Inthronisierung seines Landsmannes Lucien Favre als Cheftrainer von Hertha BSC im Trainingslager in Österreich auftauchte, eilte ihm der Ruf voraus, ein gnadenloser Übungsleiter in Sachen Kondition zu sein. Gämperle wurde Co-Trainer von Favre, ein Job, den der ehemalige Verteidiger schon lange zuvor beim FC Zürich innehatte. Gämperle, so hieß es, mache alle seine Spieler fitter! Ein wenig argwöhnisch erwarteten die Profis den neuen Mann, der danach auch durchaus seinem Ruf gerecht wurde.

Cheftrainer Favre, der mit Gämperle zuvor zweimal Meister mit dem FC Zürich geworden war, hatte von Herthas Manager Dieter Hoeneß gefordert, Gämperle schnellstens nach Berlin zu lotsen. Koste es, was es wolle! Zähneknirschend gab FC-Zürichs Präsident Ancillo Canepa nach, kassierte aber für Gämperle eine sechsstellige Summe als Ablöse von Hertha BSC.

Mit Favre zerstritten

Über zwei Jahre leistete das Duo Favre/Gämperle hervorragende Arbeit in Berlin, spielte in der Saison 2008/09 lange um die Deutsche Meisterschaft mit. Am Ende wurde es Rang vier. Als die Mannschaft, die in Marko Pantelic, Andrej Woronin und Josip Simunic drei populäre Leistungsträger verloren hatte, im Herbst 2009 in eine sportliche Krise geriet, wurden die beiden Schweizer entlassen. Die zerstritten sich zudem und sind bis heute keine Freunde mehr geworden.

Gämperle, als Profi ein eisenharter Abwehrmann, der vor allem Erfolge mit Grasshoppers Zürich feierte und auch vier Länderspiele bestritt, kehrte zum FC Zürich zurück und wurde Assistent von Urs Fischer, dem heutigen Chefcoach des 1. FC Union. Ab 2013 aber hieß der neue Arbeitgeber für Gämperle Young Boys Bern, wo er Co-Trainer und zwischenzeitlich als Chef ad interim fungierte. Er verhalf den Cheftrainern Adi Hütter und Gerardo Seoane zu Meistertiteln mit den Young Boys.

Als Hertha BSC im Mai 2019 einen Nachfolger für Pal Dardai suchte, war auch Seoane im Gespräch. Der „Trainer des Jahres“ in der Schweiz aber dementierte im Schweizer Fernsehen und wenig später war es überraschend sein Assistent Gämperle, der zum zweiten Mal das Abenteuer Berlin suchte. Mit Herthas Manager Michael Preetz hatte Gämperle stets Kontakt gehalten. Preetz suchte einen erfahrenen Mann an der Seite des Bundesliga-Novizen Covic. Gämperle, 51, besitzt die Uefa-Pro-Lizenz, die ihn befähigt, in allen europäischen Ligen als Cheftrainer zu arbeiten. Ob das irgendwann sein Ziel ist? „Ich bin gern, was ich bin“, sagte Gämperle dazu.