Berlin - Silvio Heinevetters Vorliebe für Schlagermusik ist ja bekannt. Er favorisiert in dieser Hinsicht die Minirock-Queen Andrea Berg, so einige ihrer CDs soll er in seinem Auto liegen haben, zudem war er schon Gast auf einem ihrer Konzerte. Ob der Handballtorwart der Füchse Berlin auch Sympathien für Katja Ebstein hegt, ist allerdings nicht bekannt. Dabei würde sich dieser Tage eine Platte der Eurovisionsteilnehmerin von 1970 in seinem Gefährt bestens eignen, dann könnte Heinevetter nämlich den Gassenhauer „Wunder gibt es immer wieder“ laut aufdrehen.

Genau ein solches brauchen die Füchse an diesem Sonntag, wenn sie im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Ademar León (16 Uhr, Eurosport) das 23:34 von vorigem Wochenende aufholen wollen. „Einen Totalausfall“ hätte es im Hinspiel gegeben, sagt Heinevetter, der die Gründe vor allem darin sucht, „dass wir viel zu viele technische Fehler produziert haben“. Die Chance auf ein Weiterkommen liegt für den Nationaltorhüter deshalb auch nur noch im einstelligen Bereich. Immerhin, ist man schon fast geneigt zu sagen.

Zwei Varianten zur Wahl

Doch ist es auch eine Prozentzahl, die sich im Laufe des Spiels steigern könnte. Wenn wieder jene Dinge funktionieren, die den Füchsen in León, aber auch schon zuvor teilweise bei der Bundesliga-Niederlage in Flensburg, abgingen. Etwa Disziplin im Angriff, oder, wohl noch wichtiger, eine Defensive, die ihren Namen auch verdient. Die 34 Gegentore in León bedeuteten für diese sonst so formidable Abwehr einen Blackout zur Unzeit.

Am Sonntag wollen die Berliner im Defensivverbund wieder zur gewohnten Stärke zurückfinden. Die da wäre: An der Grenze zur Strafzeit wandeln, um den Gegner einzuschüchtern. Trainer Dagur Sigurdsson sezierte die enttäuschende Vorstellung der Vorwoche bis auf den kleinsten Fehler, das Team suchte während des Trainings untereinander oft das Gespräch. „Alle waren sehr engagiert“, findet Kapitän Torsten Laen.

Die intensive Kommunikation war vor allen Dingen deshalb nicht verkehrt, weil es bei den Füchsen zuletzt an der Abstimmung haperte. Im Grunde simple Übergaben in der Abwehr gelangen so gut wie nie, viel zu oft stand ein Spieler von León frei vor dem Tor. Geschuldet ist dies auch der eher unüblichen Taktik der Kastilier, die teilweise mit zwei Kreisläufern agieren. „Die Erfahrungen aus dem Hinspiel werden uns nun helfen“, glaubt Laen.

Denn die Berliner konnten sich in den vergangenen Tagen ein Gegenmittel überlegen. Zwei Varianten stehen zur Auswahl: Entweder sie nehmen die beiden übrig gebliebenen Rückraumspieler der Spanier in Manndeckung und sorgen so für eine wilde Jagd auf dem Parkett, oder sie stehen insgesamt defensiver, um das Spiel mit dem Kreis zu unterbinden. Dann allerdings bekämen Leóns Rückraumschützen mehr Räume zum Werfen, was einen Berliner Torhüter in Ausnahmeform erfordern würde. Womit wir wieder bei Silvio Heinevetter wären. Und Andrea Berg. Die nahm 2006 den Titel „Ein bisschen Wahnsinn“ auf. Vielleicht hat Heinevetter ja die CD im Auto griffbereit.