Barbara Rittner hat beim Berliner Turnier alles im Blick.
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BerlinIrgendwann Mitte des ersten Satzes tauschte Barbara Rittner ihren sonnigen Platz in der ersten Reihe gegen einen im Schatten stehenden Stuhl unter der Tribüne des Steffi-Graf-Stadions ein. Dabei hatte die Tennis-Bundestrainerin und Turnierdirektorin der beiden Berliner Einladungsturniere im Vergleich zum Montag bereits von der Jeans zum luftigen Rock umgeschwenkt. Um bei 27 Grad Celsius Schattentemperatur am zweiten Turniertag bis zum Ende durchzuhalten, suchte Rittner aber auch mal die Abkühlung des raren Schattens. Denn schon der Montag hatte sie müde, sogar sehr müde gemacht und für gemischte Gefühle gesorgt. „Zum einen bin ich stolz und zufrieden, wie sich das hier alles präsentiert, zum anderen ist auch ein bisschen Wehmut dabei, weil ich das hier noch aus Zeiten kenne, die mehr Zuschauer zugelassen haben“, so Rittner. 

Und aus Zeiten, in denen deutsche Spielerinnen  den Platz in Berlin als Sieger verlassen haben. Am ersten Turniertag aber hatten der Reihe nach Jan-Lennard Struff, Julia Görges, Tommy Haas und Andrea Petkovic als Verlierer vom Rasen gehen müssen. Die Leistung des deutschen Quartetts aber nur auf die Ergebnisse ihrer Spiele zu reduzieren, wäre für die Bundestrainerin aus mehreren Gesichtspunkten unfair. „Man darf nicht vergessen, dass wir ein Top-Teilnehmerfeld haben. Dass Andrea Petkovic ein gutes Match spielt und gegen die zweimalige Wimbledon-Siegerin Petra Kvitova verliert, ist nicht schlimm“, sagt Rittner. Zumal Petkovic durch Verletzungsprobleme im Oktober des vergangenen Jahres zuletzt nur ein Tennismatch bestritten hatte. 

Nicht jeder Tennis-Interessierte zeigt dafür Verständnis. Am Montag wurde sie für ihre Niederlage über eine Instagram-Nachricht beleidigt und machte diese Pöbelei nicht nur öffentlich, sondern kommentierte es auch gekonnt: „Das habe ich vermisst! Bro, hast du unter einem Stein gelebt?“

Lob von allen Seiten bekam hingegen Tommy Haas. Der 42 Jahre alte Rückkehrer hatte gegen Jannik Sinner, 18, eine starke Leistung gezeigt und musste sich nur knapp im Champions-Tiebreak geschlagen geben. „Er hat natürlich unglaublich gespielt und es wäre ein Traum gewesen, wenn er das gewonnen hätte“, sagte Barbara Rittner, „und auch Jan-Lennard hat gegen die Nummer zwölf der Welt tolles Tennis gezeigt. Insofern ist alles gut.“ 

Negativ war aus Sicht der Turnierdirektorin nur die Verletzung von Julia Görges. Bis Mitte des zweiten Satzes hatte die eine sehr gute Leistung gezeigt, knickte beim Stand von 3:4 allerdings mit dem rechten Knöchel um und musste das Match beenden. Immerhin stellte sich die Verletzung als nicht so schwerwiegend heraus. Möglicherweise kann Görges sogar beim zweiten Turnier im Hangar am Tempelhofer Feld ab Freitag schon wieder mitwirken.

Am Montagabend im Hotel hatte Barbara Rittner ausschließlich in gut gelaunte Gesichter geblickt. Nach vier Monaten Corona-Turnierpause waren alle Spieler froh, mal wieder auf dem Platz stehen zu dürfen. „Alle sahen fit aus, auch Julia und Andrea. Sie haben alle hart gearbeitet und die Phase genutzt, um sich noch fitter zu machen. Die Grundstimmung war gut und deshalb war meine müde Grundstimmung auch gut“, sagte die Turnierdirektorin. Nur die Wettervorhersage für Mittwoch und Donnerstag trübte ihre Stimmung an diesem sonnigen Dienstag. Der prognostizierte Regen könnte auf dem Rasen für Probleme mit den Partien um Platz drei und den Endspielen sorgen. Auf die beiden Platzierungsspiele könne man noch verzichten, „aber die zwei Finals müssen auf jeden Fall gespielt werden“, so Rittner. Man arbeite gemeinsam mit den übertragenden Fernsehsendern an einem Plan B. Ein Ausweichort wäre der Hangar, ein Ausweichtag der Donnerstag.