Die Eisfläche war Jens Keller einfach zu klein. „Wenn ich mit meinen Pirouetten und Sprüngen angefangen hätte, wäre ich gegen die Bande …“, erklärte der Trainer des 1. FC Union, warum er die Rutschpartie auf der Schlittschuhbahn vor der Haupttribüne vermieden hatte. Nicht alle Fragen auf der Pressekonferenz vor dem Spiel am Sonntag in Bochum (13.30 Uhr) ließen sich so launig umkurven wie die nach der Weihnachtsfeier des Vereins.

Zwischenzeitlich wirkte es ja, als ob bei Union erstaunlich viel Unruhe herrsche, für einen Klub, der nun zwar zwei Partien nicht gewinnen konnte, tabellarisch aber im Soll ist. Doch lautete die frohe Kernbotschaft, die Keller vor der letzten Auswärtsfahrt des Jahres aussandte: kein Grund zur Sorge.

Sorgenquelle Nummer

Da ist erstens das Abwehr-Wirrwarr, das sieben Gegentreffer in zwei Spielen hervorgebracht hat. Um mehr Ordnung in das Verteidigungsverhalten zu bringen, haben sich die Eisernen in dieser Woche eingehend dem Themenkomplex Flanken gewidmet.

„Ein paar Dinge haben sich in den letzten zwei Spielen eingeschlichen, die wir uns in Bild und Tat angeschaut haben“, sagte Keller. Per Videoanalyse und auf dem Übungsplatz also. Unstimmigkeiten zwischen Innen- und Außenverteidigern sollen nun nicht mehr vorkommen und das Umschalten von Flankenproduktion vorne zu Flankenverhinderung hinten besser funktionieren. Sorgenquelle Nummer eins wäre damit abgedeckt.

Unmutsäußerung inklusive Wechselgedanke

Der zweite Auslöser von Ungemach ist das Frustpotenzial von Leistungsträgern a. D. auf der Ersatzbank. Zu denen hatte sich vergangenen Freitag bekanntlich auch noch der amtierende Kapitän gesellt. Die erstmalige nicht verletzungs- oder ermüdungsbedingte Nichtberücksichtigung habe Felix Kroos gutgetan, befand sein Trainer, der zuletzt an Spieltagen eine gewisse Verkrampfung seines Spielführers beobachtet hatte: „Mir hat es den Anschein gemacht, dass es ihm gutgetan hat, freier mit der Situation umzugehen.“

Diesbezüglich muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass die Trainingseindrücke vorher auch gut waren, und die Trainer-These erst in Bochum überprüft werden kann. Und zwar nur, falls nicht eben doch wieder Sebastian Polter das Team anführt. Das dritte Thema, das einer Nachfrage bedurfte, war Steven Skrzybski. Der hatte bei der Weihnachtsfeier davon abgesehen, die Schlittschuhe zu schnüren und damit das Verletzungsrisiko professionell minimiert. Aber mit seiner Unmutsäußerung inklusive Wechselgedanken hatte er sich nach dem 3:3 gegen Darmstadt auf dünnes Eis begeben.

Winterurlaub schon geplant

Für Keller − zumindest offiziell − kein Problem. „Wir sind nicht so nervös, wie es die Öffentlichkeit war“, sagte der 47-Jährige. „Wir haben darüber gesprochen und ihm einen Weg aufgezeigt.“ Ob dieser Pfad über Bochum führt, wo Skrzybski am 19. Mai 2013 sein erstes Zweitligator erzielte, verriet Keller nicht.

Der 25 Jahre alte Angreifer wünscht sich das jedenfalls. „Fakt ist, dass wir da unbedingt gewinnen müssen. Wenn ich da mit einem Tor helfen kann, würde mich das noch mehr freuen“, sagte Skrzybski. Dem Zusammenhalt hat seine Drohung, in der Rückrunde für einen anderen Verein aufzulaufen, nicht geschadet. Sein Konkurrent um den Startelfplatz Akaki Gogia hat den gemeinsamen Winterurlaub schon geplant.