Die größte Angst der Fans des 1. FC Union konnte am Sonnabend so gegen 14.30 Uhr als gebannt betrachtet werden. Nicht wenige fürchteten nach dem Transferfeuerwerk, mit dem Manager Oliver Ruhnert den Köpenickern die Zugänge elf und zwölf beschert hatte, dass sie auch bei der offiziellen Saisoneröffnung der Eisernen kurzfristig weitere Namen lernen müssen.

Das blieb ihnen erspart. Doch Christian Arbeit, Mediendirektor der Köpenicker Fußballer, musste sich bei seinem Job als Stadion-Conférencier mächtig sputen, ehe er alle 34 Mann auf den Rasen gebeten und vorgestellt hatte. Es fehlte schließlich nur Suleiman Abdullahi, dessen Passprobleme laut Arbeit immerhin mittlerweile überstanden sein sollen. Der nigerianische Stürmer kann nach verpasster erster Übungswoche aus seiner Heimat ausreisen und den Trip ins Trainingslager nach Oberösterreich mit antreten.
Nicht wenige fühlen sich übrigens angesichts von Unions Kadergröße an Magathsche Dimensionen erinnert. Auch Sebastian Polter, der einst unter Felix Magath in Wolfsburg gewirkt hatte. „Der hat ja auch gerne mal einen mehr verpflichtet“, erinnert sich der 28-Jährige, der am Sonnabend beim 2:1 im Testspiel gegen Bröndby IF das erste Tor des Neu-Bundesligisten erzielt hat.

Subotic und Gentner fehlen

„Klar ist es in der Summe relativ viel geworden. Aber ich glaube, dass man für die Bundesliga einen breiteren Kader braucht. Man darf in dieser Saison ja zwei Spieler mehr mitnehmen. Ich habe gehört, dass der Trainer davon gern Gebrauch machen möchte – gerade auswärts. Es wird jeden individuell stärker machen“, gibt sich Polter gelassen. Er präsentierte sich zum Start jedenfalls bestens vorbereitet. Mit seinem Laktatwert von 4,1 erreichte er eine persönliche Bestmarke. Nie zuvor hatte er in seiner Laufbahn die 3,95 übertroffen.

Der 28-Jährige steht allerdings auch ziemlich unter Druck. Für den zentralen Angriff holte Union den bundesligaerfahrenen Anthony Ujah sowie den Dänen Marcus Ingvartsen, der auch als hängende Spitze agieren kann. Auch Sebastian Andersson wird seinen Vorjahres-Stammplatz nicht freiwillig räumen wollen. Und dass Urs Fischer sein bevorzugtes System mit einer Spitze aufgibt, auf ein 4-4-2 oder gar 3-5-2 umstellt − das Personal dafür wäre mittlerweile vorhanden − darf bezweifelt werden.

Kein unnötiges Risiko

Die beiden Spitzentransfers Christian Gentner und Neven Subotic waren am Wochenende indes noch außen vor. Weil beiden noch jedwedes Teamtraining fehlt, entschied sich Urs Fischer dafür, kein unnötiges Risiko einzugehen und ließ sie beim Testspiel gegen Bröndby ebenso draußen wie die eingetrudelten Nationalspieler Sebastian Andersson (Schweden), Rafal Gikiewicz (Polen), Cihan Kahraman (U21 Türkei) und Marcus Ingvartsen (U21 Dänemark). Auch Rückkehrer Marvin Friedrich − neben Michael Parensen von den rund 12 000 Fans am lautesten begrüßt − und Sheraldo Becker durften die Atmosphäre im Stadion An der Alten Försterei zunächst noch von den Rängen aus einsaugen. Zudem musste Florian Hübner wegen einer Blessur zuschauen.

Laut Urs Fischer soll er aber im Trainingslager in Windischgarsten zum Teil schon wieder ins Mannschaftstraining einsteigen können. Da ist zumindest das Ambiente schon mal großartig. Sonne, grüne Wiesen und die malerischen Gipfelzüge der Kalkalpen. Auch wenn die Kicker davon wohl wenig mitbekommen werden. „Ich habe immer gesagt, alles, was es im Trainingslager braucht, sind ein gutes Bett, gutes Essen und ein guter Platz. Für mehr ist da nicht Zeit“, gab daher auch Unions Kapitän Christopher Trimmel zum Besten.

Ein neuer „Tusche“

Der 32-Jährige suchte am Wochenende merklich die Nähe von Christian Gentner und Neven Subotic, denen absolute Führungsrollen im Bundesligateam der Köpenicker zugetraut werden. „Die beiden sind sportlich eine Bereicherung. Sie sind absolute Leadertypen und sehr erfahren. Das hilft natürlich“, sagt der Rechtsverteidiger. Man darf gespannt sein, ob er recht behält.

Dass niemand sich auf neue Namen einstellen musste, stimmt allerdings doch nicht so ganz. Maurice Opfermann, mit vollständigem Namen Maurice Noel Miguel Opfermann Arcones, firmiert künftig nur noch unter der recht kurzen Form: Maurice Arcones. Wer sich das nicht merken kann: Im Team wird er seit langem nur „Tusche“ gerufen, weil er bei den C-Junioren wegen seiner Rückennummer 17 von einem Trainer so betitelt worden war. Die trug ja einst der große Torsten Mattuschka. Und dessen Namen kennt bekanntlich jeder in Köpenick.