Mit Eifer bei der Sache: Als Co-Trainer der TSV Hannover-Burgdorf kehrt Iker Romero am Donnerstag nach Berlin zurück.
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BerlinManch einer mag sich noch an diesen Abend in der Max-Schmeling-Halle erinnern. Als Iker Romero am 6. Juni 2015 von den Füchsen nach dem Heimspiel gegen die SG Flensburg-Handewitt verabschiedet wurde, sich die Spieler in den Armen lagen, Bob Hanning extra Livemusik organisiert hatte und sich so manch einer im Publikum die Tränen verdrücken musste. In seinen vier Jahren in Berlin hatte sich der ehemalige spanische Nationalspieler, Weltmeister und Champions-League-Sieger in die Herzen der Hauptstädter gespielt und war zur Klublegende aufgestiegen.

„Da gibt es so viele gute Momente“, erinnert er sich nun an die Tage in Berlin, „der Pokalsieg in Hamburg 2014 war spitze, genauso das Final Four 2011 in Köln. Aber da gibt es noch so viel mehr.“ Die Partie gegen seinen Heimatverein Ademar Leon etwa oder der Gewinn des EHF-Pokals in Berlin - die Reihe ließe sich immer weiter fortsetzen. Auch wenn sein Herz aktuell in Hannover schlägt, blickt er gerne auf die Erlebnisse mit den Füchsen zurück. „Natürlich vermisst man das manchmal, doch alles hat seine Zeit“, erzählt Romero, „als junger, lediger Mann ohne Kinder kann man in Berlin natürlich alles machen, aber für das Leben mit der Familie ist Hannover die perfekte Stadt.“ Mit der ehemaligen Spreefüxxin Laura Steinbach hat er dort mittlerweile zwei Kinder und sich optimal in der niedersächsischen Hauptstadt eingelebt.

Privat und sportlich. An der Seite von Landsmann Carlos Ortega coacht er seit 2017 die Recken, die in diesem Jahr, ähnlich wie die Füchse, einen tiefgreifenden Umbruch hinnehmen mussten. Mit namhaften Abgängen wie Timo Kastening, Christian Ugalde, Mait Patrail und allen voran dem dänischen Spielmacher Morten Olsen sowie nur zwei Nachverpflichtungen unterliegt der Verein einer harten Zäsur. Doch Romero ist kein Typ, der lange hadert oder sich an Negativereignissen festhält. „Es bringt nichts, darüber nachzudenken, wer da ist und wer nicht. Man muss das Beste aus der Situation machen“, erklärt er in seiner für ihn typischen, zuversichtlichen Art. „Aktuell müssen wir sowieso jeden Tag genießen und können froh sein, dass wir unseren Sport ausleben können.“

Nachdem der Klub zuletzt die Teilnahme in der European League absagen musste, weil man gesundheitliche und finanzielle Gefahren ebenso wie eine Überbelastung der Sportler vermeiden wolle, konzentrieren sich Romero und Co. auf die Bundesliga und wollen in diesem Jahr erneut die internationalen Plätze anvisieren. Nicht nur in seiner Funktion als Nachwuchs-Trainer baut der 40-Jährige dabei auf die Jugend. Wieder eine Parallele zu Berlin. „Da liegt unsere Zukunft“, sagt er mit einer Selbstverständlichkeit, die an Füchse-Geschäftsführer Hanning erinnert. Und weit entfernt ist der Vergleich nicht, dient der Hauptstadtklub doch als kleines Vorbild: „Berlin schlägt da den besten Weg ein. Wenn ich dort einen Weltklassespieler wie Fabian Wiede sehe oder einen Paul Drux, der fast sein ganzes Leben dort war und jetzt Kapitän ist, finde ich das richtig schön.“

Wenn Romero von den beiden Nationalspielern redet, merkt man, wie er in Erinnerungen abschweift. Als er 2011 zu den Füchsen kam, bestritten Wiede und Drux gerade ihre erste Profi-Saison, waren noch im jugendlichen Alter – jetzt gelten beide als Gesichter des Vereins. Einen Werdegang, den sich der Trainer gleichermaßen für einige seiner Spieler wünscht. Und er ist auf einem guten Weg: Im aktuellen Team der TSV sind sechs Talente aktiv, die vor wenigen Jahren noch bei Romero in der A-Jugend aufliefen.

Ihnen, aber auch der gesamten Mannschaft versucht der Spanier das mitzugeben, was Bob Hanning einstmals als Siegermentalität bezeichnete und was den Spielmacher zur leitenden Figur bei den Füchsen machte: Optimismus, Kampfgeist, Gemeinschaftsgefühl -  und nicht zu vergessen: Spaß. All dies erwartet Romero auch bei der Begegnung in Berlin am Donnerstagabend in der Max-Schmeling Halle (19 Uhr). Dort, wo er am 6. Juni verschiedet wurde und auch diesmal aufs Neue berührt sein wird, wenn er auf alte Weggefährten trifft, die Zuschauer begrüßt und sein einstiges Trikot unter dem Hallendach hängen sieht.