Vor Showdown: Die magischen Abende gehen bei Union weiter

„Deutscher Meister wird nur der FCU“ ertönt es seit Wochen in der Alten Försterei. Gegen Gladbach bestehen die Köpenicker neue Herausforderungen. Aus Träumer...

ARCHIV - Berlins Danilho Doekhi (2.v.r) köpft den Ball ins Tor zum 2:1 für Union Berlin.  ntur GmbH/dpa
ARCHIV - Berlins Danilho Doekhi (2.v.r) köpft den Ball ins Tor zum 2:1 für Union Berlin. ntur GmbH/dpaAndreas Gora/Deutsche Presse-Age

Berlin-Eine riesige Urs-Fischer-Statue in Jesus-Pose im Wald hinter dem Stadion. Im Bayern-Fanshop ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Union-Jäger Nr.1“. Die Anhänger von Tabellenführer Union Berlin haben in den sozialen Netzwerken gerade gut lachen. Doch auch wenn solche Posts logischerweise - wie auch die „Deutscher Meister wird nur der FCU“-Gesänge im Stadion - mit einem großen Augenzwinkern versehen sind, nimmt der Siegeszug der Eisernen immer wundersamere Formen an. Am Donnerstag soll in der Europa-League bei Royale Union Saint-Gilloise (21.00 Uhr/RTL+) mit dem Einzug in die K.o.-Runde der nächste Triumph folgen.

„Die Fans träumen, aber wir reden nicht darüber. Wir geben einfach Gas“, sagte Torschütze Kevin Behrens nach dem furiosen 2:1 gegen Borussia Mönchengladbach durch zwei späte Treffer. Kollege Rani Khedira sagte mit strahlenden Augen: „Es ist natürlich schon ein geiles Gefühl, wenn die Fans uns dann nach dem Spiel noch einmal so feiern. Es ist eine sehr, sehr geile Momentaufnahme, die wir einfach genießen.“

Das einzige, was Union in den letzten Wochen stoppen konnte, war ein Rückstand. Kein Problem, nun haben die Köpenicker auch in solchen Konstellationen ihre Nehmerqualitäten wiederentdeckt. Schon zuvor hatte das Team auf jede Saison-Niederlage mit einem Sieg reagiert.

Nach 60 Minuten hatte es gegen die couragiert auftretenden Gladbach noch nach dem ersten richtigen Dämpfer der Bundesliga-Saison ausgesehen, auf den Fußball-Deutschland zu warten scheint. Die Bayern wieder auf Platz eins, alles wieder normal. Doch die Berliner kamen zurück - und wie. Angetrieben von den Rängen rollte Angriff um Angriff auf das Tor der Gäste. Der Siegtreffer schien die einzige logische Konsequenz, schon bevor er dann wirklich fiel. Das beeindruckte auch Trainer Urs Fischer. „Es spricht für den Charakter und die Mentalität der Mannschaft, wenn du solch eine Wucht erzeugen kannst“, sagte der Schweizer.

Auch am Ende der vierten englischen Woche in Folge wirkten die Eisernen noch frisch. „Wir genießen es, alle drei Tage spielen zu dürfen“, sagte Khedira. Knapp sieben Kilometer mehr als der Gegner lief das Team. Doch es war kein blindes Anrennen. Union schnürte die Fohlen-Elf in der eigenen Hälfte ein, vergaß aber die Absicherung nicht. „Das war nicht wild, sondern kontrolliert. Kompliment an die Mannschaft, das hat mich heute wirklich überzeugt“, sagte Fischer.

Die Köpenicker merken auch, dass die Gegner sich anders auf Union einstellen. Mönchengladbach zog sich meist tief zurück und überließ den Gastgebern lange Ballbesitzphasen. „Zum einen wollen sie uns den Ball geben, weil das nicht unsere allergrößte Stärke ist“, sagte Khedira. Zum anderen habe ihn die Herangehensweise der eigentlich so spielstarken Mannschaft vom Niederrhein aber auch gewundert. „Das zeigt dann auch den Respekt vor unserem Pressing, unserem Anlaufen und unserer Gefährlichkeit.“ Am Sonntag bestand Union diesen Test.

Nach zwölf Spieltagen stehen die Köpenicker mit 26 Punkten weiter an der Tabellenspitze. Wann wird aus einer Momentaufnahme eine Titelambition? „Wir fangen nicht an, rumzuspinnen. Unser Ziel bleibt das gleiche, egal ob wir nun 26 Punkte haben oder nicht, die 40-Punkte-Marke“, sagte der Schweizer. Auch Siegtorschütze Danilho Doekhi blieb nach dem Spiel vorsichtig, ließ sich aber immerhin zu einem „Alles ist möglich“ hinreißen.

Dabei kämen die Fans doch nur ins Stadion, um Spaß zu haben, ein Punkt würde ihm schon reichen, sagte einer von ihnen noch vor der Partie. Auf die Anmerkung, dass er sich über einen erneuten Dreier aber sicher nicht beschweren werde, antwortete er in klassischer Berliner Lakonie: „Na, wat solln wa denn machen?“