Kenner des Union-Kosmos wissen, rund 48 Stunden vor dem Showdown findet die Pressekonferenz statt –  kurz PK. Der Tag, an dem die letzten Fragen zum anstehenden Zweitligakick erörtert und eben beantwortet werden sollen. Also werden fleißig die Computer eingeschaltet, die Smartphones gezückt, um live dabei zu sein. Das war auch an diesem Sonnabend der Fall, als die Köpenicker vor ihrem heutigen Auftritt in Ingolstadt (20.30 Uhr) zum Gespräch luden.

Dass da erneut wenig  Erhellendes zutage gefördert wurde, ist allerdings auch hinlänglich bekannt. Nur allgemeine Höflichkeiten dem Klub gegenüber veranlasst die Hauptstadt-Journaille immer wieder, die Staffage für das Vereins-TV abzugeben. 

Keine Aussagekraft

Trainer Urs Fischer ist ein Meister darin, freundliche, aber unverbindliche Allgemeinplätze von sich zu geben. Manch Zeitzeuge liebäugelte schon  damit, ein  PK-Bullshit-Bingo zu entwerfen. Also die Floskeln und Sätze vorzuempfinden, mit denen Fischer aufwarten würde.

Auch diesmal wäre keiner enttäuscht worden. Sieben Spiele seien erst gespielt, die Tabelle habe keine Aussagekraft. Union solle vor allem auf sich schauen. Es werde ein schwieriges Spiel. Man dürfe  zufrieden sein mit dem Start, sich aber nicht darauf ausruhen. Und natürlich wollen die Eisernen in Ingolstadt gewinnen, was aber nicht heißt, dass es automatisch auch klappt. Lediglich die Frage nach einer möglichen Umgestaltung des Kaders wurde nicht beantwortet, da sie – hoffnungsloses Unterfangen eben – gar nicht erst gestellt wurde.

Polter ist eine Option

In einem Punkt aber legte sich Fischer,  52,  dann doch fest – oder für seine Verhältnisse nahezu fest. Dass Sebastian Polter nach seinem schwungvollen Comeback gegen Kiel wieder eine Kaderoption sein könne, ließ sich der Trainer entlocken und verwies im gleichen Atemzug sofort drauf, dass das aber nicht für die Startelf gelte.  Eine Ankündigung, die in etwa so überraschte, wie, dass auf Tag Nacht folgt.

Doch so sehr dieses Spiel auf Dauer langweilt, eines muss man dem Schweizer zugutehalten: Er hat in vielen Fällen ja recht mit seinen Aussagen. Was bringt es, marktschreierisch den Gegner zu reizen? Diese Liga  ist wieder so unberechenbar, dass Prognosen sehr schwer sind. Auch, weil Fußball ein Spiel mit dem Zufall ist.  Alles müsse sich jedes Mal neu erarbeitet  werden, sagte Fischer. Und  ein perfektes Spiel werde es im kampfbetonten, stets etwas hektisch zugehenden Unterbau der Bundesliga wohl nie geben. Das muss es in Ingolstadt auch nicht unbedingt geben. Aber der erste Auswärtserfolg unter Fischer käme den Köpenickern schon zupass.

Erhöhter Konkurrenzkampf

Das weniger, um dem Spitzenreiter aus Köln weiter auf den Fersen zu bleiben. Schon mehr für die eigene Weiterentwicklung. Denn so sehr Fischer   in Medienrunden Zurückhaltung pflegt, umso mehr ist für ihn entscheidend, was auf dem Platz passiert. Und da arbeitet  er daran, dass seine Truppe aus Fehlern lernt, sich Stück für Stück verbessert.  Als Beispiel nannte Fischer das 1:1 in Bielefeld. Da sei es Union nicht gelungen, den zweiten Treffer nachzulegen, was am Ende  bestraft wurde.

Das soll seiner Mannschaft diesmal nicht passieren. Auch wenn zwischen Wunsch und Wirklichkeit oft eine Lücke klafft. „Wenn alles so einfach wäre, wenn du es nur ansprichst, dann wäre alles einfacher“, sagte Fischer. Ihm käme es vor allem drauf an, dass die Mannschaft sich gut präsentiert. Denn die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöht sich damit automatisch.

Sehr großer Kader

Letzteres gilt  auch für  eine entsprechende Bank. Je mehr Qualität ein Trainer dort versammeln kann, umso größer ist die Chance, dass entscheidende  Korrekturen während des Spiels vorgenommen werden können.  Die Einwechselaussichten sind nicht nur durch die Rückkehr von Sebastian Polter besser geworden. Auch Joshua  Mees und Suleiman Abdullahi seien kurz davor, eine Kaderoption zu werden.

Was übrigens nicht nur die Gegner, sondern vor allem Fischer quälen wird: „Wir haben dann einen sehr großen Kader. Ich kann nur 18 Mann mitnehmen. Das ist nicht immer einfach für einen Trainer.“ Unerwähnt ließ er aber dabei, dass es so auch für die Profis  sehr schwer wird, sich hängen zu lassen. Weil sie immer vollsten Einsatz geben müssen. Weil diese Unverbindlichkeit in der Kaderzusammenstellung den Konkurrenzkampf richtig anspornt. Wovon letztlich der Trainer und  das Team profitieren.