Als Dreingabe zu seinem Siegtor verriet Sebastian Polter gleich noch ein Detail aus dem Privatleben seines Mitspielers Ken Reichel. Der Stürmer übergab dem Verteidiger umgehend den Ball, und Reichel steckte ihn sich unter das Trikot. Mutterbauch, Schnullergruß: Am Donnerstag hat Reichel einen zweiten Sohn bekommen. Dass die schließlich 2:0 gewonnene Partie zur vorweihnachtlichen Wohlfühlfeier im Stadion An der Alten Försterei werden würde, hatte sich zuvor allerdings nicht angekündigt.

Auf vier Positionen hatte Union-Trainer Urs Fischer seine Formation im Vergleich zur Vorwoche verändert. Das hatte, wie die erzwungene Maßnahme – Michael Parensen ersetzte den gesperrten Florian Hübner in der Innenverteidigung – beispielhaft zeigte, keine augenscheinliche Negativkonsequenz. Aber so richtig nach vorne ging die Post auch mit Ken Reichel, Marcel Hartel und Sebastian Polter nicht, die für Christopher Lenz, Felix Kroos und Sebastian Andersson in die Startelf kamen. Stattdessen gab Bochum den Ton an.

Sorge um das Knie von Gikiewicz

Die Gäste ließen die Eisernen niemals ungestört aufbauen, kurz hinter der Mittellinie schnappte die Falle meistens zu und der Union-Angriff war gestoppt. Auf der anderen Seite hatte Rafal Gikiewicz hingegen alle Hände und Füße voll zu tun. Beim ersten Bochumer Pfostentreffer entschieden die Schiedsrichter noch auf Abseits, beim zweiten brauchte es schon eine famose Rettung des Torwarts, um Union vor dem Rückstand zu bewahren.

Im Anschluss an eine Ecke lenkte Gikiewicz den Kopfstoß von Lukas Hinterseer mit dem Fuß ans Aluminium, ehe er mit der Hand hinter sich griff und den Ball vor dem nachsetzenden Angreifer wegpatschte (18.). Der Schreckmoment war damit aber noch nicht vorbei: Gikiewicz krümmte sich vor Schmerzen, hielt sich das rechte Knie. Mit dem war er gegen den Pfosten geknallt. Jakob Busk konnte sein Aufwärmprogramm aber bald wieder beenden, Gikiwiecz machte weiter – vor allem mit Paraden. Ein paar Schüsse flogen in der ersten Hälfte auch knapp drüber und vorbei.

Nach dem Seitenwechsel war zunächst weiterhin Bochum am Drücker. Als sich Danilo aus 25 Metern versuchte, war es wieder an Gikiewicz, den fehlenden Offensivelan auszubügeln. Das verletzungsbedingte Fehlen von Grischa Prömel machte sich erneut bemerkbar, den eisernen Angriffen fehlte Struktur.

Feiner Konterfußball

Die Szene, die zum Siegtor führte war symptomatisch: Union versuchte den Ball irgendwie mal in den Sechzehner zu bringen – was viele künstlerisch wenig wertvolle Anläufe benötigte. Und als der Ball dann doch endlich reingezwungen wurde, war die Situation für die Bochumer Verteidiger genau wie alle ähnlichen Situationen zuvor: ungefährlich. Was Tim Hoogland nicht davon abhielt, im hintersten Strafraumeck im Standzweikampf gegen Polters Fuß zu treten (59.). Völlig unnötig, aber unstrittig: Elfmeter. Der gefoulte vollendete selbst, Polters fünfter Saisontreffer.

Nach der Führung hatte die Mannschaft von Fischer mehr Raum für Konter, den sie zu nutzen wusste. Zwar übersah der eingewechselte Andersson just nach seiner Einwechslung in der 70. Minute den besser positionierten Kollegen Hartel. Dieser lernte aus dem Fehler des Mitspielers und wartete in der 87. Minute vorbildlich, um Robert Zulj sein erstes Union-Tor zu ermöglichen. Akaki Gogia hatte den Konter prima eingeleitet.

Ein fein herausgespieltes 2:0 war das. Damit haben die Eisernen nun tatsächlich die gesamte Hinrunde unbesiegt überstanden. Eine eindrucksvolle Leistung, bei der schnell vergessen ist, dass der Sieg an diesem Tag nicht nur geduldiger Routine und schönem Konterfußball, sondern auch Hooglands Geschenk zu verdanken war.