Jos Luhukay trug ein weißes Polohemd. Der Trainer von Hertha BSC war noch in Zivil, als er gestern Mittag zur Pressekonferenz vor dem wichtigen Heimspiel gegen den Hamburger SV erschien. Das Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit – so üblich bei Hertha zwei Tage vor einem Spiel – fand erst am späten Nachmittag statt.

Der Klub verbreitete erst einige positive Meldungen, die nach dem äußerst gelungenen Saisonstart mit dem 6:1 gegen Eintracht Frankfurt und dem 2:2 beim 1. FC Nürnberg auch erwartet wurden. So sind bislang für das Spiel gegen den Hamburger SV (Sonnabend, 18.30 Uhr, Olympiastadion) schon über 55 000 Tickets verkauft worden. Hertha hofft auf eine Kulisse von mehr als 60 000 Zuschauern. Und auch Jos Luhukay versprach weiter attraktiven Angriffsfußball: „Wir werden alles für ein gutes Spiel tun, die Initiative ergreifen – und wir wollen natürlich erneut gewinnen.“

Ein Mädchen aus wohlhabendem Elternhaus

Der Trainer und auch Manager Michael Preetz versuchten vor dem Duell gegen den HSV, vor allem Normalität zu demonstrieren. Sie wollen sich die Aufbruchstimmung um die Mannschaft nicht kaputtmachen lassen, obwohl eine Geschichte im Boulevardblatt BZ am Donnerstagmorgen für Aufsehen und Unruhe gesorgt hatte. „Die Hertha-Lolita“ titelte also das Blatt und berichtete, dass sich drei Hertha-Profis angeblich eine Geliebte geteilt hätten, die erst 16 Jahre alt sein soll. Es ist eine reichlich dubiose Geschichte. Der Name des Mädchens, das angeblich aus einem wohlhabendem Elternhaus stammt, in dem es auch die Profis empfangen haben soll, wird nicht genannt. Die Namen der Spieler, die sich darauf eingelassen haben sollen, auch nicht.

Es dauerte gestern ein wenig, ehe im sehr vollen Medienraum von Hertha BSC, wo sich zehn Fernsehteams versammelt hatten, die erste Frage nach den pikanten Vorwürfen gestellt wurde. Eine Vertreterin des RBB, von ZIBB, fragte also, wie der Klub mit diesem Vorgang umgehen werde. Manager Michael Preetz antwortete kurz und knapp: „Wir halten das für einen Versuch, Hertha BSC zu schaden. Wir werden uns auch nicht zu Privatangelegenheiten unserer Spieler positionieren.“ Ein Vertreter von RTL fragte dennoch nach, ob es Sanktionen für die Profis geben werde. Preetz: „Ich dachte, ich hätte mich deutlich genug ausgedrückt. Wir äußern uns nicht zu Privatangelegenheiten unserer Spieler.“

Lehren aus der Vergangenheit

Intern, so kann vermutet werden, wird es sicher zu Aussprachen und der Suche nach Aufklärung kommen. Jos Luhukay und Michael Preetz müssen nun versuchen, die Konzentration der Mannschaft auf das Spiel gegen den Hamburger SV, der zuletzt mit 1:5 gegen die TSG 1899 Hoffenheim unterlag, hochzuhalten. In der Vergangenheit, als Hertha-Profis auch in dubiose Angelegenheiten verwickelt waren oder es sogar mit der Polizei zu tun hatten, kam es schon zu einer Beeinträchtigung der sportlichen Leistungen. So, als Patrick Ebert (heute Real Valladolid) und Kevin-Prince Boateng (heute AC Mailand) im März 2009 nachts um drei Uhr die Spiegel von zahlreichen Autos abgetreten haben sollen. Hertha BSC thronte damals mit Trainer Lucien Favre sogar als Tabellenführer an der Spitze der Liga. Die sogenannte „Autospiegel-Affäre“ beschäftigte lange Zeit die Profis, den Klub und auch die Polizei. Das Verfahren wurde später eingestellt, weil Ebert einen Strafbefehl über 56 000 Euro akzeptierte. Aber: Drei Spiele in Serie in der Bundesliga verlor die Mannschaft damals nach dem Vorfall. Am Ende der Saison wurde gar die Teilnahme an der Champions League verspielt.

Herthas Verantwortlichen geht es nun darum, die noch junge Saison erfolgreich fortsetzen zu können – trotz der Störfeuer. Luhukay wird sein Team gegenüber dem 2:2 in Nürnberg kaum verändern. John Anthony Brooks wird zu Beginn in die Innenverteidigung zurückkehren. Ob im offensiven Mittelfeld zuerst Alexander Baumjohann allein Regie führen soll oder sofort im Duett mit dem wieder erstarkten Brasilianer Ronny ist offen. Der Trainer kündigte jedenfalls selbstbewusst an: „Wir wollen zu Hause mit den eigenen Fans im Rücken unser offensives Spiel durchsetzen.“ Das klingt vielversprechend.