Trainer Karsten Heine (Mitte) und die VSG Altglienicke reisen in der ersten DFB-Pokalrunde nach Köln. 
Foto: Imago Images/O. Behrendt

BerlinHeimvorteil? Nein danke! Regionalligist VSG Altglienicke hat sich entschieden. In der ersten Runde des DFB-Pokals verzichtet der Berliner Landespokalsieger auf das Heimrecht gegen den Bundesligisten 1. FC Köln. Am Montagvormittag hatte sich VSG-Geschäftsführer Marco Schröder in einer digitalen Konferenz mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) angehört, welche Vorgaben und Hygiene-Maßnahmen für die erste Pokalrunde verlangt werden. 

Eigentlich wollte die VSG ursprünglich im Jahnsportpark antreten, aber nun entschied sich der Köpenicker Verein in Abstimmung mit dem 1. FC Köln am Mittwochmittag anders. „Grund waren die hohen organisatorischen Auflagen hinsichtlich des Hygienekonzepts mit Hygienezonen eins, zwei und drei“, sagt Schröder. „Der Aufwand, das alles jetzt in zwei Wochen zu schaffen, ist zu hoch.“ In der ersten Runde des DFB-Pokals, die am zweiten September-Wochenende ausgespielt werden soll, gelten die gleichen strengen Corona-Regeln wie in der Ersten und Zweiten Bundesliga.

Dazu kommt die Stadionmiete. Eine Belastung in einer Situation, in der niemand weiß, ob null, 100 Zuschauer oder 5000 kommen, die nach der aktuellen Lage vom Berliner Senat eigentlich zugelassen wären. Die Gefahr eines Zuschussgeschäftes wäre riesig, zumal laut DFB keine Gäste-Fans zu den Spielen kommen dürfen. Ein erneuter Lockdown ist derzeit nicht auszuschließen. „Bei null Zuschauern wäre es für uns ein absolutes Verlustgeschäft“, sagt Geschäftsführer Schröder. 

Im Vorjahr gab es für die Amateurklubs in der ersten DFB-Pokalrunde 130.500 Euro an Prämien. Mit einer ähnlichen, vermutlich sogar leicht höheren Summe kann die VSG auch in dieser Saison rechnen. „Das tut uns sehr gut. Wir arbeiten hier nicht mit Millionensummen, daher ist jeder Taler Gold wert“, sagt Schröder.

Die Mannschaft von Trainer Karsten Heine reist demnach am Tag vor der Partie mit dem Zug nach Köln. Der Termin steht noch nicht fest, da offenbar auch noch andere Amateurklubs mit ihren Pokalgegnern aus der Bundesliga verhandeln. „Außer uns tauschen sicher sechs, sieben oder auch zehn Vereine das Heimrecht“, sagt Schröder. So hat etwa Regionalligist TSV Havelse den Bundesligisten Mainz 05 um Verlegung des Heimrechts gebeten, Regionalligist Eintracht Norderstedt spielt bei Bayer Leverkusen, auch der FC Düren hat sich überlegt, sein Heimrecht an den FC Bayern abzutreten, der FC Oberneuland wird wohl im Stadion von Borussia Mönchengladbach antreten.

Horst Heldt, der Sportchef des 1. FC Köln hatte schon vor dem Finaltag der Amateure mit Altglienickes Gegner FC Viktoria über einen Tausch des Heimrechts verhandelt und sich nach dem 6:0-Sieg der VSG geärgert, dass er sich mit den Falschen ausgetauscht hatte. Jetzt muss Heldt doch keinen Flug nach Berlin planen, dafür aber Hygienezonen in der Arena in Köln-Müngersdorf einrichten. „Auch Köln wird sicher aus dem Pokalspiel nicht mit einem Plus rauskommen“, vermutet VSG-Geschäftsführer Schröder. „Aber für die sind das eher Peanuts.“

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