Nein, bei der VSG Altglienicke hebt niemand ab, obwohl die Mannschaft aus dem Südosten Berlins die bislang große Überraschung in der stark besetzten Regionalliga Nordost ist. Nach zehn Spieltagen liegt das Team von Cheftrainer Karsten Heine, 64, nach dem 5:0 über Bischofswerda am Sonntag punktgleich mit Tabellenführer Hertha BSC II und dem Dritten Lok Leipzig auf Tabellenrang zwei.

Noch nie stand die Mannschaft in der vierten Liga tabellarisch so gut da wie im Moment.  Fakt ist, dass die VSG  erfolgreichen, ansehnlichen und offensiven Fußball zeigt. „Wir spielen bisher eine sehr ordentliche Saison“, sagt Heine, der das Team erst im Sommer übernahm, „vor allem freue ich mich über die vielen guten spielerischen Leistungen.“

Altglienicke absolviert die dritte Spielzeit in der Regionalliga und war bislang stets im unteren Drittel der Tabelle zu finden. Zweimal zitterte man im Verein sogar um den Klassenerhalt. In der Vorsaison konnte man sich erst einen Spieltag vor Schluss über den Klassenerhalt freuen. Das sollte sich nun ändern, und die VSG-Macher um den ehrgeizigen Sportlichen Leiter Daniel Böhm verpflichteten in Karsten Heine einen Trainer mit großen Meriten – vor allem im Berliner Fußball, wo er einst beim 1. FC Union und bei Hertha BSC seine Spuren hinterlassen hatte. Das Saisonziel laut Böhm: „Es sollte mit einem einstelligen Tabellenplatz klappen, wir wollen uns in dieser Liga endgültig etablieren.“

Karsten Heine fördert die Jugend

Mit Heine zog auch ein Wandel in der Transferpolitik ein. Lange setzte  Altglienicke auf erfahrene Kicker, die einst höherklassig gespielt hatten, aber meist über den Zenit ihrer Karriere hinaus waren. Torsten Mattuschka, heute Heines Assistent, Björn Brunnemann, Boubacar Sanogo, Lennart Hartmann oder Chinedu Ede trugen  das VSG-Trikot. Heine, bereits der neunte Coach seit 2015, favorisiert  ein Team mit  vielen jungen Talenten: „Unsere Mischung aus aufstrebenden Spielern und auch erfahrenen Leuten ist gut.“

Zugang Berk Inaler, der aus der U19 des 1. FC Union kam, hat sich bereits einen Stammplatz erobert. „Das ist nicht die Regel für solch einen jungen Mann“, sagt Heine. „Und wir haben noch einige gute Jungs, die nachdrängen.“

Die VSG erhoffte sich gerade von den jüngeren Spielern einen größeren Erfolgshunger. „Die wollen noch nach oben“, sagt Sportchef Böhm. Der hatte nicht unbedingt mit einem Spitzenplatz nach zehn Spieltagen gerechnet. „Wichtig ist“, meint er, „dass wir  seit Wochen zahlreiche Ausfälle von Spielern nach Verletzungen gut wegstecken konnten. Auch unsere Nummer 16, 17 oder 18 ist stark. Die Geschlossenheit und Leistungsdichte ist bei uns groß.“

Der Trainer sieht eine weitere Ursache für den Aufschwung: „Wir suchen immer die gesunde Balance zwischen Offensive und Defensive. Wir wollen immer nach vorne spielen und  die Gegentore minimieren. Dabei verwischen sich unsere Spielsysteme. Wichtig ist, dass wir Konstanz in unsere Leistungen bringen.“

Benjamin Förster als Torjäger

Die VSG gehört zu den Teams, die  die meisten Tore erzielt haben. Mit acht Treffern ist Benjamin Förster, 29, der beste Schütze. „Der ist im Moment sehr gut drauf“, lobt Heine, „aber leider hat er sich eine Muskelverletzung zugezogen.“ Der Trainer kennt Förster, der 2018 von Energie Cottbus nach Altglienicke kam, aus Chemnitz. Dort war Heine einst Coach (Oktober 2013 bis März 2016), Förster schaffte schon in der Saison 2010/11 in der damaligen Regionalliga Nord 25 Treffer für den CFC.

Besonders in den Partien gegen den BFC Dynamo (4:1), beim Berliner AK (4:2) und in Babelsberg (4:0) überzeugte die VSG. Heine  ist auch stolz auf das „Team Drumherum, auf meinen Assistenten Torsten Mattuschka, meine Torwarttrainer und alle im Stab. Wir haben kurze Wege, auch zu unserem Sportchef Daniel Böhm.“

Wichtig ist, dass die Mannschaft auf der Willi-Sänger-Sportanlage in Baumschulenweg eine neue Heimat fand. Noch muss die VSG die Heimspiele im 20 Kilometer von Altglienicke entfernten Jahnsportpark ausrichten, aber der wird in der neuen Spielzeit wegen Umbaumaßnahmen gesperrt. Die Sänger-Anlage muss regionalligatauglich werden.  Böhm sagt: „Der Bauantrag ist gestellt, die Förderanträge sind fertig. Der Stadtbezirk hilft uns. Ich hoffe, dass wir in der Saison 2020/21 das Gros unserer Heimspiele in der Sänger-Anlage durchführen können.“