Berlin - Unmittelbar vor der großen Weihnachtsshow erwischte es auch Dennis Schröder. Mehr als 100 NBA-Profis befanden sich im Dezember bereits im Coronaprotokoll der US-Profiliga, ehe am ersten Feiertag der deutsche Basketball-Nationalspieler von den Boston Celtics ebenfalls aufgenommen und bei den traditionellen Christmas Games zum Zuschauen verdammt wurde. Er war dabei in bester Gesellschaft. Kevin Durant, Luka Doncic oder Trae Young waren nur einige der Ausnahmekönner, die ihren Teams coronabedingt fehlten. Auch den Berliner und Profi der Orlando Magic, Moritz Wagner, hatte es bereits erwischt. Normalerweise sind die Partien an den Weihnachtsfeiertagen ein Hochglanz-Event voller Spektakel. 2021 wurde der Glanz aufgrund der grassierenden Omikron-Variante stellenweise arg getrübt.

Denn während die Liga nicht an eine Unterbrechung denkt, sind die Teams zur Improvisation gezwungen. Gut sichtbar wird dies am Beispiel von Rekordmeister Boston: Dem Schröder-Klub fehlten alleine neun Spieler wegen Corona. Durch einige Verletzungen stand den Celtics beim 113:117 bei den Milwaukee Bucks nur ein Rumpfkader mit zwölf Akteuren zur Verfügung. „Natürlich gibt es eine gewisse Ungerechtigkeit“, räumte NBA-Boss Adam Silver ein, „aber der Vorteil ist, dass wir eine Saison mit 82 Spielen und lange Play-offs haben, und ich habe das Gefühl, dass sich die Dinge bis zum Ende der Saison klären werden.“ Die Liga setzt auf ihre hohe Impfquote (97 Prozent) und will das Boostern vorantreiben. Für eine Spielpause, bekräftigte der Commissioner vor Weihnachten bei ESPN, gebe es „keine Pläne“.

Um der Personalnot entgegenzuwirken, hatte Boston vor den Christmas Games unter anderem den mittlerweile 40 Jahre alten Joe Johnson, der einst noch gegen Michael Jordan spielte, mit einem Kurzzeitvertrag ausgestattet. Nach seinem Zwei-Minuten-Comeback gegen die Cleveland Cavaliers saß der siebenmalige Allstar in Milwaukee auf der Bank bereit – für den Notfall.

In erster Linie springen derzeit aber „No Names“ für die Klubs ein – jene Spieler, die sonst in der zweiten Reihe stehen. Spieler wie Aleem Ford. Der 24-Jährige kommt eigentlich in der G-League der Farmteams zum Einsatz, wurde von Orlando Magic aber mit einem Zehntagesvertrag ausgestattet und stand nach seinem NBA-Debüt bereits in drei weiteren Spielen auf dem Feld. Für den Forward ist das eine Chance, sportlich wie finanziell. „Ich habe festgestellt, dass ich in zehn Tagen in der NBA mehr Geld machen kann als in der gesamten Saison in der G-League“, berichtete Ford dem Wall Street Journal. Als „Omikron-All-Stars“ betitelte die Tageszeitung Aushilfskräfte wie Ford, welche die NBA derzeit am Laufen halten. Die NBA will weitere Absagen unter allen Umständen vermeiden, es herrscht Termindruck.