Schon vor Corona setzten die Waldhof-Fans auf Masken.
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MannheimWie hitzig die Klubvertreter der Dritten Fußballliga über einen Saisonabbruch oder die Fortsetzung mit Geisterspielen debattieren, bekam Markus Kompp am Sonnabend noch einmal zu spüren. Der Geschäftsführer hatte den Todesfall des Vater eines Spielers des SV Waldhof Mannheim öffentlich gemacht, um zu verdeutlichen, warum sich die Mannheimer für einen Abbruch ausgesprochen haben, als ihm von einem Verantwortlichen eines Konkurrenten vorgeworfen wurde, den tragischen Fall für eigene Zwecke zu instrumentalisieren. „Das ist eine Frechheit“, sagte Kompp. 

Montagnachmittag ab 15 Uhr versuchen die 20 Drittligisten und Vertreter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bei einer Telefonkonferenz, eine gemeinsame Linie zu finden. Aber der nächste Streit ist programmiert. „Dies ist der entscheidende Grund, warum wir beim SV Waldhof Mannheim bereits seit Beginn an, bereits vor der Entscheidung die Saison vorerst auszusetzen, für einen sofortigen Saisonabbruch argumentieren und die sofortige Prüfung des Saisonabbruchs verlangt haben“, schreibt Kompp in einer E-Mail an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die übrigen Drittligisten.

Bereits Ende März war der Vater eines Waldhof-Spielers an Covid 19 gestorben. Zunächst sollte der tragische Fall nicht öffentlich gemacht werden. Jetzt entschied der Klub in Rücksprache mit dem betroffenen Akteur, den Todesfall bekannt zu machen, um nachvollziehbar zu machen, warum der SVW keine weiteren Spiele mehr austragen möchte. Weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass es bei Geisterspielen zu weiteren Infektionen und möglicherweise zu Todesfällen kommen kann, wehren sich die Waldhöfer gegen die Fortsetzung der Saison.

Die Mannheimer könnten von einem Abbruch profitieren, weil sie als Tabellenzweiter in die Zweite Bundesliga aufsteigen würden, wenn sich die Klubs darauf verständigen, dass die Spielzeit nicht fortgesetzt wird. Darum wird intern gestritten, denn eine Allianz aus sieben Vereinen hat sich öffentlich für eine Fortsetzung ausgesprochen. Dabei handelt es sich um die Teams, die unmittelbar hinter dem SV Waldhof platziert sind und Chancen haben, die Mannheimer noch abzufangen. Der SVW gehört hingegen zu acht Vereinen, die sich öffentlich für einen Abbruch ausgesprochen haben. Neben dem Tabellenzweiten sind das Klubs, die gegen den Abstieg kämpfen.

Der DFB unterstützt die Idee, die Saison analog zu den Bundesligen mit Geisterspielen zu beenden – und hat sich in den vergangenen Tagen den Zorn vieler Klubs zugezogen. Am Donnerstag gab Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL), eine Solidarzahlung der Champions-League-Teilnehmer an die Dritte Liga sowie die Frauen-Bundesliga bekannt. 7,5 Millionen Euro sollen insgesamt an die Vereine fließen, die keine Profiabteilung in der Bundesliga haben, das entspricht 300 000 pro Drittliga-Klub. „Diese Unterstützungszahlung ist an keine weitere Bedingung geknüpft“, erklärte Seifert.

Angesichts der finanziellen Schwierigkeiten vieler Klubs ein wichtiger Beitrag zur Stabilisierung. Der für die Dritte Liga zuständige DFB hat andere Pläne, denn er deutete in einem internen Papier an die Vereine an, dass von den 300 000 Euro die zu erwartenden Kosten für Corona-Tests und Hygienemaßnahmen bei der Saisonfortsetzung zu begleichen sind. Der Verband kündigte am Freitag gegenüber den Drittligisten eine Mitteilung an, in der die 300 000 Euro als „zweckgebunden“ bezeichnet werden, zog sie kurz vor der Veröffentlichung aber zurück.

Offensichtlich scheuten die Verantwortlichen beim DFB den zu erwartenden Diskurs, nachdem in den Tagen zuvor mehrere Versuche gescheitert waren, die Vertreter der Klubs von öffentlichen Stellungnahmen abzuhalten. Zu viele hielten sich nicht an die Empfehlung der Zurückhaltung und empfanden die Aufforderung des Verbandes als Maulkorb. Die Fronten sind – soviel ist sicher – verhärtet.