Berlin - Der Ostersonntag erinnerte an so viele Spiele zwischen den Eisbären und dem EHC Red Bull München in den letzten Jahren: Den Eisbären konnte man nicht absprechen, dass sie sich im Duell mit diesem so besonderen Gegner Großes vorgenommen hatten. Sie gingen durch Leo Pföderls 20. Saisontreffer auch verdient in Führung, doch am Ende stand in der wichtigsten Statistik des Tages ein eindeutiger Wert: Mit 1:4 unterlagen die Berliner einer Mannschaft, die im Süden zwar klar von den Adler Mannheim überflügelt wurde, aber eben nach wie vor ein extrem unangenehmer Gegner ist.

Eisbären sehnen sich nach einer Revanche am Dienstag

Die Mannschaft des ehemaligen Berliner Cheftrainers Don Jackson, dem der einstige EHC-Torjäger Steve Walker assistiert, ist darauf ausgerichtet, die kleinsten Unachtsamkeiten konsequent zu verwerten. „Wir wussten selbst, dass München eiskalt vor dem Tor ist. Wenn wir unsere Chancen nicht nutzen, dann tun sie es – und so war es leider“, sagte Angreifer Nino Kinder.

Und die Eisbären, nach wie vor überlegener Spitzenreiter der Nordgruppe, leisteten sich in den Anfangsminuten des zweiten Drittels grobe Nachlässigkeiten, die innerhalb von 55 Sekunden zu zwei letztlich entscheidenden Gegentoren führten. „Das hat uns ein bisschen runtergezogen. Und so eine Mannschaft wie München vollendet das dann natürlich über sechzig Minuten“, ergänzte Kinder.

Um die richtigen Reaktionen auf die Niederlage abzuliefern, gibt es zunächst eine sehr kurzfristige Perspektive. Bereits am Dienstagabend sind die Münchner zu Gast in Berlin (18.30 Uhr, Magentasport), ehe tags darauf gleich das nächste Heimspiel gegen die Schwenninger Wild Wings ansteht. „Das ist das Gute am Terminkalender. Alles ändert sich schnell, und wir bekommen die Chance, es wieder gutzumachen“, sagte Verteidiger John Ramage. Auch gegen den ERC Ingolstadt, wo die Eisbären mit 3:4 die erste Niederlage im Süden kassierten, glückte die Revanche mit einem anschließenden 1:0. Abwehrspieler Simon Després gab sich entsprechend kämpferisch. „Das Schöne ist, dass wir im nächsten Spiel wieder auf sie treffen“, sagte der Kanadier bei Magentasport. „Ich hoffe, sie sind bereit für uns, denn wir werden kommen.“

Allerdings gibt es für die Eisbären doch gehörigen Verbesserungsbedarf. Denn nicht nur die schläfrige Phase zu Beginn des zweiten Drittels besiegelt die Niederlage. Die Eisbären fanden auch anschließend keine Mittel, um die Gastgeber noch mal ernsthaft unter Druck zu setzen. „Es ist jetzt die Aufgabe der Trainer herauszufinden, was wir anders machen müssen – und unsere, das dann umzusetzen und am Dienstag zu gewinnen“, sagte Ramage und verwies auf die Probleme der Eisbären, sich dem starken Forecheck der Münchener zu entziehen. „Wir hätten definitiv die Scheiben besser herausspielen und uns in der Verteidigungszone mehr unterstützen können“, erläuterte der 30-Jährige weiter.

München könnte Gegner im Halbfinale werden

Was auf die langfristige Perspektive hinführt. Sollten die Eisbären im Play-off-Viertelfinale den bisherigen Trend der Nordgruppe bestätigen, dürfte der Gegner im Halbfinale um die Meisterschaft wieder München heißen. Die Erfahrungen aus den Jahren vor der abgebrochenen Saison 2019/2020 lassen hier nichts Gutes erahnen. 2017 unterlagen die Eisbären mit 1:4 im Halbfinale, ein Jahr später schlitterten sie mit 3:4 knapp am achten Titel vorbei, 2019 folgte dann das Aus im Viertelfinale (2:4).

Der Vergleich mit früheren Jahren hinkt natürlich, weil die Eisbären seit vergangener Saison bekanntlich von Serge Aubin trainiert werden und sich das EHC-Team ganz wesentlich verändert hat. Dass die Chemie im aktuellen Kader stimmig ist, haben die Berliner schon oft genug bewiesen. Allerdings war die Niederlage am Ostersonntag ein Warnschuss. Daran gilt es nicht nur für Dienstag, sondern für einen erfolgreichen Saisonverlauf zu arbeiten.