An  Auftritten knapp bekleideter, weiblicher Cheerleader scheiden sich die Geister. Sind es  sexy   Pausenfüller mit Puscheln oder ernstzunehmende Sportlerinnen, die auf großer Bühne die Ergebnisse harten Trainings zeigen. Bei Alba Berlin hat man sich festgelegt. Nach 25 Jahren verzichtet der Basketball-Bundesligist mit Beginn der neuen Saison auf seine Cheerleader, die Alba Dancers.

Der Verein sei „zu der Überzeugung gekommen, dass das Auftreten junger Frauen als attraktive Pausenfüller bei Sportevents nicht mehr in unsere Zeit passt“, so Albas Geschäftsführer Marco Baldi auf der Webseite des Clubs. Bei den Heimspielen sei der Eindruck entstanden, „dass Frauen bei Alba vor allem für die tanzende Pausenunterhaltung zuständig sind, während Männer Basketball spielen“, meinte Baldi.

Die Realität im Verein sei eine andere. „Mit unserem breiten Jugendprogramm sind wir ein wichtiger Sozialakteur geworden, der Mädchen und Jungen gleichermaßen für unseren Sport begeistert“, sagte er. „Wir wollen zukünftig noch stärker fördern, dass Frauen im Basketball als Spielerinnen sichtbar und zu Vorbildern werden.“

Der Tanz-Nachwuchs wird weiter gefördert

Die erste Frauenmannschaft bei Alba Berlin spielt seit dem vergangenen Jahr in der zweiten Liga. Tanzende Geschlechtsgenossinnen in den Pausen passen dazu aus Sicht des Vereins nicht  mehr. Die Abteilung für Cheerleading, welche an Meisterschaften teilnimmt, bleibe  aber bestehen, so Alba-Sprecher Justus Strauven. Den Cheerleader-Nachwuchs zwischen fünf und 16 Jahren will Alba weiter fördern. Die Albaminis treten aber nicht mehr bei Spielen in der Mercedes-Benz-Arena auf, sondern nur noch zu Wettkämpfen an.

Das Aus für die Pausen-Cheerleader kommt  nicht  überraschend. „Die Entscheidung, die Alba Dancers aus dem Programm zu nehmen, war ein langer Prozess, in den ich mit einbezogen war“, sagt Valeska Trainerin Stix. „Ich kann verstehen, wenn man sich umorientieren möchte“, so Stix. „Aber die Begründung finde ich persönlich falsch.“

Schon länger wird in der Sportwelt diskutiert, wie zeitgemäß Auftritte knapp bekleideter Frauen noch sind. In der Formel 1 wurden  2018  die Grid Girls abgeschafft. Auch der Einsatz von Nummerngirls bei Kampfsportveranstaltungen ist umstritten.

Verband begrüßt Entscheidung

Doch Cheerleading muss man differenzierter betrachten. Vor drei Jahren hat das Internationale Olympische Komitee Cheerleading offiziell als Sportart anerkannt. „Heute betreibt der größte Teil der Cheerleader-Mannschaften den Sport unabhängig von anderen“, sagt Viktoria Pohl vom Berliner Verein Giants Cheerleader e.V.. 

Dennoch: in den sozialen Netzwerken wird weiter diskutiert: „Tanzen im Allgemeinen und Cheerleading im Besonderen ist harte Arbeit und  anspruchsvoller Sport. Dass dieser Sport einen Show-Aspekt hat, der sich  auch in Ästhetik und körperlicher Attraktivität ausdrückt, macht ihn nicht zu einem weniger ernstzunehmenden Sport als Basketball“, schreibt ein User.  Aber auch Glückwünsche finden sich: „Danke für die konsequente Entscheidung. Die Tänzerinnen sind tolle Sportlerinnen, vor deren Können ich mich tief verneige. Aber die Botschaft dieser Auftritte war im Gegensatz zu den Protagonistinnen von vorgestern.“

Auch Albas Geschäftsführer würdigte die Dancers: „Die Alba Dancers haben in den letzten 25 Jahren Tolles geleistet. Es ist uns bewusst, dass nicht wenige Fans sie  vermissen werden.“  Das Team hat sich mittlerweile aufgelöst.

Füchse halten an Cheerleadern fest

Unterdessen teilten die Füchse Berlin mit, dass sie ihre Cheerleading-Team Dance Deluxe weiter in Spielpausen der Handballer auftreten lassen. Die Gruppe ist beim TSV Rudow beheimatet und bestreitet das Rahmenprogramm in der Max-Schmeling-Halle.

Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning meinte: „Wir freuen uns, dass wir den Cheerdancerinnen von Dance Deluxe mit unseren Fans eine tolle Plattform bieten können. Für uns ist Cheerdance ein ernsthafter und ernstzunehmender Sport. Die Damen nehmen an Welt- und Europameisterschaften teil und haben hier bei den Füchsen die Möglichkeit sich darauf vorzubereiten und ihre Choreografien zu üben."