Was haben Ante Covic, Sandro Schwarz und André Breitenreiter gemeinsam? Das Trio drückte einst zusammen die Schulbank beim 59. Trainerlehrgang des DFB. Vor sechs Jahren schafften allesamt die offizielle Befähigung, auch Profiteams trainieren zu dürfen. Schwarz arbeitet inzwischen in Mainz, Breitenreiter durfte sich auf Schalke und in Hannover als Chefcoach versuchen. Und Ante Covic, der 43 Jahre alte in Berlin geborene Kroate? Der ist auf dem Weg in die Beletage des deutschen Fußballs zu sein – bei seinem Heimatklub Hertha BSC.

Ante Covic wird wie erwartet Cheftrainer des Bundesligisten Hertha BSC. Der 43-Jährige übernimmt im Sommer das Amt von Pal Dardai, der nach viereinhalb Jahren eine Auszeit nimmt. Sein Vertrag ist unbefristet, sich aber von Jahr zu Jahr verlängern.

Neben Covic waren auch externe Trainer im Gespräch. Gerüchten zufolge soll Manager Michael Preetz Interesse an David Wagner (47/geht zu Schalke), André Villas-Boas (41/vereinslos, früher Porto, Chelsea, Tottenham), Tim Walter (43/Kiel) und Achim Beierlorzer (51/Regensburg) gezeigt haben. Zuletzt waren noch zwei externe Kandidaten im Rennen. Bei ihnen soll sich es nicht um große Namen gehandelt haben.

Geteilte Meinungen

Dass der ehemalige Flügelstürmer Covic, der als Spieler einst mit seinem Mut und seiner Emotionalität auf dem Platz durchaus begeistern konnte, auf der Agenda von Preetz stand, erscheint überraschend. Denn nach der verkündeten Trennung von Dardai zum Saisonende hieß es stets, Hertha strebe eine sogenannte große Lösung an. Von einem unverbrauchten, aber dennoch schon erfahrenen und erfolgreichen Trainer war die Rede, von einem Fußballlehrer, der begeistern kann, einem klugen Taktiker, der die talentierte Mannschaft endlich ins obere Drittel der Liga führen soll. Dabei galt es lange als ausgemacht, dass ein Externer von außen kommen und eine neue Aufbruchstimmung entfachen sollte. Offenbar handelte sich Hertha Absagen ein.

Ist dafür nun die Berliner Lösung Ante Covic die richtige? Die Meinungen in den Gremien und unter den Fans fielen in dieser Frage unterschiedlich aus – sie schwankten zwischen großer Zustimmung und einiger Skepsis.

Auf dem Zettel, aber nicht als Nummer eins

Covic stand schon immer auf dem Zettel des Managers, aber sicherlich nicht als Nummer eins. Wie zu erfahren war, hätte man gern einen Typ wie Marco Rose von RB Salzburg geholt, doch bei diesem heftig umworbenen Coach besaß Hertha kaum Chancen. Rose übernimmt zum Sommer Borussia Mönchengladbach. Hoch gehandelte Kandidaten wie David Wagner, der bei Schalke 04 unterschreiben könnte, waren für Hertha auch zu teuer. Dass Preetz auch Jürgen Klinsmann kontaktierte, gilt als sicher – trotz aller Dementis beider Seiten.

Nun also Covic. Der stets freundliche ehemalige Profi kann bei Hertha keine so großen Meriten als Spieler aufweisen wie etwa Dardai, mit dem er noch drei Jahre zusammenspielte. Dardai ist mit 286 Bundesligaspielen der Rekordmann bei Hertha. Covic kommt auf 44 Bundesligaeinsätze für Hertha und stand zweimal in jener Mannschaft, die 1999/2000 in der Champions League ein bislang einmaliges Gastspiel gab – beim 1:3 in Barcelona und beim 0:1 gegen Porto. Aber Ante Covic spielte bei drei sehr wichtigen Ereignissen der jüngeren Vereinsgeschichte eine wichtige Rolle. 1996/97 gehörte er zu den sieben Zugängen, die mit Trainer Jürgen Röber nach Jahren der Tristesse den Aufstieg in die Bundesliga schaffen sollten. Covic kam damals vom 1. FC Nürnberg, zu den anderen Neulingen zählten Axel Kruse (vom VfB Stuttgart) und ein gewisser Michael Preetz (Wattenscheid 09).

Covic, der Teenie-Schwarm

Im April 1997 stürmte Covic neben Kruse und Preetz vor 75.000 Zuschauern beim 2:0 gegen Kaiserslautern – ein euphorisches Spiel, das als Türöffner für den Aufstieg gilt und Fußball-Berlin begeisterte. Beim 2:1 in Unterhaching im Mai 1997, das endgültig den Aufstieg brachte, schossen Covic und der von St. Pauli gekommene Michel Dinzey die Tore. Und im ersten Bundesligaspiel nach dem Aufstieg, einem 1:1 gegen Borussia Dortmund im August 1997, schaffte Covic, Hoffnungsträger und Teenie-Schwarm, den ersten Treffer für Hertha und wurde lange gefeiert.

Covic als Trainer ist ein akribischer Arbeiter und gilt als feinfühliger Moderator an der Schnittstelle vom Amateur- zum Profibereich. Das hat er in den zurückliegenden Jahren im Nachwuchsbereich bewiesen – als Trainer und als Karrierecoach, der die besten Talente berät und auf dem Weg nach oben Orientierung gibt. So war es bei den jetzigen Profis Maximilian Mittelstädt, Jordan Torunarigha, Arne Maier und Palko Dardai. Unter schwierigen Bedingungen, weil er immer wieder mit wechselndem Personal arbeiten muss, hat Covic zudem die U23 in der Regionalliga in dieser Saison beinahe zu einem Aufstiegskandidaten gemacht.

Auf den ersten Blick ist ein Cheftrainer Covic wohl eine kleinere Lösung, die nicht sofort Euphorie entfachen wird. Dennoch ist der offene Typ beim Anhang durchaus beliebt. Bevor die Entscheidung für Covic an diesem Sonntag offiziell wurde, hatte Jürgen Röber, der Covic einst in die Hauptstadt lotste, gesagt: „Er hat mit seiner Arbeit schon einiges für den Verein geleistet. Er ist ein positiv Verrückter. Also, warum nicht?“