Symbolbild.
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BerlinWenn die Deutsche Fußball-Liga (DFL) am Montag verkündet, wer ab der Saison 2021/22 die Spiele der Fußball-Bundesliga übertragen wird, könnte es eine Überraschung geben. Zuletzt galt stets die Pay-TV-Plattform Sky als großer Favorit der Rechtevergabe. Doch dieses Jahr ist alles anders. Die Plattform hat gleich drei finanziell potente Wettbewerber. Sky steht erheblich unter Druck:  Streaming-Dienste wie Netflix, Amazon Prime Video, Disney+ und DAZN machen dem Pay-TV-Anbieter das Leben schwer. In Deutschland wächst er praktisch nicht mehr. Zuletzt gab es einen Personalabbau.

Mit DAZN und Amazon bewerben sich aller Wahrscheinlichkeit nach zwei der neuen Sky-Wettbewerber um die Bundesliga-Rechte. Die beiden übertragen bisher die Freitags-, Montags- und Relegationsspiele der Liga. Es ist davon auszugehen, dass sie Lust auf mehr haben. Die Sport-Plattform DAZN gehört dem US-Milliardär Len Blavatnik, dessen Taschen tief sind. Allerdings verlor sie wegen ihres monatlichen Kündigungsrechts auf dem Höhepunkt des coronabedingten Lockdowns, als es weltweit keinen Sport gab, viele Abonnenten. Wie schwer sie das getroffen hat, ist unklar.

Anders sieht es bei Amazon aus. Das ohnehin finanzstarke Online-Kaufhaus gilt als der große Profiteur der Covid-19-Krise. Sein Dienst Prime Video ist eigentlich Teil eines Service-Pakets, das neben einer schnelleren Lieferung, ein kostenloses Musik- und ein ebensolches Videoangebot einschließlich Bundesliga-Übertragungen umfasst. In Deutschland nutzen es mehrere Millionen Kunden. Dass es auch wegen seines Preises von monatlich 7,99 Euro von vielen gar nicht als Bezahlfernsehen wahrgenommen wird, soll der DFL gefallen. Wenn Amazon nur ein halbwegs konkurrenzfähiges Angebot abgibt, dürfte der US-Konzern Favorit der Rechtevergabe sein.

Und dann ist da noch die Deutsche Telekom. Ihr Pay-TV-Sender Magenta TV lässt sich bisher mit dem Sport-Kompakt-Paket von Sky beliefern, das neben der Bundesliga-Konferenz auch Ausschnitte von Spielen der Champions League enthält. Da Sky aber die Rechte an der europäischen Königsklasse verloren hat, wird es das Angebot in dieser Form künftig nicht mehr geben. Dies könnte die Telekom dazu bewegen, direkt Rechte an Bundesliga-Spielen zu erwerben. Wie groß sein Interesse am Fußball ist, stellte der einstige Staatsmonopolist mit dem Erwerb der Übertragungsrechte an der EM 2024 bereits unter Beweis.

Für Sky geht es ums Ganze. Die Bundesliga ist für die Pay-TV-Plattform von enormer Bedeutung. Für ihr bisheriges Rechte-Paket zahlt sie pro Saison eine Milliarde Euro. Auch diesmal dürfte sie mit ihrem Angebot an die Schmerzgrenze gehen. In Branchenkreisen heißt es, dass es bereits einen Plan B gebe, der in Kraft tritt, sollte Sky nicht zum Zuge kommen: In diesem Fall werde der TV-Konzern seine Aktivitäten in Deutschland erheblich reduzieren. Sky dementiert dies. Doch auch ohne einen Plan B liegt es auf der Hand, dass die Plattform sich ohne nennenswerte Bundesliga-Rechte hierzulande neu erfinden müsste.