Köln-Stürmer Jhon Cordoba schoss im Februar zwei Tore gegen Hertha und soll schon bald Blau-Weiß tragen.
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BerlinBruno Labbadia hat in seiner Karriere schon allerhand Kurioses erlebt. 328-mal stand der ehemalige Torjäger in der Bundesliga auf dem Platz, als Trainer trug der 54-Jährige am vergangenen Freitagabend sogar bereits zum 457. Mal die Verantwortung. Herthas Pokal-Aus in der ersten Runde bei Zweitliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig ließ den Cheftrainer dennoch sprachlos zurück. „So ein Spiel habe ich selten erlebt“, sagte Labbadia ungläubig nach einer Achterbahnfahrt, an deren Ende die Berliner auf dramatische Weise mit 4:5 (2:3) verloren.

Tatsächlich zeigte Hertha in der Offensive viel vom Labbadia-Fußball, der die Berliner nach der Corona-Zwangspause schnell von allen Abstiegssorgen befreite. Mit ansehnlichen Kombinationen erspielten sich die Blau-Weißen reihenweise Chancen und erzielten ja auch vier Auswärtstreffer. Dass der Klub dennoch am Ende das erste Erstrunden-Aus seit 2012 zu verkraften hat, lag vor allem daran, dass Labbadias Spieler „so viele individuelle Fehler gemacht haben, die man nicht kompensieren kann“. Bereits nach 63 Sekunden musste die neue Nummer eins, Alexander Schwolow, hinter sich greifen. Eine Viertelstunde später stand es durch ein Eigentor von Maximilian Mittelstädt 0:2. „Das waren teilweise Slapstick-Gegentore. Das ist schwer zu erklären,“ ärgerte sich Labbadia über insgesamt vier der fünf Gegentore, bei denen seine beiden Innenverteidiger Nikas Stark und Karim Rekik kräftig mithalfen.

Für Hertha und die ehrgeizigen Ziele von 374-Millionen-Investor Lars Windhorst ist das Pokal-Aus ein echter Dämpfer. Der Wettbewerb ist nun mal bekanntlich der schnellste Weg nach Europa und zu einem Titel. Zwar betonte Labbadia bereits während der holprigen Vorbereitung stets, dass seine Arbeit mittelfristig ausgelegt sei und sich sein Kader im Umbruch befinde. Doch auch der Hesse hätte sich nach mehr als 150 Tagen im Amt sicherlich gewünscht, schon einen Schritt weiter zu sein. Schließlich hatte er ja den Job entgegen seiner neuen Prinzipien extra während der Saison angenommen, um die Corona-Pause zu nutzen.

Doch so paradox es nach einer Niederlage bei einem Zweitliga-Aufsteiger klingen mag: Der Auftritt kann den Berlinern durchaus Mut machen, den kompletten Fehlstart zu vermeiden und positiv dem ersten Spieltag am Sonnabend bei Werder Bremen entgegenzublicken. Denn neben der teils vogelwilden Defensive gab es Lichtblicke. So bewies der von Olympique Lyon verpflichtete Lucas Tousart, dass er Herthas Spiel im Mittelfeld seinen Stempel aufdrücken kann. Die Offensivkräfte Dodi Lukebakio (zwei Tore) und allen voran der spielfreudige Matheus Cunha (ein Tor, zwei Vorlagen) zeigten eindrucksvoll, wie viel individuelle Qualität Hertha mittlerweile besitzt. „Im Spiel nach vorne kann man es nicht viel besser machen“, lobte Labbadia und forderte: „Wir müssen gegen Werder genau so weiter nach vorne spielen. Und unser Tor konsequenter und besser verteidigen.“

Hoffnung macht ihm dabei die Rückkehr einiger Spieler, allem voran die von Jordan Torunarigha. Der Innenverteidiger, unter Lababdia bisher gesetzt, fehlte in Niedersachsen wegen einer Sperre aus dem Vorjahr und wird in Bremen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Rekik verdrängen. Da die Achillessehne Abwehrchef Dedryck Boyata weiterhin darin hindert, voll ins Training einzusteigen, dürfte Stark erneut eine Chance bekommen.

Und auch im Angriff darf sich Labbadia schon bald über noch mehr Qualität freuen. Nicht nur, weil Polens Krzysztof Piątek nach seiner Reise mit dem Nationalteam ins Corona-Risikogebiet Bosnien-Herzegowina seine fünftägige Quarantäne verlassen durfte. Vielmehr steht Hertha unmittelbar vor der Verpflichtung von Kölns Stürmer Jhon Cordoba. Der physisch starke Kolumbianer, der vergangene Saison zwei seiner 13 Treffer in der Liga gegen Hertha erzielte, kam bereits beim 6:0-Pokalsieg gegen die VSG Altglienicke nicht mehr zum Einsatz und könnte nach wochenlangem Tauziehen für rund 15 Millionen Euro in die Hauptstadt wechseln.

Zäh war der Poker um Cordoba vor allem, weil Köln erst Ersatz für den 27-Jährigen finden wollte. Ein Kandidat soll dabei Unions Sebastian Andersson sein, für den die Eisernen ihrerseits rund sechs Millionen Euro fordern. Tritt der Domino-Effekt ein, landet kurioserweise ein Teil der Windhorst-Millionen in Köpenick. Allerdings wohl nur kurzzeitig: Als Andersson-Ersatz werden an der Wuhle Karlsruhes Philipp Hofmann und Bochums Silvère Ganvoula gehandelt.