Berlin - Wer in den vergangenen Wochen ein aufmerksamer Beobachter der Regionalliga Nordost war, dem dürfte nicht verborgen geblieben sein, dass es dem Spitzenreiter BFC Dynamo ein bisschen derzeit so ergeht wie in dem berühmten Lied der Düsseldorfer Punkrockband Die Toten Hosen mit ihren „10 kleinen Jägermeistern“. Es werden immer weniger! Der Vorsprung in der Tabelle schrumpfte von komfortablen fünf Zählern auf achtbare drei und schnurrte dann auf ein Pünktchen zusammen. Wenigstens dieser Minimal-Abstand soll mit einem Sieg am Freitag über Optik Rathenow (19 Uhr, Sportforum) gewahrt werden.

Leichter gesagt als getan, auch wenn Dynamo als Favorit in die Partie geht. Denn der Punktestand entwickelte sich analog zum Personalbestand bei Weinrot-Weiß. Auch da wurden es von Woche zu Woche immer weniger. Der jüngste Ausfall war der von Kapitän Andreas Pollasch, der bei der 2:3-Pleite im Landespokal bei Berlinligist Füchse Berlin passen musste. Zuvor fehlten BFC-Trainer Christian Benbennek schon Matthias Steinborn, Niklas Brandt, Philip Schulz, Max Klump und Marvin Kleihs. Den Verlust eines halben Dutzend Stammkräfte steckt kein Klub so einfach weg. „Es ist brutal. Das Spiel ist ganz wichtig, danach haben wir mal 14 Tage Zeit, um Luft zu holen“, so Benbennek.

Nur Qualität hilft Dynamo weiter, keine Zählmasse

Natürlich ist dieses Dilemma der Vereinsspitze um Peter Meyer und Norbert Uhlig nicht verborgen geblieben. Man möchte seine gute Ausgangsposition nicht leichtfertig verspielen. Händeringend wird nach Verstärkungen gefahndet. Aber: Das Transferfenster ist seit Ende August geschlossen. Damit können nur noch arbeitslose Spieler unter Vertrag genommen werden, was wiederum Probleme beinhaltet. Auf der einen Seite gibt es Gründe, warum diese Spieler ohne Verein dastehen. Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten dieser Kicker sich nur individuell fit halten konnten, seit Wochen keinen Ball getreten haben. Das ist nicht gerade ideal für die benötigte Soforthilfe.

Überzogene Forderungen von arbeitslosen Profis

Andererseits brauchen die Dynamos Qualität, die nach dem Ende der Transferperiode nicht so auf Bäumen wächst. Reine Zählmasse hilft nicht weiter. Schließlich kommen die Langzeitverletzten in der zweiten Halbserie ja zurück. Ad-hoc-Verpflichtungen ohne entsprechende Substanz könnten dann zu Kostgängern mutieren. 

Zudem werden die Dynamos bei ihren seit Wochen laufenden Gesprächen mit überzogenen Forderungen konfrontiert. Im Poker um den jüngsten BAK-Zugang Jürgen Gjasula stieg der BFC aus. Der 35-Jährige hat zwar seinen im März erlittenen Meniskuseinriss auskuriert, doch gegenüber Dynamo überraschte der Albaner mit Forderungen nach einem Anschlussvertrag über den Sommer 2022 hinaus. Dann wäre er bereits 36! Alles nicht so einfach.