Petri Vehanen braucht dringend eine Abkühlung. Temperaturen um die 30 Grad sind für den Torhüter der Eisbären Berlin noch immer eine Herausforderung. In einem kleinen Café am Boxhagener Platz in Friedrichshain gönnt er sich einen Smoothie mit Spinat, Name: Energy Boost. So lässt sich der heiße Frühsommer gut aushalten. „Ich liebe diese Gegend von Berlin“, schwärmt er. „Es macht so viel Spaß, hier auszugehen, die Auswahl an Restaurants und Kneipen ist wirklich einzigartig.“

Richer: Oberste Priorität

Nach drei Spielzeiten für die Eisbären ist Vehanen mit seiner Familie sehr heimisch geworden in Berlin. „Wir können uns nur schwer vorstellen, hier wieder wegzugehen.“ Dennoch steht nicht endgültig fest, ob der 39-Jährige auch in der kommenden Saison im Tor des DEL-Rekordchampions steht. 

Der Verein möchte ihn unbedingt halten. Sportdirektor Stéphane Richer sagt zur Kaderplanung: „Oberste Priorität hat die Weiterverpflichtung unseres finnischen Weltklasse-Goalies.“ Vehanen sagt: „Die Chancen stehen bei 50:50. Ich werde nur weitermachen, wenn ich im Sommercamp das Gefühl habe, dass mein Körper das mitmacht und ich immer noch Top-Leistungen abrufen kann.“ Neben dem Trainer trage der Torwart schließlich die größte Verantwortung im Team.

Leidenschaft entfacht

Mit den Eisbären hat sein Zögern also weniger zu tun. „Die Fans hier sind großartig, die Arena ist mein Lieblingsort in Berlin.“ In den Playoffs wurde die Leidenschaft für diesen Arbeitgeber sogar noch mal neu entfacht. „Während der Hauptrunde war ich überzeugt, dass ich nach der letzten Saison aufhöre“, gesteht Vehanen. Es ist nicht der Anspruch eines Weltmeisters und KHL-Champions, ständig den Puck aus dem Netz zu fischen.

Aber dann kam das epische Viertelfinale gegen die Adler Mannheim, in dem sich die Eisbären in sieben Spielen durchsetzten. „Das war eine der besten Playoff-Serien, die ich in meiner Karriere erleben durfte.“ Nie fühlte er sich so gut, seitdem er das Bären-Trikot trägt.

Schweinehund besiegen

Doch das ist schon lange her. Jetzt geht es darum, den Körper neu in Schwung zu bringen. Nachdem er seine Töchter Emmi und Kaisa morgens in die Schule gebracht hat, fährt er nach Höhenschönhausen, um im Wellblechpalast mit den Kollegen zu trainieren. In dieser Phase der Vorbereitung ist der Tummelplatz der Kraftraum.

Die Überwindung, nach so vielen Jahren Profisport wieder mit den Grundlagen zu beginnen, fällt Vehanen von Jahr zu Jahr schwerer. „Man muss einfach mehr arbeiten, um das gleiche Niveau wieder zu erreichen.“ Ehrfürchtig blickt er auf die Karriere von seinem ehemaligen Torwartkollegen Dominik Hasek zurück, der im Alter von 46 seine Karriere beendete. „Er hat nicht viel anders gemacht. Aber so lange halte ich nicht durch.“

Vor allem gilt es, den Schweinehund im Kopf zu überwinden. „Wenn du den besiegt hast, bist du auch wieder motiviert und kannst dich wieder richtig quälen.“ Bei Temperaturen von über 30 Grad kann man sich wahrlich Schöneres vorstellen. Aber wenn jemand im Eisbären-Team bislang durch außergewöhnlichen Ehrgeiz aufgefallen ist, dann war es Vehanen.