Dodi Lukebakio zeigt sein Können und trifft per Fallrückzieher zum 1:2.
Foto: Bernd König

BerlinWer nur hinhörte, hätte meinen können, dass Hertha BSC das Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim gewonnen hat. Lautstark und mit Sprechchören honorierte die Ostkurve, in der die treusten blau-weißen Fans im Olympiastadion stehen, die Leistung ihres Teams nach der 2:3 (0:2)-Niederlage. Zum einen quittierten die Anhänger die kämpferische Leistung ihrer Mannschaft, die sich nach einem 0:2-Pausenrückstand nicht von ihrem Weg hatte abbringen lassen und mit einem sehenswerten Fallrückzieher von Dodi Lukebakio eine spektakuläre, letztlich aber erfolglose Aufholjagd einleitete. Zum anderen war der Zuspruch auch ein symbolischer Schulterschluss der Fans mit ihrer Elf vor zwei besonderen Spielen in dieser Woche.

Die Botschaft schien jedenfalls bei den Spielern angekommen zu sein. „Wir haben das Mini-Derby am Mittwoch und das Derby am Wochenende. Für die Fans ist es eine großartige Woche – wenn wir gewinnen“, sagte Salomon Kalou vor der zweiten Runde im Pokal gegen Zweitligist Dynamo Dresden und dem Derby beim 1. FC Union am Sonnabend. „Wir wissen, wie viel dieses Spiel den Fans bedeutet. Wenn wir zeigen wollen, dass es in Berlin nur ein Team gibt, müssen wir bereit für das Wochenende sein.“

Mehr Qualität im Angriff

Es mag vielleicht auch an den beiden unmittelbar anstehenden Aufgaben liegen, dass die Enttäuschung der Profis darüber, wieder einmal ein Schlüsselspiel nicht gewonnen zu haben und im Tabellenmittelfeld steckengeblieben zu sein, sich in Grenzen hielt. Gleichzeitig dürfte aber auch die eigene Leistung dafür verantwortlich gewesen sein. Denn anders als in den Vorjahren, in denen Hertha regelmäßig zum großen Sprung ansetzte und die Grenzen aufgezeigt bekam, waren die Berliner diesmal alles andere als chancenlos. Allein in den ersten zehn Minuten wirbelten die Blau-Weißen mit dem Selbstvertrauen von vier ungeschlagenen Spielen die sonst so kompakt stehenden Hoffenheimer ordentlich durcheinander. Erst verpasste Marius Wolf eine Hereingabe von Karim Rekik nur um Zentimeter, bevor Kapitän Vedad Ibisevic den Ball aus dem Fünfmeterraum an den Pfosten bugsierte. „Es war ein verrücktes Spiel“, resümierte entsprechend Hoffenheims Trainer Alfred Schreuder. „Wir sind ein sehr glücklicher Sieger.“

Das lag vor allem daran, dass Hertha sich bei allen drei Gegentoren individuelle Fehler leistete. Beim 0:1 (33.) von Jürgen Locadia wurde Passgeber Florian Grillitsch weder von Marko Grujic noch von Dedryck Boyata gestoppt. Das zweite und dritte Tor fingen sich die Berliner nach Eckbällen ein, nachdem zuerst Per Skjelbred Andrej Kramaric (38.) und später Karim Rekik Benjamin Hübner (78.) aus den Augen verlor. „Nach zwei Standardgegentoren ist es schwer, noch einen Punkt mitzunehmen“, konstatierte Ante Covic die Konsequenz aus den unnötigen Gegentreffern.

Dennoch probierte es Herthas Cheftrainer nach der Pause, stellte auf Dreierkette und Doppelspitze um, indem er Ondrej Duda und Kalou für Grujic und Boyata einwechselte. Der Belgier lief mit bandagiertem rechten Oberschenkel durch die Katakomben und droht zumindest für die kommenden Aufgaben wegen Leistenproblemen auszufallen.

Mut und Hoffnung, dass für Hertha diese Saison mehr drin ist als Mittelmaß, macht – neben der gezeigten Moral nach den beiden Nackenschlägen – die gestiegene Qualität im Angriff durch die Verpflichtungen von BVB-Leihgabe Wolf und Rekordtransfer Lukebakio. Das Duo zeigte gegen die TSG, dass sie die Fähigkeiten besitzen, in der Bundesliga jedem Gegner wehzutun. „Ich bin guter Dinge, dass wir beide Spiele gewinnen, wenn wir so spielen wie in der zweiten Halbzeit“, sagte dann auch Wolf mit Blick auf diese Woche.

Dazu ist der Kader in der Breite besser als in der Vergangenheit, was der zuletzt nicht berücksichtigte Kalou bewies, als er nach Lukebakios artistischem Anschlusstreffer seinen Reservistenfrust bei seinem Tor zum 2:2 in Energie umwandelte (69.).

Eine ähnliche Transformation verlangt Manager Michael Preetz für das Spiel im aller Voraussicht nach ausverkauften Olympiastadion gegen Dynamo. „Ich erwarte, dass wir das Spiel gewinnen, dass wir uns das zurückholen, was wir heute liegengelassen haben.“