Melbourne - Was machen denn die Zuschauer da beim Interview? Wo kommen die Fans im Stadion her? Applaus nach dem Matchball? In Melbourne, Australien, wo im Kampf gegen Corona mit aller Konsequenz gekämpft wird?

Mitten in der Pandemie haben sich die Tennisprofis bei den Australian Open erstmals seit vielen Monaten wieder vor Publikum präsentiert. Nach einem Jahr voller Turnier-Absagen oder Geister-Matches vermeldeten die Organisatoren des ersten Grand-Slam-Events der neuen Saison am Montag nicht ohne Stolz eine Zahl, die zwar nicht einmal ein Drittel des Vorjahreswertes ausmachte, aber immerhin um 17.922 höher lag als noch vor nicht allzu langer Zeit befürchtet.

„Es ist unglaublich, wieder vor Fans antreten zu dürfen. Das ist etwas, was wir vermisst haben im letzten Jahr“, sagte Deutschlands Nummer eins Alexander Zverev nach dem 6:7 (8:10), 7:6 (7:5), 6:3, 6:2-Auftaktsieg gegen den US-Amerikaner Marcos. Schon auf dem Platz hatte sich der 23 Jahre alte Hamburger bei den Gastgebern bedankt, „dass ihr uns ins Land gelassen habt und uns spielen lasst“.

Für ihr Vorhaben, mehr als 1000 Profis und Betreuer einfliegen zu lassen und dann auch noch Zuschauer im Melbourne Park zuzulassen, mussten sich die Verantwortlichen in Politik und Sport teilweise harsche Kritik gefallen lassen. Doch mit einem strengen und rigiden Hygiene- und Sicherheitskonzept verfolgten die Macher um Turnierdirektor Craig Tiley unbeirrt den Plan, eines der vier bedeutendsten Tennisturniere weltweit durchführen zu wollen.

Zwei Wochen mussten Zverev, Angelique Kerber & Co. nach ihrer Einreise in Quarantäne. Die deutsche Nummer eins bei den Damen durfte dann wegen eines Corona-Falls auf ihrem Flug 14 Tage lang ihr Hotelzimmer nicht verlassen - und schied bereits in der ersten Runde aus. Als unter der Woche ein Hotel-Mitarbeiter positiv auf Corona getestet und alle für Donnerstag geplanten Partien der Vorbereitungsturniere abgesagt worden waren, wurden die Zweifel wieder größer. Doch am Montag durften die Fans in die Stadien.

„Natürlich ist es nicht das, was wir gewohnt sind, aber es ist definitiv schön“, sagte die 23-malige Grand-Slam-Turniersiegerin Serena Williams aus den USA. Natürlich ist die Atmosphäre eine andere, wenn die Sitzreihen nur sporadisch besetzt sind. Natürlich ist es auf der Anlage am Yarra River weniger trubelig, weniger laut.

Aber fast alle Protagonisten der Branche werteten den Auftakt als wichtigen kleinen Schritt. Im vergangenen Jahr war Wimbledon abgesagt worden, bei den in den Herbst verlegten French Open waren 1000 Fans pro Tag zugelassen, bei den US Open gar keine. „So viele Zuschauer habe ich seit zwölf Monaten beim Tennis nicht mehr gesehen“, sagte der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic, der selber während der Coronavirus-Pandemie unter anderem bei der von ihm organisierten Adria-Tour wegen mangelnder Hygienemaßnahmen kritisiert worden war.

„Es erfüllt mein Herz mit Freude, wieder Menschen im Stadion zu sehen“, sagte der 33 Jahre alte Serbe nach seinem Erfolg gegen den Franzosen Jeremy Chardy. „Ich bin froh, dass wir zurück in Australien sind. Das ist ein fröhlicher Ort für uns. Das ist der Happy Slam.“