Matheus Cunha durfte bei Hertha BSC bisher regelmäßig jubeln. 
Foto: Imago Images

BerlinDieses Thema hat das Potenzial, Hertha BSC den ganzen Sommer in Atem zu halten. Frankreichs Serienmeister Paris Saint-Germain um Trainer Thomas Tuchel und der italienische Spitzenklub Inter Mailand haben nach übereinstimmenden Medienberichten großes Interesse an einer Verpflichtung von Matheus Cunha.

Den 21 Jahre alten brasilianischen Stürmer hatte Manager Michael Preetz erst im Januar für 18 Millionen Euro von Liga-Konkurrent RB Leipzig nach Berlin gelotst und mit einem Vertrag bis 2024 ausgestattet. Der Transfer erwies sich als Glücksgriff. Während Cunha unter Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann im Angriff nur dritte oder gar vierte Wahl war, trumpfte er bei den Berlinern auf Anhieb auf. Er verzückte mit seiner Spielfreude und Torgefahr die Hertha-Fans, schoss das Team von Trainer Bruno Labbadia in elf Spielen mit fünf Treffern und zwei Vorlagen schnell aus allen Abstiegssorgen. „Er hat wahnsinniges Potenzial. Ich will, dass er seine verrückte Art beibehält, aber noch etwas mehr Struktur bekommt“, lobte Labbadia Cunha nach dem Ende der vergangenen Saison. 

Dass Cunha trotz seiner taktischen Defizite ein Genie am Ball und ein Spieler für die besonderen Momente sein kann, bewies er bereits auf internationaler Bühne. Beflügelt von seinem Wechsel drehte Cunha nämlich schon vor seiner Ankunft in Berlin auf. Mit fünf Toren in fünf Spielen schoss er Brasiliens U23-Nationalmannschaft bei Südamerikas Olympia-Qualifikationsturnier zu den auf 2021 verschobenen Sommerspielen in Tokio. Diese Auftritte und Zahlen machen ihn für andere Spitzenklubs interessant.

Angesichts Cunhas Langzeitvertrag, der keine Ausstiegsklausel beinhalten soll, befindet sich Kaderplaner Preetz eigentlich in einer komfortablen Position. Dennoch hat das Thema das Potenzial, zur Feuertaufe für den eingeschlagenen Weg zu werden. Denn es stellt sich die Frage: Ist der mögliche sportliche Erfolg verkäuflich? Dank 374-Millionen-Investor Lars Windhorst ist man im Gegensatz zu anderen Klubs in der aktuellen Coronakrise nicht auf Transfereinnahmen angewiesen. Zumal ein Cunha-Verkauf den avisierten Angriff auf die Europapokal-Plätze und Windhorsts Vision von der Transformation zum „Big City Club“ im Wege stünde.

Sollten sich die internationalen Topklubs also ernsthaft um Herthas Stürmer bemühen, müssten sie wohl eine erhebliche Summe anbieten. Hertha dürfte lediglich bei einem unmoralischen Angebot schwach werden. Bleiben die Berliner selbst bei schwindelerregenden Beträgen standhaft und stellen die sportlichen Ziele über die wirtschaftlichen, wäre das ein klares Signal an die nationalen Konkurrenten, die Hertha BSC dank der üppigen Finanzspritze ohnehin auf der Überholspur sehen. Ziemlich sicher lässt sich aktuell nur sagen, dass ein möglicher Cunha-Abgang wegen des bis zum 6. Oktober geöffneten Transfermarkts den ganzen Sommer über zum blau-weißen Dauerthema zu werden droht.