Um es für Hertha BSC auf den Punkt zu bringen: Nach dem Klassenerhalt, der am Montagabend auf ziemlich eindrucksvolle Weise durch ein 2:o im Relegationshinspiel beim Hamburger SV gesichert werden konnte, ist vor dem totalen Restart eines zuletzt in arge Nöte geratenen Klubs. Was im Besonderen für Fredi Bobic die fraglos größte Herausforderung in seiner Karriere als Fußball-Manager zur Konsequenz hat.

Der 50-Jährige muss zum einen tiefgreifenden Relaunch der Mannschaft orchestrieren, weil diese wild zusammengestellte Mannschaft vielleicht zu einem finalen Glücksmoment, aber letztlich in dieser Besetzung wohl kaum zu einem nachhaltigen sportlichen Aufschwung in der Lage ist. Zum anderen – was noch viel, viel wichtiger ist – muss der ehemalige Nationalspieler flugs einen leitenden Angestellten finden, der mehr ist als nur ein Fußballlehrer, also einen Typen, der mit seiner Arbeit womöglich sogar eine Ära prägt.

Eine Reihe von schwerwiegenden Fehlgriffen

In Anbetracht leuchtender Beispiele wie Jürgen Klopp (Mainz, Dortmund und Liverpool) sowie Pep Guardiola (Barcelona, Bayern, Manchester City) im Großen und Christian Streich (Freiburg) sowie Urs Fischer (Union Berlin) oder Steffen Baumgart (Paderborn, Köln) im nicht ganz so Großen ist ja allen inzwischen bewusst, dass ein Coach nicht mehr nur als austauschbare Figur angesehen werden darf. Cheftrainer, in England Teammanager genannt, wirken im besten Fall weit über den Trainingsplatz, das Spielfeld und die Arena hinaus. Sie sind die Stars. Sie stiften Identität, prägen im Wesentlichen das Image eines Vereins. Wofür man ihnen natürlich, auch wenn das ein gewisses Risiko und die Gefahr der Abhängigkeit mit sich bringt, freie Hand lassen muss.

Es war ein Fehler (nicht der von Bobic, sondern der seines Vorgängers Michael Preetz), Jürgen Klinsmann mit dieser Aufgabe zu betrauen, weil der egomane Wahl-Kalifornier vielleicht ein guter, weil kompromissloser Projekt-, aber eben kein guter Übungsleiter ist. Es war auch ein Fehler, im Januar 2021 Pal Dardai zurückzuholen, weil der Ungar mit seinem Hang zur Selbstgefälligkeit den Spielern dann doch irgendwie früher oder später auf den Keks geht. Schließlich ist auch die von Bobic im November 2021 vollzogene Verpflichtung von Tayfun Korkut als ein grober Fehler zu erachten, weil der gebürtige Stuttgarter zwar ein exzellenter Fachmann sein mag, aber für die Leader-Rolle in einem Klub eben nicht über ausreichend Charisma verfügt.

Wenn man in diese Reihe der Fehlgriffe auch noch die überforderten Ante Covic und Bruno Labbadia sowie die Teilzeitkraft Alexander Nouri miteinbezieht, kommt man zu dem Schluss, dass die Hertha in den vergangenen Jahren bei der Besetzung dieser Schlüsselposition im Endeffekt wirklich alles falsch gemacht und sich damit an den Rande des Abgrunds gebracht hat.

Bloß keiner aus der Generation „Blabla“

Felix Magath, der sich im Herbst seiner Trainerkarriere noch mal erfolgreich als Retter bei der Hertha einbringen konnte und am Montagabend von Bobic zum Abschied mit Lob überschüttet wurde („Er hat etwas ganz Außergewöhnliches, ganz Großes geschaffen“), kann und wird nun nicht die Lösung sein. Und das nicht aufgrund seines Alters, sondern aufgrund seiner nur kurzfristig funktionierenden Herangehensweise. Er hat geliefert, aller Ehren wert.

Es darf auch keiner aus dem Kreis der üblichen Verdächtigen (Adi Hütter, Markus Gisdol und so fort) sein, auch keiner aus der Generation „Blabla“. Es muss einer sein, der auf natürliche Art die Kabine und die Kurve gewinnt. Der weiß, wie man das Potenzial des Klubs ausschöpft, also mit dem entsprechenden Mut auch die immer noch sehr erfolgreiche Nachwuchsarbeit im Klub in sein Konzept miteinbezieht. Ein ziemlich Irrer im positiven Sinne soll es also sein, was sich nicht bei irgendwelchen Veitstänzen am Spielfeldrand oder bei lähmenden Ausführungen über Gegenpressing oder dergleichen zeigt, sondern im Ergebnis.