Erik Shoji, US-amerikanischer Volleyball-Nationalspieler mit hawaiianischen Wurzeln, verdient sein Geld in Sibirien.
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BerlinIn Novy Urengoi gibt es keine Fernstraßen, die die westsibirische Stadt mit dem restlichen Russland verbinden. In Novy Urengoi gibt es auch keine Volleyballer, obwohl der örtliche Klub zu den Topmannschaften der russischen Liga gehört.  „Wir Spieler wohnen in Moskau und fliegen dreieinhalb Stunden zu jedem Heimspiel, weil es im Winter dort sehr, sehr kalt werden kann“, sagt Erik Shoji.

Der Libero wurde 2016 mit den Berlin Volleys Deutscher Meister, Pokalsieger und CEV-Pokal-Sieger, außerdem mit der US-Nationalmannschaft Olympiadritter. Er wuchs in Honolulu auf Hawaii auf. Jetzt spielt er schon die dritte Saison in Sibirien. „Nach acht Jahren in Europa bin ich die Kälte immer mehr gewohnt, außerdem stattet uns der Klub ja mit warmen Anoraks und Kleidern aus“, sagt Shoji.

In Novy Urengoi gibt es keine Palmen wie auf Hawaii. Surfen ist nicht angesagt. Dafür hatte es „vorige Woche Minus 42 Grad Celsius“, erzählt Shoji. „Nur fünf Minuten draußen zu sein, kann schon schwierig werden, dein Gesicht friert ein, alles, was du in der Nase hast, friert ein.“

100.000-Einwohner-Stadt mit Gasanschluss

Novy Urengoi, mehr als 100 000 Einwohner, gilt als Hauptstadt der russischen Gasförderung. Die drei Unternehmen Urengoigasprom, Jamburggasdobytscha und Tjumenburgas, die zum Gazprom-Konzern gehören, liefern das Gros der russischen Gasproduktion. Es gibt also eine Menge Kapital in der Region Jamal-Nenzen. Das macht sich im Kader und bei der Bezahlung der Volleyballer von Fakel Novy Urengoi bemerkbar, die am Dienstagabend (19.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) in der Gruppenphase der Champions League in Berlin antreten.

Neben  Shoji, 30, gehören die Außengreifer Egor Kliuka und Dimitri Volkov, beide russische Nationalspieler, zu den  herausragenden Profis. Das Hinspiel in Sibirien verloren die Berliner 0:3. „Aber da waren Patch und Le Goff nicht dabei“, schränkt Shoji ein. „Ich weiß, wie gut die Berliner in der Max-Schmeling-Halle sein können. Es ist ein besonderer Ort und ich freue mich darauf, wieder vor diesen Fans zu spielen.“

Zuletzt besiegte Fakel das Team von Zenit Kasan in der russischen Liga mit 3:1, am Sonnabend verlor Fakel zu Hause 1:3 gegen Kemerowo, den Klub, der in der Champions League  mit sieben Punkten vor Fakel (6), Berlin (3) und Ljubljana (2) liegt. Nur mit einem Heimsieg können die BR Volleys vielleicht die K.-o.-Phase der Champions League erreichen.

Da könnte es für sie von Vorteil sein, dass am Flughafen von Novy Urengoi manchmal Flüge ausfallen.  Der von Fakel nach Moskau am Wochenende etwa. Statt am Sonntagnachmittag kam das Team erst am Montagvormittag in Berlin an. „Es war nicht die beste Anreise“, sagt Shoji, „aber ich bin begeistert, wieder hier zu sein.“