BerlinKaum war der lang ersehnte Sieg gegen den FC Bayern München II unter Dach und Fach gebracht, vermeldete der abstiegsbedrohte Drittligist 1. FC Magdeburg eine wichtige Personalie. Otmar Schork, 63, ist der neue Sportdirektor, ausgestattet mit einem Vertrag bis Juni 2022 ausgestattet. Schork war viele Jahre sportlicher Leiter des SV Sandhausen und in seiner ersten von zwei Amtszeiten nebenbei Schadensregulierer bei einer Versicherung. Der neue starke Mann, Nachfolger von Mario Kallnik auf dieser Position, erlebte am Sonnabend schon den 2:1-Sieg des 1. FCM gegen die Bayern-Reserve als Augenzeuge mit. Ausgerechnet zwei Akteure, die beide eine Vergangenheit beim FC Bayern aufweisen, trafen zum verdienten Magdeburger Erfolg: Maximilian Franzke und Raphael Obermair.

Trainer Thomas Hoßmang, der bei einer weiteren Niederlage mit großer Wahrscheinlichkeit entlassen worden wäre, kann nun erst einmal durchatmen. Aber die Bilanz bleibt mager: sieben Punkte in neun Spielen. Die Situation bleibt weiterhin bedrohlich.

Maik Franz versteht die Kritik an seiner Person nicht

In den vergangenen Tagen glich der einst so stolze Europacupsieger der Pokalsieger von 1974 einem Tollhaus und rief viele Kritiker auf den Plan. Der einflussreiche Block U der großen Fanszene forderte in einer öffentlichen Stellungnahme den Rücktritt des Trainers und des Geschäftsführers Mario Kallnik, der ja seine zweite Funktion als Sportlicher Leiter aufgegeben hatte.

Auch der ehemalige Sportchef, der einstige Bundesliga-Profi Maik Franz, brach sein Schweigen. Der Ex-Herthaner war nach viereinhalb Jahren in der sportlichen Leitung des FCM im Juni als Sportdirektor entmachtet worden, sein Vertrag wurde aufgelöst. „Magdeburg fährt mit 180 km/h gegen die Wand“, sagte der 39-Jährige der Bild-Zeitung. Die Verantwortlichen um Aufsichtsratschef Lutz Petermann hatten Franz mit der aktuellen sportlichen Misere in Verbindung gebracht, was diesen arg verletzte. „Ich habe vor zwei Jahren den Kader zusammengestellt, der den Aufstieg in die Zweite Liga brachte“, sagte Franz der Berliner Zeitung,  „im Sommer haben sie beim Klub 15 neue Spieler geholt, ich bin aber seit vier Monaten weg.“ Franz ist stolz, großen Anteil am wichtigsten Transfer der letzten Jahre zu haben, als Marius Bülter nach Magdeburg geholt und später für die Klub-Rekordsumme von 1,9 Millionen Euro an den 1. FC Union Berlin verkauft wurde.

Kurz vor dem Duell gegen den FC Bayern München II hatte sich auch Klublegende Achim Streich in der "Volksstimme“ zu Wort gemeldet. Der 69 Jahre alte ehemalige Torjäger kritisierte vor allem die Defensive des Teams, fehlende Kommunikation auf dem Platz und bescheinigte Trainer Hoßmang, keinen Mut zu haben, „etwas Verrücktes zu tun“. Im Spiel gegen die Bayern-Amateure aber hatte Hoßmang vieles richtig gemacht.

In einer Umfrage des MDR, wer denn neuer Sportdirektor werden solle, lag Schork kurz vor seiner Inthronisierung mit nur sechs Prozent der Stimmen weit hinter dem zweimaligen Aufstiegs-Kapitän des 1. FCM, Marius Sowislo (25 Prozent), und Marc Arnold, dem langjährigen Sportchef von Eintracht Braunschweig (21 Prozent). Schork, der aus einem ruhigen Umfeld in Sandhausen kommt, gerät nun in einen permanent aufgeregten Verein, der sich noch immer im Krisenmodus befindet.