Torjäger mit Ambitionen: Der Düsseldorfer Rouwen Hennings kommt Augsburgs Philipp Max zuvor.
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BerlinSo leid es uns tut für Rouwen Hennings: Auch wenn Fortuna Düsseldorf auf verschlungenen Wegen doch noch den Klassenerhalt in der Bundesliga schaffen sollte, der bedeutendste Torschütze in der Geschichte des Klubs ist der 32-Jährige selbst dann nicht. Das liegt weniger an so treffsicheren Vorläufern wie Peter Meyer, mit 98 Toren Toptorjäger des Vereins, Klaus Allofs, der 1978/79 mit 22 Toren eine Saison-Bestmarke für die Bundesliga aufstellte, Sven Demandt, der den Ball in der Zweitligasaison 1988/89 gar 35 Mal im Netz zappeln ließ, oder dem unvergessenen Franz-Josef Wolfframm mit 25 Treffern in der Oberliga West 1958/59.

Nein, es liegt an keinem anderen als Georg Hochgesang. Der 1,65 Meter große Halbstürmer, berühmt für seine eingesprungenen Steilpässe, schoss 1933 zwar nur fünf Tore, diese aber in den vier Partien der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft, das letzte zum 3:0-Endstand im Kölner Finale gegen Schalke 04. Größer geht es nicht, denn bis heute blieb es der einzige Meistertitel für die Fortuna. Nicht aber für Hochgesang, der vorher schon dreimal mit dem 1. FC Nürnberg Champion war.

Hennings immerhin ist mit seinen 52 erfolgreichen Abschlüssen schon die Nummer acht in der ewigen Düsseldorfer Torjägerliste, wozu er diese Saison mit 15  Treffern beitrug, gut 41 Prozent der gesamten Fortuna-Ausbeute. So viele Tore hatte in der ersten Liga für die Fortuna zuletzt Thomas Allofs 1991 geschafft. Und Hennings kann ja noch zulegen am kommenden Sonnabend beim 1. FC Union Berlin.

Dabei hatte es gar nicht mehr so gut ausgesehen für den kräftigen Angreifer mit dem präzisen Schuss. In der vergangenen, recht erfreulich verlaufenen Saison des damaligen Aufsteigers stand er deutlich im Schatten von Dodi Lukebakio und Benito Raman, die mit je zehn Treffern die interne Statistik dominierten. Beide verließen jedoch den Klub, und Trainer Friedhelm Funkel setzte wieder auf Hennings.

Apropos Funkel. Dafür, dass Düsseldorf überhaupt noch Chancen hat, dem Abstieg zu entgehen, wird ja gemeinhin der überraschende Trainerwechsel Ende Januar zu Uwe Rösler als entscheidend angesehen, der neue Mann habe dem Team Feuer und Kampfgeist implantiert. Das ist ein wenig ungerecht, schließlich hat Funkel genauso viele Punkte geholt wie Rösler, je 15, zugegebenermaßen dazu fünf Spiele mehr gebraucht.

Stabilisiert hätte sich die Mannschaft aber wohl auch mit Funkel, der Hang, Führungen zu verspielen, so wie in sechs der ersten sieben Saisonspiele, ist ohnehin geblieben. Rouwen Hennings wiederum wäre mit altem Coach vermutlich noch effektiver gewesen. Elf seiner 15 Tore fallen in die Funkel-Zeit, als die Offensive auf ihn zentriert war, bei Rösler rutschte er nach fünf fruchtlosen Auftritten aus der Startelf und fand erst zuletzt seine Torgefährlichkeit wieder. So wie am Sonnabend beim 1:1 gegen Augsburg, als er mit einem strammen Flachschuss traf, nachdem ein erster Treffer per Video-Fehlentscheidung aberkannt worden war.

Ein Sieg hätte Bremen zum Abstieg verdammt und die Fortuna sicher in die Relegation gebracht, so aber müssen die Düsseldorfer bei Union gewinnen oder auf eine Niederlage beziehungsweise ein Remis von Werder gegen den 1. FC Köln hoffen. Bei einem Bremer Sieg mit weniger als vier Toren würde ein Punkt in Berlin genügen. Der Rest wäre dann vermutlich Formsache, schließlich ist Fortuna Düsseldorf ein ausgewiesener Spezialist für Relegationen, die ja vornehmlich dazu dienen, eine miserable Saison des Erstligisten und eine hervorragende des Zweitligisten ins genaue Gegenteil zu verkehren.

Neben Nürnberg und Union ist die Fortuna jedoch eines von drei Teams seit der Wiedereinführung 2009, die sogar als Zweitligisten triumphierten. Unvergessen die aberwitzigen Szenen beim Rückspiel 2012 gegen Hertha BSC, als in den Schlussminuten halb Düsseldorf am Spielfeldrand tobte, während die Berliner so verzweifelt wie vergeblich versuchten, das abstiegsverhindernde Tor zu schießen.