Hacke, Spitze? Im Training zeigt Akaki Gogia die Kür zur Pflicht.
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BerlinLeute, wie doch die Zeit vergeht. Vor einem Jahr hatte der 1. FC Union gerade mal zwei Spiele in der Bundesliga hinter sich, mit einem 1:1 in Augsburg durch Sebastian Andersson das erste eiserne Tor in der höchsten deutschen Spielklasse erzielt und zugleich dort den ersten Punkt erkämpft. Es ist, als wäre das alles erst vorgestern passiert, dabei ist es fast ein Ereignis aus einer ziemlich fernen Epoche.

Womöglich täuscht gerade jetzt ein wenig das Gefühl, da die Fußballwelt zeitlich aus den Fugen zu geraten scheint, weil der Gewinner der Champions League erst seit drei Tagen feststeht. Sich mit diesen Größen auch nur ansatzweise zu messen, muss den Eisernen bei allem Ehrgeiz und auch Können vorkommen, als wären sie beim Kampf gegen Goliath der David, der zu allem Ungemach auch noch seine Schleuder zu Hause  liegen gelassen hat.

Ganz so ausweglos scheint mir die Sache trotzdem nicht, denn es gibt gerade von den Größten der Großen etwas abzugucken, es so zu machen wie sie, für eine Sache gemeinsam (!) einzustehen, sich zusammenzuraufen, ohne sich dabei „Tschakka!-Tschakka!“-rufend vor die Brust zu schlagen und barfuß über glühende Kohlestückchen zu laufen. Viel war sowohl bei den Bayern als auch bei Paris Saint-Germain von einem verschworenen Haufen die Rede und davon, dass jeder besessen davon sei, Fehler des Mitspielers auszubügeln.

Eventuell werden einige Eiserne mit der Stirn runzeln, wenn ich ihnen, die Zusammenhalt ohnehin als einen ihrer größten Trümpfe ansehen, ausgerechnet damit komme. Womöglich meint mancher auch, Kämpferherz und Leidenschaft seien wie selbstverständlich in Köpenick erfunden worden. Das trifft zu und danach zu rufen ist, als ob jemand Teamgeist in die Alte Försterei tragen möchte, obwohl es den auf dem ganz besonderen Stückchen Grün zwischen Wuhle- und Waldseite bereits in Happen gibt.

Dennoch, und das ist vor allem für einen Außenseiter, der der 1. FC Union auf lange Zeit und erst recht in seinem zweiten Spieljahr in Deutschlands Extraklasse bleibt, geradezu existenziell: Niemand sollte müde werden oder sich zu schade dafür sein, nach diesen besonderen Fähigkeiten zu gieren.

Längst hat die Erfahrung gezeigt, dass nicht immer die individuell besser besetzte Mannschaft den Dreier holt und dass selbst die an Ideen reichsten Kreativ-Genies ab und an in vermeintlichen Grobmotorikern ihren Meister finden. Das ist keineswegs abwertend gemeint, denn derjenige, der es überhaupt in den Dunstkreis Bundesliga schafft, ist den allermeisten ohnehin überlegen. Trotzdem gibt es den manchmal kleinen Unterschied, der aus Masse Klasse macht. Um den zu überwinden, um einen Nachteil auszugleichen und um die Sache insgesamt viel spannender zu machen, hat auch der Malocher eine Chance, der Teamplayer. Was will der Fußball-Gott damit zeigen? Dass es auf den Geist innerhalb der Gruppe ankommt.

Das vielleicht erste, dennoch wohl berühmteste Beispiel dafür ist seit dem „Wunder von Bern“, dem ersten deutschen WM-Triumph 1954, der „Geist von Spiez“. Spiez, die 13.000-Einwohner-Gemeinde am Südufer des Thunersees, beherbergte die Mannschaft um ihren Kapitän Fritz Walter. Nicht einmal Ungarns „Goldene Elf“, bis dahin in 31 Länderspielen in Folge ungeschlagen, konnte im Finale diesen Geist brechen.

Was heißt das für die Eisernen in Anlehnung an ihr UNVEU? Und niemals vergessen: Auch Trumpf Teamgeist schießt Tore und gewinnt Spiele.