Was Ujahs Transfer bedeutet: Bei Union herrscht jetzt ein Überfluss an Mittelstürmern

Berlin - Wenn Urs Fischer nicht ein Schweizer Fußballlehrer in eisernen Diensten wäre, sondern – sagen wir mal – ein Geschöpf aus Hans Falladas berühmten Roman „Fridolin, der freche Dachs“, dann hätte der 53-Jährige jetzt kein Problem mathematischer Natur.

Die Dachse in dieser 1944 entstandenen, bezaubernden Geschichte können nämlich nicht so gut mit Zahlen umgehen. Alles, was mehr als zwei ist, ist für sie viele. Wenn Fischer also jetzt seine Angreifer auf Dächsisch zählen würde,  käme er  nach der Verpflichtung von Anthony Ujah, 28, genau wie vorher auf „eins, zwei, viele“.

Nun bedarf es keines mehrsemestrigen Hochschulstudiums in Arithmetik, um festzustellen, dass diese Variable „viele“ genau der Zahl vier entspricht.

Nämlich Ujah, der mit der Empfehlung von 27 Erstligatoren in 109 Bundesligaspielen kommt und geschätzte  zwei Millionen Euro gekostet haben soll; Sebastian Andersson, mit zwölf Treffern in der Aufstiegssaison treffsicherster Schütze der Köpenicker; Zugang Marcus Ingvartsen, 2016/17 in seiner dänischen Heimat  Torschützenkönig und rund 1,7 Millionen teuer; und Publikumsliebling Sebastian Polter.

Abdullahi wäre Nr. 5

Wer es genau nimmt, könnte sogar auf fünf kommen, so man denn Suleiman Abdullahi auch als Mittelstürmer zählt. Der Nigerianer kommt zwar meist über die Flügel, aber in einer Doppelspitze hat er auch schon agiert.

Der Einfachheit halber kehren wir  zurück zum vorgenannten Sturmquartett. Vier gewinnt ist ein beliebtes Strategie-Spiel für Kinder, aber auf dem Fußballfeld ist das nicht zwingend förderlich.

Da heißt es dann eher: Vier verstimmt.  Egal, wie sehr Trainer  Backups oder Doppelbesetzung von Positionen schätzen  oder für nötig erachten.

Und wer sich an die  Aufstiegssaison zurückerinnert, dem wird nicht entgangen sein, dass Fischer – also der Fußballlehrer,  nicht der Dachs – kein großer Freund der Doppel-Seb war oder eines 4-4-2. Mit anderen Worten, die Anzahl der Stellen, die der 53-Jährige zum Saisonstart zu vergeben hat ist in der Spitze doch sehr übersichtlich.

Und nun? Spielen wollen alle

Fischer kann auf die Befindlichkeiten von Einzelnen bei der Mission Klassenerhalt – Unions größtem Abenteuer seit der Klubgründung 1966  – keine Rücksicht nehmen. Es liegt in der Natur der Dinge, dass Cheftrainer ihr Team immer gerne mit unterschiedlichen Typen anreichern, um für alles gewappnet zu sein.

Ujah, ausgestattet mit einem Dreijahresvertrag in Köpenick, beispielsweise gilt trotz seiner nur 1,79  Meter Körpergröße als ungeheuer kopfballstark. Andersson  ist ein klassischer Wandspieler, Ingvartsen ist  ein laufstarker Linksfuß und Polter  ist zweifelsohne der absolute Mitreißertyp, dessen bloße Anwesenheit auf dem Feld den Teamkollegen einen Extrakick versetzen kann.

Das Loseisen des Nigerianers aus Mainz könnte von ihm nun als Misstrauensbeweis angesehen werden. Weit mehr noch als seine spärliche Berücksichtigung in der Rückrunde nach auskuriertem Mittelfußbruch, bei der Fischer körperliche Defizite oder mangelnde Spielpraxis durch die Verletzungspause hätte als Begründung aufführen können. 

Polter wird da nicht dagegen   losledern. Dafür ist er nicht der Typ. Aber es wird ihn verwundern, dass er, die totale Identifikationsfigur des Klubs, an Wertschätzung im internen Ranking abgefallen ist.

Besonders schmerzhaft muss das für ihn sein, weil er bei seiner Rückkehr von den Queens Park Rangers im Januar 2017 besser dotierte Erstliga-Angebote  abgelehnt hatte und sich bewusst den Eisernen anschloss, um mit ihnen aufzusteigen.