Am Ende jubelt Waspo Hannover: Tobias Preuß reckt die Faust.
Foto: Imago Images/Tilo Wiedensohler

HannoverAm Ende der Partie war es im Hannoveraner Volksbad Limmer wie beim Babyschwimmen. Allerdings waren es nicht kleine, speckige Ärmchen und Händchen, die ins Wasser patschten, sondern riesige Pranken an muskelbepackten Armen. Unter den Männern, die im schwarzen Anzug ins Wasser gezogen, gestoßen, geworfen worden waren, fanden sich weder Spandaus Trainer Petar Kovacevic noch Vereinspräsident Hagen Stamm. Dieses Mal gingen die Verantwortlichen von Waspo 98 Hannover unter freiem Himmel baden. Sie feierten in der Dämmerung mit ihren Wasserballern den 11:9 (2:2,5:3,3:1,1:3)-Sieg, der gleichzeitig das 3:1 in der Finalserie um die deutsche Meisterschaft bedeutete.

Damit hat der 37-malige Meister Spandau 04 in diesem Jahr den Titel verpasst. Denn vorausgegangen waren die 8:10-Auftaktniederlage in Hannover, das 6:9 in Schöneberg und der 12:9-Anschluss für die Titelverteidiger. Auf der Fahrt zurück nach Berlin sei es still gewesen, sehr still, sagt Spandaus Vereinspräsident Hagen Stamm. Er chauffierte einen der drei Vereinsbusse, überlegte, warum sich sein Team „völlig unter Wert verkauft“ hatte.

Das Fehlen von drei Stammspielern sowie Verletzung und Krankheit von Nikola Dedovic und Marko Stamm sei ein Grund gewesen. Ein anderer, dass Spandau nur in der Halle trainiert habe, Wasserball unter freiem Himmel aber eine völlig andere Sportart ist. „Vor allem hat mir aber das Feuer, der Wille gefehlt, diese Mängel zu kompensieren“, sagt Stamm.  „Hannover hat zurecht gewonnen. Wir haben mit Respekt gratuliert.“

Im Mittwochabendspiel begannen beide Teams nervös. Erst im fünften Versuch erzielten die Gastgeber den ersten Treffer im ausgeglichenen ersten Viertel. Im zweiten Abschnitt schaffte Hannover erstmals eine Zwei-Tore-Führung, die bei Halbzeit Bestand hatte. Im dritten Viertel zog das abwehrstarke und variable Waspo auf das vorentscheidende 10:5 davon. Entsprechend grimmig-entschlossen jubelte Torschütze Aleksandar Radovic.

Der Verweis auf Komiker Otto Waalkes, den Spandaus Trainer vor der Partie bemüht hatte, half den Berlinern nicht: „Das wird eine Partie, die zum großen Teil im Kopf gewonnen wird. Man könnte Otto Waalkes zitieren und als Devise ausgeben: Hirn an Arme: Tore werfen!“, hatte Kovacevic gesagt.

Bei Hannover waren die Torerfolge auf viele Schultern verteilt, vier Schützen waren doppelt erfolgreich. Bei Spandau traf Kapitän Marko Stamm dreimal. „Den mentalen Spagat nach fünf Monaten Coronapause wieder auf Leistungssport zu schalten, hat Waspo besser geschafft“, sagte Spandaus Präsident Stamm. „Jetzt müssen wir für uns eine Antwort beim Pokalfinale in zwei Wochen geben.“